Fusion mit QXL ricardo akzeptiert schlechtere Bedingungen

Ricardo musste kürzlich Fehler in der Geschäftsführung einräumen, eine Gewinnwarnung wurde herausgegeben. Der potenzielle Käufer QXL will nun nur noch 34 statt 42,6 eigene Aktien gegen ein ricardo-Papier tauschen.


Hamburg - Wieder kommt ein Internetunternehmen der ersten Generation am Neuen Markt ins Rutschen. ricardo, das einzige Online-Auktionshaus, das sich auf dem deutschen Markt gegen den übermächtigen Konkurrenten eBay halbwegs durchsetzen konnte, erweist sich immer mehr als Flop.

Der britische Internet-Auktionator QXL.com hat sein Übernahmeangebot für den deutschen Konkurrenten ricardo.de revidiert. QXL bietet pro ricardo-Aktie nur noch 34 eigene Aktien.

Das revidierte Angebot bewertet nach QXL-Angaben jede ricardo-Aktie mit 32,9 Euro. Im Vergleich zum Schlusskurs des deutschen Online-Auktionators von 29,7 Euro am Donnerstag entspreche dies einem Bonus von rund 11 Prozent.

Die im Mai veröffentlichten Konditionen hätten noch eine Quote von 42,6 QXL-Aktien vorgesehen, teilte das britische Unternehmen am Freitag mit.

Unterdessen erklärte ricardo, dass auf Basis der vorläufigen Ergebnisse für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 99/00 bei einigen Kennzahlen ein schwächeres Ergebnis als im dritten Quartal erwartet werde.

Beim Auktionsvolumen und beim Umsatz seien deutlichere Rückgänge verzeichnet worden. So sei der Umsatz in dem für Consumer-Angebote wichtigen vierten Quartal gegenüber dem Vorquartal um rund 20 Prozent niedriger ausgefallen. Zudem sei die Software nicht zügig genug aktualisiert worden.

Wie der Sprecher weiter sagte, wurden im vierten Quartal mit einem neuen Geschäftsmodell Verkaufs- und Einstellgebühren bei ricardo eingeführt. Dies verbessere zwar die Qualität der Angebote, habe aber zu dem rückläufigen Auktionsvolumen geführt.

Einen Zusammenhang der neuerlichen Fusionsbedingungen mit einem gerüchteweise schwächelnden B2B-Geschäft gebe es nicht.

Zudem würden weiterhin Sonderbelastungen in Form von nicht verbuchten Verbindlichkeiten und Wertberichtigungen auf Lagerbestände in Höhe von insgesamt sechs Millionen Mark das Quartalsergebnis verschlechtern.

Die ricardo-Aktionäre werden den Angaben zufolge nach der Fusion einen Anteil von rund 37 Prozent am Kapital des gemeinsamen Unternehmens halten. Nach Einschätzung des ricardo-Vorstandes stellt die Fusion von ricardo und QXL die beste Möglichkeit dar, die Marktführerschaft beider Unternehmen im europäischen E-Commerce-Umfeld langfristig zu sichern.

Wie der Sprecher sagte, wäre die Alternative ein Scheitern der Fusion gewesen. Dies sei aber nicht im Sinne der Aktionäre. Für die Zukunft beider Unternehmen sei der Zusammenschluss die beste Lösung.

Der Sprecher räumte allerdings ein, dass sich ricardo einen höheren Preis, also ein besseres Umtauschverhältnis gewünscht hätte. Die Fusion solle nun voraussichtlich im Oktober abgeschlossen werden - falls QXL bis dahin nicht noch einmal die Daumenschrauben anlegt oder das Vorhaben abbläst.



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