Führungswechsel Andreas Dombret soll neuer KfW-Chef werden

Lange wurde spekuliert, jetzt gilt er als der aussichtsreichste Anwärter auf den Posten: Andreas Dombret soll der neue Chef der staatlichen KfW-Bankengruppe werden. Er gilt als versierter Bankenspezialist.


Hamburg - Nach Informationen des SPIEGEL haben sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) nach der Kabinettssitzung am vergangenen Mittwoch auf die Personalie verständigt, nachdem in der Sitzung keine Entscheidung dazu gefallen war. Merkel hat zwar leichte Präferenzen für den Chef der NRW-Bank, Ulrich Schröder. Aber Steinbrück favorisiert ebenso wie der hessische Ministerpräsident Roland Koch den 48-jährigen Dombret.

Das Logo der KfW: Wichtigste Aufgabe ist IKB-Verkauf
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Das Logo der KfW: Wichtigste Aufgabe ist IKB-Verkauf

Der soll nun in einer der folgenden Kabinettssitzungen als Nachfolger der zurückgetretenen KfW-Chefin Ingrid Matthäus-Maier bestätigt werden. Dombret ist seit 2005 Deutschland-Chef der Bank of Amerika. Er verfügt, anders als seine Vorgängerin, über eine Banklizenz. Zuvor arbeitete er als Geschäftsführer bei der Investmentbank Rothschild in Frankfurt, davor wiederum war er, bis 2002, für die US-Investmentbank JP Morgan tätig.

Die wichtigste Aufgabe bei der KfW wird der Verkauf der IKB-Beteiligung sein, auf den sich die Politik geeinigt hatte. Die Mittelstandsbank IKB war in arge Bedrängnis geraten, nachdem sie sich am US-Immobilienmarkt im großen Stil verspekuliert hatte. Nur mit milliardenschwerer Staatshilfe konnte sie gerettet werden. Matthäus-Maier hatte im April die Konsequenzen aus dem Debakel gezogen und war zurückgetreten. Den Sprecherposten gab die 62-Jährige sofort auf, im September verlässt sie den Vorstand dann ganz - aus "akuten gesundheitlichen Gründen".

Die KfW ist zu rund 43 Prozent an der IKB beteiligt. Mehrfach musste sie der Bank nach Ausbruch der internationalen Finanzkrise im Sommer vergangenen Jahres mit milliardenschweren Zusagen unter die Arme greifen. Dabei übernahm sie auch die Risiken aus den Zusagen der IKB an ihre umstrittene Zweckgesellschaft "Rhineland Funding".

Durch die Stützungsmaßnahmen weist die KfW nun nach Angaben von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU), der Vorsitzender des Verwaltungsrates ist, für 2007 selbst einen Verlust von 6,2 Milliarden Euro aus.

Die frühere SPD-Politikerin Matthäus-Maier hatte jegliche Verantwortung für die Probleme zurückgewiesen. Die Geschäfte der IKB mit zweitklassigen US-Immobilienkrediten waren bereits vor der Amtszeit von Matthäus-Maier begonnen worden.



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