FSC-Zertifikat Waldschützer bekommen ein Glaubwürdigkeitsproblem

Das FSC-Logo ist eines der bekanntesten Siegel für nachhaltig erzeugtes Holz. Doch die österreichische Schweighofer-Gruppe darf ihr Zertifikat behalten - trotz wohl erdrückender Beweise.
FSC-Logo

FSC-Logo

Foto: dpa Picture-Alliance / Oliver Berg/ picture-alliance / dpa

Viel klarer als dieser Satz geht es kaum: "Der FSC sollte sich von Holzindustrie Schweighofer und allen von Gerald Schweighofer kontrollierten Firmen trennen."

Der Satz steht am Anfang eines 110 Seiten langen Berichts dreier Prüfer des Forest Stewardship Council (FSC). Er sollte das Ende der Zusammenarbeit mit einem der größten Holzverarbeiter Europas bedeuten, der Schweighofer-Gruppe (HS) aus Wien. Sollte - denn das letzte Wort in dieser Sache hat das Board des FSC und das gab heute bekannt, dass Schweighofer in der FSC-Familie bleiben darf. Trotz Bedenken. Auf Bewährung.

"Die Entscheidung ist absurd", sagt Johannes Zahnen, der für den WWF Deutschland die Beschwerde eingereicht hatte. "Der FSC wirft mit Wattebäuschchen nach illegalen Holzhändlern."

Verwundert zeigte sich auch Alexander von Bismarck von der Environmental Investigation Agency (EIA) in Washington. Die EIA hatte maßgeblichen Anteil daran, dass in Rumänien Ermittlungen gegen den österreichischen Konzern ins Rollen kamen. Bereits im vergangenen Jahr hatte Bismarck HS als getarnter Holzlieferant aufgesucht - und in Erklärungsnot gebracht: Manager des Unternehmens versicherten ihm vor versteckter Kamera, es sei "kein Problem", wenn mehr Holz geliefert werde, als Genehmigungen vorliegen. "Der Umgang mit Schweighofer wird FSC auf die Füße fallen, als Skandal", sagt Bismarck.

Die Milde mit dem zwielichtigen Mitglied wirkt auch deshalb grotesk, weil das Board den Bericht der Ermittler ausdrücklich stützt. Und der lässt eigentlich keinen Raum für eine Entscheidung zugunsten des Angeklagten.

Der Bericht, für den die Ermittler monatelang recherchierten, sich durch Hunderte Dokumente gruben und immer wieder Interviews vor Ort führten, listet akribisch auf, was Umweltschützer wiederholt anmahnten und Schweighofer stets bestritt: Die offenbare Verstrickung des Konzerns in den illegalen Kahlschlag von Rumäniens Wäldern.

Rund 400.000 Hektar Waldfläche ohne Genehmigung gefällt

Das Unternehmen mit rund einer Milliarde Euro Umsatz betreibt dort drei riesige Sägewerke. Seit Jahren besteht der Verdacht, dass diese der Holzmafia als Schleusen dienen - nun hält auch der FSC die Vorwürfe für belegt: Die Ermittler, so der Bericht, hätten "klare und überzeugende Beweise dafür gefunden, dass HS in den illegalen Holzhandel involviert war". Das Unternehmen habe nicht nur illegales Holz für seine Sägewerke "akzeptiert", sondern Lieferanten auch zu "Überrodung" ermuntert. Fragwürdigen Zulieferern habe man Rodungsaktivitäten "vorfinanziert".

Das Ergebnis derartiger Praktiken: Seit der Wende wurden laut rumänischem Rechnungshof rund sechs Prozent der Waldfläche - 400.000 Hektar - ohne Genehmigung gefällt.

Das Tochterunternehmen Cascade Empire, über das HS selbst zu einem der größten Waldbesitzer in Rumänien wurde, habe zudem von betrügerischen Restitutionsprozessen profitiert, so die FSC-Ermittler. Holz, das aus Cascade-Wäldern stammt, die nach der Wende eigentlich gar nicht hätten verkauft werden können, gelangte dennoch in die HS-Werke. Dieses Holz, so der Bericht, sei illegal.

Bei der Entscheidung für Schweighofer, sagt FSC-Direktor Kim Carstensen, habe man jüngste Bemühungen berücksichtigt, mit einem neuen Due-Dilligence-System die Legalität von Holz zu überprüfen.

Die Schweighofer-Gruppe muss zu Kreuze kriechen

Dieses System allerdings hat die Prüfer nicht überzeugt. Es zeige "signifikante Schwächen", heißt es - und zwar immer dann, wenn HS nicht "stehendes Holz" mit bestimmten Lizenzen kaufe, sondern - wie häufig - den Rohstoff von Zwischenhändlern beziehe.

Die Schweighofer-Gruppe, die immer betont hatte, alles Menschenmögliche zu tun, um illegales Holz auszuschließen, muss nun zu Kreuze kriechen. Das FSC-Board fordert von den Österreichern bis Februar, "öffentlich Verantwortung" für deren Unregelmäßigkeiten zu übernehmen und einen klaren Plan für Verbesserungen vorzulegen.

Außerdem solle das Unternehmen in einen konstruktiven Dialog mit Nichtregierungsorganisationen eintreten.

Das kann die Schweighofer-Truppe nun schneller tun, als ihnen lieb sein wird. Vor zwei Wochen präsentierte die EIA ein neues Enthüllungsvideo : Es zeigt sogenannte Geistertrucks, die in die Schweighofer-Sägewerke einfahren. Anhand von Lieferdokumenten und GPS-Koordinaten konnte die EIA den angeblichen Rodungsort zurückverfolgen: Mal landeten die Umweltschützer an einem Friedhof, mal in einem Kornfeld.

Schweighofer hat dafür eine Erklärung: Die Lkw-Fahrer hätten die GPS-Koordinaten des Rodungsortes mitunter wohl etwas zu spät eingegeben.