Führen in Teilzeit Morgens Chefin, nachmittags Mama

Teilzeit arbeiten und gleichzeitig Karriere machen? In vielen Unternehmen ist das undenkbar, Personalchefs fürchten Chaos und Frust im Team. Dabei gibt es positive Beispiele: Einige Firmen bieten ihren besten Leuten eine 25-Stunden-Woche - damit die mehr Zeit für sich und ihre Familie haben.

Chefin und Mutter: Wer Führungskräften Teilzeitstellen bietet, bindet Mitarbeiter an sich
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Chefin und Mutter: Wer Führungskräften Teilzeitstellen bietet, bindet Mitarbeiter an sich

Von Nicole Basel


Hamburg - Martina Sieber ist eine Exotin in der deutschen Arbeitswelt. Vor fünf Jahren wurde sie beim IT-Unternehmen IBM Chart zeigen Abteilungsleiterin - obwohl sie damals nur 25 Stunden pro Woche arbeitete. Sieber ist Teilzeitchefin.

Tatsächlich gibt es große Skepsis gegen dieses Modell. Forscher der Uni Essen-Duisburg haben Personalverantwortliche von Großunternehmen gefragt, ob es möglich ist, aus einer Teilzeitposition heraus Karriere zu machen. Keine Chance, war die Antwort von fast allen.

Martina Sieber hat es dennoch geschafft. Weil sie einen Arbeitgeber hat, der auf ihre Führungskompetenzen nicht verzichten will. Und weil sie organisieren kann.

16 Mitarbeiter hat sie im Entwicklungszentrum in Böblingen unter sich. Als sie den Chefposten übernahm, arbeitete sie zunächst ausschließlich vormittags. Später erhöhte sie ihre Stundenzahl auf 32, nur Donnerstag- und Freitagnachmittag ist sie nicht im Büro. "Gibt es ein Problem, weiß mein Team, dass ich am nächsten Morgen wieder da bin." Im Notfall ist sie per Handy erreichbar.

"Wenn man in Teilzeit führt", sagt Sieber, "muss man seine Maßstäbe verschieben. Zu Hause und im Job." Man dürfe nicht erwarten, dass das Wohnzimmer immer perfekt aufgeräumt ist. "Und im Büro kann man nicht mehr in jede Besprechung gehen. Man muss klar Prioritäten setzen." Sie habe einige Zeit gebraucht, um zu akzeptieren, dass man in Teilzeit nicht alles schafft, was man in Vollzeit erledigt. "Da muss man an seinen eigenen Ansprüchen arbeiten."

Aktuelle Zahlen, wie viele Führungskräfte in Deutschland Teilzeit arbeiten, gibt es nicht. 2004 waren es laut Statistischem Bundesamt 14 Prozent der weiblichen Chefs und 2 Prozent bei den Männern. Fest steht, dass nicht nur Frauen in Top-Positionen weniger arbeiten wollen. Nach einer Befragung des Verbands "Die Führungskräfte", würden 40 Prozent der Menschen in Leitungspositionen gerne in Teilzeit arbeiten.

Der Kampf um die besten Leute

Dabei sind die Voraussetzungen eigentlich gegeben. "Die eigentliche Führungsarbeit nimmt meist nur 20 bis 30 Prozent der Arbeitszeit in Anspruch", sagt Personalberater Andreas Hoff. "Und viele Führungskräfte reisen oft, sind also auch nicht permanent für die Mitarbeiter verfügbar."

Hoff gründete in den achtziger Jahren die erste deutsche Arbeitszeitberatung. Auch wenn das Thema Work-Life-Balance seither viel diskutiert wurde - geändert habe sich in der Mentalität wenig, sagt Hoff. "Männer arbeiten, wenn sie Familie bekommen haben, mehr als vorher. Wer Teilzeit arbeitet, gilt immer noch als Exot."

