Führungskräfte Frauen bleiben oft außen vor

Für sich genommen sind die Zahlen recht eindrucksvoll, speziell wenn man allein die Zuwachsraten betrachtet: Einer Studie zufolge hat sich die Zahl der Frauen in Führungspositionen zwischen 1995 und 2007 annähernd verdoppelt. Doch ein Blick auf die Details offenbart ein immer noch tristes Bild.


Frankfurt am Main - Zwar spielen Frauen in der deutschen Wirtschaft eine zunehmend wichtige Rolle. So besetzen Managerinnen inzwischen 15,4 Prozent der Führungspositionen. Doch die finden sich in der Regel allenfalls auf den mittleren Ebenen der Firmenhierarchien: "Es zeigt sich immer mehr, dass gerade im mittleren Management die weibliche Kompetenz geschätzt wird", erklärte Klaus Schneider, einer der Autoren der Studie.

Die Chefsessel gehören in den deutschen Firmen immer noch den Männern, lautet deshalb auch ein Fazit der heute veröffentlichten Studie des Wirtschaftsinformationsdienstes Hoppenstedt, die Daten von 225.000 Unternehmen auswertete. Je kleiner ein Unternehmen jedoch sei, je mehr Frauen seien in Führungspositionen anzutreffen. So liegt der Managerinnenanteil in kleinen und mittelständischen Betrieben bei 17 Prozent, während im Schnitt 15,5 Prozent der Führungskräfte in deutschen Firmen weiblich sind. Großunternehmen liegen mit 11,8 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt.

Im oberen Management von Großunternehmen sind Frauen dagegen umso seltener anzutreffen. Dort liegt ihr Anteil bei nur 7,5 Prozent. Noch drastischer fallen die Zahlen für die Vorstandsetage aus. Von rund 10.000 Vorständen großer deutscher Unternehmen sind nur etwa 300 Frauen - also lediglich drei Prozent.

Die Studie zeigte auch: Während Managerinnen in Branchen wie Bergbau, Energiewirtschaft und Versicherung immer noch rar sind, dominieren Frauen bei der Leitung von Kommunikationsabteilungen, Werbung und Marketing.

Immerhin 9,4 Prozent der Top-Manager im Mittelstand sind der Studie zufolge weiblich, in den Kleinunternehmen 7,5 Prozent. Dabei stellten die Forscher aber auch fest: Sitzt eine Frau auf dem Chefsessel, gehört ihr das Unternehmen oftmals auch. Immerhin waren im vergangenen Jahr 30 Prozent aller Unternehmensmitbegründer Frauen, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.

Bei Nebenerwerbsbetrieben lag der Anteil der Gründerinnen sogar bei 40 Prozent, bei Kleinbetrieben bei 35 Prozent, wie die Statistiker weiter berichteten. Allerdings waren bei denjenigen neuen Betrieben, die größere wirtschaftliche Bedeutung haben, nur 18 Prozent der Mitbegründer Frauen.

Die Hoppenstedt-Studie belegt aber auch, wie weit Deutschland im internationalen Vergleich hinterher hinkt: Danach sind weltweit 22 Prozent der Managerposten mit Frauen besetzt, im EU-Schnitt immerhin 17 Prozent.

mik/AP



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