Fusionen Pfizer rüttelt die Pharmabranche auf

Der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer (Viagra) will Zeitungsberichten zufolge seinen Konkurrenten Pharmacia übernehmen. Das Geschäft hat einen Wert von 60 Milliarden Dollar und mischt nach Einschätzung von Experten die gesamte Branche auf.


Alarmsignal für die gesamte Branche: Pfizer-Zentrale in New York
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Alarmsignal für die gesamte Branche: Pfizer-Zentrale in New York

Stockholm/New York - Attraktiv ist Pharmacia wegen seiner Arthritis-Mittel Celebrex und Bextra, die ein echter Verkaufsschlager sind. Insgesamt würde mit einem Zusammenschluss der beiden Pharmakonzerne ein Branchengigant mit einem Jahresumsatz von mehr als 48 Milliarden Dollar entstehen.

Pfizer würde seine ohnehin schon starke Position als Nummer eins auf dem US-Pharmamarkt weiter ausbauen, hieß es in der "New York Times". In Europa, Japan und Lateinamerika stiege der Konzern damit in die Führungsriege der Pharmabranche auf. Analysten sehen auch Auswirkungen auf den deutschen Pharmamarkt.

Pharmacia-Aktien zogen in Frankfurt zeitweise mehr als 30 Prozent an, während Pfizer-Titel rund acht Prozent an Wert einbüßten. Beide Titel wurden daraufhin bis auf Weiteres vom Handel ausgesetzt. Bayer-Aktien zogen gegen den Markttrend kräftig an.

Pharmacia-Aktionäre erhalten kräftigen Aufschlag

Allerdings soll für die Transaktion kein Bargeld fließen. Den Zeitungen "New York Times" und "Wall Street Journal" zufolge sollen im Rahmen der Übernahme 1,4 Pfizer-Aktien gegen eine Pharmacia-Aktie getauscht werden. Umgerechnet bietet Pfizer damit für den amerikanisch-schwedischen Konzern 45,08 Dollar je Anteilsschein. Das entspräche einem Aufschlag von rund 38 Prozent zu dem Schlusskurs an der Wall Street am Freitag. Pfizer-Aktionäre sollten nach der Übernahme zu 77 Prozent an dem neuen Konzern beteiligt sein, berichteten die Blätter weiter. Pfizer-Chef und -Chairman Henry McKinnel werde auch nach der Übernahme an der Spitze des Konzerns bleiben und seine Posten behalten, während Pharmacia-Chef Fred Hassan Vizechef im Board des Konzerns werden solle.

Analysten sind alarmiert

"Dies wird für andere eine sehr ernste Bedrohung im Wettbewerb", sagte Martin Hall, Pharma-Analyst bei der HSBC Securities in London. Die Frage werde nun sein, ob Konzerne wie GlaxoSmithKline, Merck and Co. oder Bristol-Myers Squibb nun selbst etwas wegen dieser Konkurrenz unternehmen würden. Nach Einschätzung der DZ Bank hat die Transaktion möglicherweise auch Auswirkungen auf deutsche Pharmakonzerne wie Bayer. "Die Kluft zwischen Bayer und den Top-Adressen wächst weiter", hieß es in einer Kurzmitteilung der Bank. Die Bayer-Aktie werde möglicherweise von der Fusions-Phantasie profitieren. "Die Frage ist, soll Bayer eine Pharmafirma zukaufen oder wird es selbst aufgekauft", hieß es in der Mitteilung.

Die Bayer-Aktie lag im Handelsverlauf mit 2,4 Prozent im Plus bei 31,12 Euro. Der Dow Jones Stoxx Health-Index für die europäischen Pharmawerte notierte dagegen mit 0,4 Prozent im Minus bei 343,61 Punkten.

Die Übernahme kommt zu einer Zeit, in der sich die Pharmakonzerne weltweit in einer Konsolidierungsphase befinden. Im Februar vor zwei Jahren hatte Pfizer den Konkurrenten Warner-Lambert in einer Transaktion im Volumen von 114 Milliarden Dollar übernommen. Dadurch hatte sich Pfizer unter anderem die Rechte an Lipitor gesichert. Der Cholesterinsenker ist mittlerweile das umsatzstärkste Arzneimittel der Welt.

Die Übernahme wäre zudem der größte Zusammenschluss zweier Unternehmen seit Beginn dieses Jahres. Das weltweite Volumen an Fusionen und Übernahmen war in den ersten sechs Monaten 2002 nach Einschätzung von Thomson Financial um etwa 50 Prozent gesunken. Die größte Transaktion unter börsennotierten Firmen war bislang die Übernahme der Lattice Group durch die britische National Grid Group im Volumen von rund 9,4 Milliarden Dollar.



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