Dabei täten die Firmen gut daran, auch Führungskräften flexible Arbeitszeitmodelle anzubieten. "Unter dem Führungsnachwuchs ist das ein Top-Thema. Das Unternehmen profitiert zudem, wenn junge Mütter und Väter auf diese Weise schneller wieder in den Job einsteigen können." Außerdem habe man mit Teilzeitangeboten einen Wettbewerbsvorteil im Kampf um die besten Leute.

Es gibt jedoch auch Risiken in diesem Modell. So können sich die verbliebenen Vollzeitmitarbeiter beklagen, weil sie den Job ihrer Führungskraft in Teilzeit zu einem erheblichen Teil mitmachen müssen. Konferenzen werden für sie vorbereitet, Entscheidungen müssen mühsamer als sonst eingeholt werden. Und wenn plötzlich Mehrarbeit anfällt, weil beispielsweise ein unerwarteter Konkurrent in einem Bieterwettbewerb auftaucht, müssen in vielen Unternehmen die Vollzeitkräfte einspringen. Das sorgt bisweilen für Frust in Teams, deren Chefin oder Chef nur halbtags anwesend ist.

Außerdem beginnt nicht selten auch die interne Hierarchie in den jeweiligen Abteilungen zu wackeln. Ist die Chefin oder der Chef nur den halben Tag an Bord und somit auch nur an der Hälfte des Tagesgeschehens beteiligt, werden die Vorgesetzten in Teilzeit nicht immer für voll genommen. Das kann zusätzliche Probleme im Arbeitsablauf mit sich bringen.

Vorteile der Teilzeitangebote überwiegen

Martina Siebers Arbeitgeber aber sieht vor allem die Vorteile der Teilzeit. "Wir haben hoch qualifizierte Leute", sagt Birgit Fauser aus der Personalabteilung von IBM, "die wollen wir behalten, auch wenn sie nur Teilzeit arbeiten wollen oder können." Dabei habe der Wunsch nach flexiblen Arbeitszeiten nicht immer mit der Familiengründung zu tun. Mancher wolle sich etwa ehrenamtlich engagieren.

Die Flexibilität von Siebers Arbeitszeiten geht so weit, dass sie in der Regel etwas mehr arbeitet, so dass sie sich, wenn etwa ihre Kinder Ferien haben, freinehmen kann. Akzeptanzprobleme in ihrem Team, sagt sie, gebe es keine. "Die sehen, dass ich flexibel bin." Im Notfall auch mal kurzfristig einspringen zu können, sei eben doch nötig. "Ich glaube nicht, dass ein starres Modell bei einer Führungskraft funktioniert."

Auch sei nicht jede Führungsposition für Teilzeit geeignet. "Wenn es bei kundenzentrierten Projekten vier Wochen Einarbeitungszeit gibt, dann kann man nicht acht brauchen, weil man nur halbe Tage kommt."

In ihrem Fall kann sie sich auf ihre Führungsarbeit konzentrieren, und andere Aufgaben, die sie in Teilzeit nicht schafft, abgeben. Davon würden ihre Mitarbeiter auch profitieren. "Die erleben, dass ich wahnsinniges Vertrauen in sie habe", sagt Sieber. "Ich habe schließlich gar nicht die Zeit, sie ständig zu kontrollieren."

