Fusion mit Commerzbank Der Name Dresdner Bank soll verschwinden

Mit ihrer Übernahme verschwindet der Name: Die Dresdner Bank soll nach Angaben von Commerzbank-Chef Martin Blessing künftig unter dem Namen Commerzbank firmieren. Der Banker kündigte an, dass in beiden Häusern Stellen gestrichen werden sollen - möglichst "sozialverträglich".


Frankfurt am Main - Die Commerzbank will den Namen Dresdner Bank nach der Übernahme des 136 Jahre alten Finanzinstituts aufgeben. "Ja, wir werden am Ende des Zusammengehens den einheitlichen Namen Commerzbank haben. Das wird aber bestimmt noch zwei Jahre dauern, bis Filialnetz, Technik und Verwaltung zusammengelegt sind", sagte Commerzbank-Chef Martin Blessing der "Bild"-Zeitung. Am gestrigen Montag hatte er nur angedeutet, dass die fusionierte Bank auf "Commerzbank" als Marke setzen werde.

Commerzbank-Chef Blessing: Einheitlicher Name "am Ende des Zusammengehens"
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Commerzbank-Chef Blessing: Einheitlicher Name "am Ende des Zusammengehens"

Der Abbau von 9000 der insgesamt 67.000 Arbeitsplätze in den beiden Banken soll über einen längeren Zeitraum gestreckt werden, wie Blessing sagte. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir den Abbau von 6500 Stellen in Deutschland sozialverträglich hinkriegen", betonte er.

Die Commerzbank Chart zeigen hat betriebsbedingte Kündigungen bis 2011 ausgeschlossen. "Es werden in beiden Häusern Stellen gestrichen. Es werden keine Quoten festgelegt", sagte der Commerzbank-Chef.

Dagegen befürchten die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Dresdner Bank bei der Fusion einen Stellenabbau vor allem zu Lasten der eigenen Mitarbeiter. "Das Signal an die Mitarbeiter ist erschreckend", sagte Claudia Eggert-Lehmann, stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Dresdner Bank, der Nachrichtenagentur Dow Jones.

Die sich abzeichnende Struktur des neuen Instituts zeige bereits, wo der größte Teil des Personalabbaus zu erwarten sei: In der neunköpfigen Führungsriege der neuen Bank ist lediglich Herbert Walter von Seiten der Dresdner Bank vertreten. Die anderen Vorstände kommen von der Commerzbank. Eggert-Lehmann sagte, bei den Verhandlungen habe sich Blessing weder auf Kündigungsverzicht noch auf Standortsicherung festlegen wollen. "Er wollte auch nicht festhalten, dass der Stellenabbau gleichmäßig auf beide Institute verteilt wird."

Blessing sagte, dass alle Kunden der Dresdner Bank ihre Berater und ihre Kontonummer behalten. Auf die Frage, ob die Kunden neue Berater bekämen, sagte er: "Nein, nur in Ausnahmefällen! Wir wollen Filialen nur zusammenlegen, die in unmittelbarer Nachbarschaft liegen. Ganz wichtig auch: Wir werden dafür sorgen, dass jeder seine Kontonummer und Bankleitzahl behält." Die Zahl der Filialen der beiden Banken soll von derzeit rund 1900 auf zirka 1200 reduziert werden.

Die Commerzbank hatte am Sonntagabend nach monatelangen Verhandlungen die Übernahme der seit 2001 zur Allianz gehörenden Dresdner Bank für insgesamt 9,8 Milliarden Euro angekündigt.

Die Enkelin des Dresdner-Bank-Gründers Eugen Gutmann, Lili Collas-Gutmann, äußerte sich entsetzt über den Verkauf des Geldhauses an die Commerzbank. "Das ist schrecklich, das ist einfach scheußlich", sagte die in Italien lebende 88-Jährige den "Dresdner Neuesten Nachrichten". Man lege keinen Wert mehr auf Tradition. Ihr Großvater hatte die Dresdner Bank 1872 gemeinsam mit anderen in Dresden gegründet.

kaz/Reuters/dpa/ddp



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