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Führungsmodell mit Problemen

aus DER SPIEGEL 35/1989

Die bekannteste deutsche Management-Schule, die Akademie für Führungskräfte in Bad Harzburg, ist in akuten Schwierigkeiten; sie kann die Gehälter ihrer Mitarbeiter nicht mehr bezahlen. Über Jahrzehnte hinweg lebte das Institut vom Ruf seines Gründers Reinhard Höhn, 85, der das sogenannte Harzburger Modell entwickelt hatte. Dieses Modell, eine sehr deutsche Antwort auf amerikanische Management-Methoden, hatte seine große Zeit in den sechziger Jahren. Es belehrte Führungskräfte vor allem darüber, wie sie Aufgaben an Untergebene delegieren können. Daß es als starr, hierarchisch und bürokratisch kritisiert wurde, schmälerte den Erfolg zunächst kaum. Auch schadete wenig, daß in den siebziger Jahren die SS-Vergangenheit Höhns publik wurde: Der hatte schon zu Nazi-Zeiten Führungsmethoden gelehrt. Doch schließlich ging die Entwicklung in den Betrieben an Höhns Modell vorbei: Flexibilität war gefragt, die Praktiker nahmen Höhn kaum mehr zur Kenntnis. Jetzt will sich Höhn, der die finanziellen Probleme mit dem »Sommerloch« erklärt, zurückziehen. Neue Gesellschafter sollen seine Akademie übernehmen - und frisches Kapital einbringen.

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