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insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
Dr. Sorglos 19.07.2010
1. Arbeitgeberpropaganda
Führen in Teilzeit geht offenbar ganz gut: Mein Chef ist etwa 3-5 Stunden die Woche im Büro anwesend, ich im Durchschnitt 60-80 Stunden. Hier regiert Angebot und Nachfrage die (Arbeits-)Situation. Meiner Erfahrung nach handelt es sich bei meiner Situation eher um den Normalfall, bei der im Artikel beschriebenen Situation um seltene Ausnahmen in Großbetrieben und in der Verwaltung. Wie sollte das bei 8,6 Millionen Arbeitssuchenden (Statistischs Bundesamt 07/10) auch anders sein? Da es sich bei dieser Art von Artikeln - Kategorie "Gläserne Decke", "Kind und Karierre", "Feminismus heute", "Frauenquote" usw. - aber ohnehin um Auftragsartikel der Arbeitgeberverbände handelt, die mit "mehr Frauen" in der Wirtschaft dem Trend zu traditionellem Rollenverhalten entgegenwirken und den Lohndruck auf hohem Niveau halten wollen, erübrigt sich eine sachdienliche Diskussion ohnehin...
Websingularität 19.07.2010
2. Wunschdenken!
Zitat von sysopTeilzeit arbeiten und gleichzeitig Karriere machen? In vielen Unternehmen ist das undenkbar, Personalchefs fürchten Chaos und Frust im Team. Dabei gibt es positive Beispiele: Einige Firmen bieten ihren besten Leuten eine 25-Stunden-Woche - damit die mehr Zeit für sich und ihre Familie haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,706225,00.html
Dieses Wunschdenken heutzutage ist bedenklich Die Ansprüche sind heutzutage so weit gestiegen, dass es viele Leute mittlerweile als ungerecht empfinden, wenn kein Teilzeit Chef drin ist. Wenn es sein muss, ziehen die auch noch gegen den Arbeitgeber vor Gericht. Einfach nur Pervers. Eine Generation die keine Abstriche machen kann, die alles haben will, alles unter einen Hut bringen. Man kann aber nicht immer alles haben! Ich hätte auch gerne Millionen auf meinem Konto und gleichzeitig ne Menge Freizeit, ... Man sollte sich endlich mal entscheiden, was man im Leben haben will, und Prioritäten setzen! Es gibt Leute, die bringen für die Karriere wirklich Opfer, keine Kinder, etc. Jetzt bekommt aber der angestrebte Posten eine Teilzeitmama, welche den Beruf nur halbherzig (oder zumindest nicht besser) ausfüllen kann. Aber solche Cheftypen sind sowieso Egoisten welche alles haben wollen. Nur sie selbst, die eigene Familie, das eigene Einkommen, ... alle anderen sind egal. Wenn es also keine gewichtige Gründe gibt, z.B. Beteiligung an der Unternehmensgründung, Riskantes Engagement mit Privatvermögen, oder wirklich gute Leistung, was bei Teilzeit sehr schwer sein dürfte. Ansonsten kann ich das nicht nachvollziehen.
langenscheidt 19.07.2010
3. Märchenstunde
Nicht schon wieder das uralte Märchen von Teilzeitchefs und Teilzeitmamas. In der IT-Branche kann man auch wochenlang auf Abteilungsleiter verzichten. Die Branche kommt zeitweise ohne Führung aus, da die Entwicklungs- und Abschlußzeiten länger sind. Und die Chefinnen, die in Kleinunternehmen oder im Mittelstand Teilzeit machen, die möchte ich sehen. Die Anforderungen lassen ein Nachhausegehen nach der Uhr gar nicht zu. Da wo Teilzeitchefs gemacht werden wurden diese Stellen nicht wegen der Mamas geschaffen sondern eben, weil 25 Stunden die Woche vollkommen ausreichen die Stelle zu managen!
chocochip, 19.07.2010
4. Kann ich in Teilzeit Aufsichtsratsvorsitzender werden?
Zitat von sysopTeilzeit arbeiten und gleichzeitig Karriere machen? In vielen Unternehmen ist das undenkbar, Personalchefs fürchten Chaos und Frust im Team. Dabei gibt es positive Beispiele: Einige Firmen bieten ihren besten Leuten eine 25-Stunden-Woche - damit die mehr Zeit für sich und ihre Familie haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,706225,00.html
ich in Teilzeit Aufsichtsratsvorsitzender werden? Sagen wir 5h die Woche? Ich nehme auch gerne anstatt der 3,5 Millionen Euro dafür nur 0,5 Millionen Euro als Gehalt an! Ehrlich!
Hortuspalatinus 19.07.2010
5. Die Frau als billige Arbeitskraft!
Bei all dieser Propaganda geht es nur darum, die Frauen als billige Arbeitskraft zu verheizen. So kann man dann den Familienvätern weniger zahlen, diese können dann nicht mehr die Familie ernähren und die Mütter werden gezwungen, zu arbeiten. So schließt sich der Kreis...
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