Fünf-Prozent-Verlust Was vom Dax übrig blieb

Wieder einmal gibt es in Frankfurt kein Halten mehr. Nach weiteren Hiobsbotschaften aus den USA wenden sich selbst standhafte Anleger ab. Zu allem Überfluss äußern nun Experten auch noch Zweifel an der Verlässlichkeit der amerikanischen Konjunkturstatistik.


Börse in Frankfurt: "Noch Luft nach unten"
AP

Börse in Frankfurt: "Noch Luft nach unten"

Frankfurt am Main - Der Deutsche Aktienindex Dax verlor bis zum Abend 5,5 Prozent auf 3338 Punkte, während der Nemax 50 um 6,7 Prozent auf ein Allzeittief bei 483 Punkten nachgab. Der MDax der mittelgroßen Aktiengesellschaften fiel um 2,8 Prozent auf 3306 Punkte.

"Es fehlt jeglicher Impuls, Aktien zu kaufen", sagte ein Wertpapierhändler in Frankfurt. Zudem sei eine Reihe von Dax-Werten charttechnisch angeschlagen. "Da ist noch viel Luft nach unten." Auf den Verkaufslisten standen Aktien von Epcos Chart zeigen und Fresenius Medical Care Chart zeigen ganz oben. Die Titel fielen auf mehrjährige Tiefstände. Neben der Gewinnwarnung in der vergangenen Woche geriet die Fresenius-Aktie Händlern zufolge unter Druck, nachdem Anleger über den Rauswurf aus dem Dax spekuliert hatten.

Begrenzte Fluchtmöglichkeiten

Auch hart gesottene Privatanleger, die bisher noch nicht verkauft haben, wollen offenbar schnellstens raus aus dem Markt. Große Fonds verzeichnen seit Wochen enorm hohe Mittelabflüsse, weil Investoren reihenweise ihre Anteile verkaufen. Doch nicht nur die Krise am Aktienmarkt hat bei Anlegern zu einer tiefen Verunsicherung geführt. Auch andere bisher sicher geglaubte Anlageformen wie die gute alte Lebensversicherung gelten neuerdings als Wackelkandidaten.

"Den Versicherern geht es so schlecht wie nie zuvor", beschreibt Manfred Poweleit vom Rating-Spezialisten map-report die Situation. Konnten die Unternehmen während des Aktienbooms noch mit hohen Renditen locken, wird jetzt kräftig zurückgerudert: "Wir müssen und davon verabschieden, dass eine Lebensversicherung immer risikolose 7,5 Prozent bringt", meint Reiner Will vom Branchenbeobachter Assekurata. Für realistisch halten Experten einen Wert um die fünf Prozent. Das entspräche ungefähr dem aktuellen Zinssatz für langfristige festverzinsliche Anleihen. Letztere halten viele Experten neben Geldmarktkonten für eine der wenigen Anlageformen, die wenigsten ein paar Prozent sichere Rendite garantiert.



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