Fünf Jahre Euro-Bargeld Doping für den Exportweltmeister

Mehr Wettbewerb, mehr Wachstum und stabile Preise - das waren die Hoffnungen bei der Einführung des Euro-Bargeldes vor knapp fünf Jahren. Auch wenn sich die wirtschaftlichen Folgen nicht exakt beziffern lassen, sagen die meisten Volkswirte: Deutschland hat vom Währungswechsel profitiert.


Frankfurt am Main - Entscheidend ist aus ihrer Sicht weniger die Bargeldeinführung als die Schaffung des gemeinsamen Währungsraumes mit dem Euro als Verrechnungseinheit 1999. "Vieles spricht dafür, dass Deutschland in einigen Jahren wahrscheinlich im Rückblick als einer der großen Gewinner des Euro bezeichnet werden wird", sagt Konjunkturexperte Ralph Solveen von der Commerzbank. Als Exportweltmeister habe Deutschland in besonderem Maße von den Vorteilen der Währungsunion profitiert. Der Hauptgrund: Es gibt keine Wechselkursschwankungen im Euro-Raum, der der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt für Produkte made in Germany ist.

Transportbox mit Euro-Scheinen: "Wir haben nachgeholt, was die USA schon seit langem haben"
DPA

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Den deutschen Firmen kommt dabei zu Gute, dass sich ihre Wettbewerbsfähigkeit wegen eines vergleichsweise geringen Anstiegs der Lohnstückkosten deutlich verbessert hat. Dieser Kostenvorteil wäre ohne die Währungsunion vermutlich durch eine Aufwertung der D-Mark wieder zunichte gemacht worden, erklärt Solveen. Schwieriger haben es dagegen Länder wie Italien, die die gestiegenen Preise für ihre Produkte nicht mehr - wie in der Vergangenheit - durch Abwertung der eigenen Währungen auffangen können.

Ähnlich argumentiert auch der Leiter der Konjunkturabteilung des Instituts für Weltwirtschaft, Joachim Scheide. Die Kosten und Preise in Deutschland seien langsamer als in anderen Ländern des Euro-Raumes gestiegen, was ein Vorteil beim Export sei. "Einige Länder scheinen dagegen noch nicht verstanden zu haben, was feste Wechselkurse bedeuten", sagt er.

Kein Schutz vor Turbulenzen der Weltwirtschaft

Auch Armin Unterberg, Bereichsleiter Finanzmärkte bei der Dresdner Bank, zieht insgesamt eine positive Bilanz der Euro-Einführung: Keine Kosten mehr fürs Geldwechseln im gemeinsamen Währungsraum, Preisvergleiche sind leichter und der Wettbewerb hat zugenommen. Der stärkere Wettbewerb habe zwar einige Unternehmen hart getroffen, die Verbraucher hätten aber durch stabile, zum Teil sinkende Preise zum Beispiel für Elektronikprodukte profitiert. "Die Euro-Einführung hat den gemeinsamen Wirtschaftsraum gestärkt. Wir haben nachgeholt, was die USA ohnehin schon seit langem haben - eine einheitliche Währung für einen gemeinsamen Markt."

Die Hoffnung, dass sich die zwölf Euro-Länder als starker Wirtschaftsraum gegen Turbulenzen der Weltkonjunktur abschotten können, scheint sich dagegen bisher nicht erfüllt zu haben. Der stellvertretende Leiter der Konjunkturabteilung im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Christian Dreger, weist darauf hin, dass "die Rezession in den USA 2001 die Euro-Zone ganz erheblich getroffen hat".

Aus seiner Sicht hat Deutschland zudem am Anfang auch Nachteile aus der einheitlichen Geldpolitik gehabt. Denn in Deutschland ist die Inflation im Vergleich zu anderen Euro-Staaten relativ niedrig.

Die Europäische Zentralbank berücksichtigt bei ihren Zins-Entscheidungen aber die Inflationsrate der gesamten Währungszone. Das bedeutet, dass die inflationsbereinigten Zinsen in Deutschland höher sind als in vielen anderen Euro-Ländern. "Dies war ein Grund, warum Deutschland am Anfang geringere Raten beim Wirtschaftswachstum hatte", meint Dreger. Positiv beurteilt auch er das Ende der Wechselkursrisiken mit den Euro-Handelspartnern. "Das hat der Wirtschaft von Helsinki bis Lissabon einen zusätzlichen Impuls gegeben".

Friederike Marx, AP



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