Fuckedcompany-Chef Kaplan "Viele wollen doch nur hip sein"

Philip Kaplan lässt auf seiner Seite Fuckedcompany.com auf den Tod von Internet-Unternehmen wetten. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE sagt er, wie ernst es ihm damit ist.

SPIEGEL ONLINE:

Herr Kaplan, Ihre Site Fuckedcompany.com ist nun schon seit Monaten die populärste Ressource im Netz, wenn es um Untergangsgerüchte und Horrorgeschichten bei US-Internet-Firmen geht. Können Sie sich noch ohne Ihre Anwälte auf der Straße bewegen?

Philip Kaplan: Ich glaube nicht, dass ich mir wirklich Feinde gemacht habe. Ich habe neulich sogar einen wirklich netten Brief von der New-Economy-Postille "Fast Company" erhalten, die mir eigentlich das Logo meiner Site verbieten wollte, weil es das ihrige imitiere. Wir könnten vielleicht sogar bald zusammenarbeiten. Von anderen "Feinden" habe ich in letzter Zeit nichts gehört.

SPIEGEL ONLINE: Warum sind die Leute denn so nett zu Ihnen?

Kaplan: Ich glaube, sie mögen meine Site insgeheim.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben vor kurzem versucht, das zu tun, was viele gescheiterte Internet-Entrepreneure derzeit versuchen: Ihr Angebot zu Bargeld zu machen. Sie stellten Fuckedcompany.com für ein Mindestgebot von 500.000 Dollar in die Web-Auktion von eBay. Diesen Versuch haben Sie inzwischen abgebrochen. Will niemand Ihr Werk?

Kaplan: Zurzeit verhandele ich mit potenziellen Käufern. Ich weiß noch nicht, ob ich das bekomme, was ich mir vorstelle.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie keine Angst, dass diese Firmen Pleite gehen, bevor sie Sie bezahlen können?

Kaplan: Ich werde das Geld im voraus verlangen. Zur Zeit mache ich meinen Schnitt mit Banner-Werbung, Merchandising und bezahlten Anzeigen auf meinem Job-Board. Ich habe null Dollar für die Website ausgegeben und so ungefähr 30.000 Dollar in den letzten Monaten eingenommen.

SPIEGEL ONLINE: Also schreiben Sie schwarze Zahlen - ungewöhnlich für eine Internet-Firma. Auf welchen Gebieten wird es Ihrer Meinung nach in nächster Zeit die meisten Pleiten geben?

Kaplan: In den nächsten sechs bis zwölf Monaten wird es sicherlich bei den Dienstleistern für Handys und Handhelds jede Menge "Action" geben. Gute und schlechte.

SPIEGEL ONLINE: Manche Leute meinen, die Phase der Dot.com-Tode sei nun vorbei.

Kaplan: Der Andrang auf meiner Seite hat stark zugenommen. Er ging noch kein bisschen zurück.

SPIEGEL ONLINE: Was sind die größten Fehler, die Internet-Gründer begehen?

Kaplan: Normalerweise liegen die Probleme im unerfahrenen Management, das nicht für die Welt der Unternehmer geeignet ist. So etwas ist erheblich härter, als die Leute glauben. Viele wollen doch nur hip sein und coole Büroräume mit einem Billardtisch. Dabei geht es hier um Business. Nicht wenige junge Vorstandsvorsitzende albern zu sehr herum, anstatt ihre Arbeit ernst zu nehmen. Das endet dann damit, dass sie Mitarbeiter wie eine Währung behandeln und sie schließlich entlassen.

SPIEGEL ONLINE: Also sollte ein Uni-Frischling seine Träume nicht mehr verwirklichen, weil das Internet-Geschäft nun die Sache der großen Jungs ist?

Kaplan: Nein. Es gibt immer noch junge Leute da draussen, die gut sind und wissen, was sie tun. Ich zähle mich da gerne dazu (lacht). Man muss sich dabei aber ganz auf die Sache konzentrieren. Menschen lassen sich scheiden und verlieren ihr soziales Leben, sie legen ihr Herz und ihre Seele in das, was sie tun. Es muss wirklich qualvoll und hart sein. Aber wenn es das ist, was man machen will, kann es sich sehr lohnen. Die Risikokapitalgeber haben noch Geld in ihren Taschen - und es gibt auch noch welches zu verdienen.

SPIEGEL ONLINE: Trotzdem scheint die "Old Economy" derzeit durchzuatmen.

Kaplan: Die alte Wirtschaft trägt ein falsches Sicherheitsgefühl mit sich herum. Vor kurzem hat man sich noch über die Start-ups aufgeregt und sich gefragt, wie man da mithalten soll. Nachdem nun viele Jungunternehmer scheitern, glauben die Konzerne wieder, dass alles okay sei und sie nichts mehr tun müssten. Das ist ein Fehler.

SPIEGEL ONLINE: Pessimistische US-Ökonomen malen derzeit das Bild von einer Internet-Depression an die Wand, die zu einer Rezession führen könnte.

Kaplan: Daran glaube ich nicht. Die Kursstürze an den Börsen werden wir verkraften. Das Internet hat noch nicht einmal richtig begonnen, es gibt noch eine Menge zu tun. Die neuen Firmen werden aber viel stärker und durchdachter sein, als die alten. Blöde Business-Pläne sind out.

Das Interview führte Ben Schwan

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.