Fusionsgerüchte British Telecom und AT&T in "privaten Gesprächen"

Angeblich bahnt sich ein transatlantischer Megamerger zwischen der British Telecom und der US-Telefongesellschaft AT&T an. Die Fakten versprechen großes Einsparungspotenzial, in der Realität drohen aber Probleme.


London - Das "Wall Street Journal" berichtet unter Berufung auf informierte Kreise, die Gespräche seien inoffiziell, Investmentbanken seien nicht involviert. Vielmehr handele es sich um "private Gespräche" zwischen AT&T-Chairman Michael Armstrong und BT-Chief-Executive Sir Peter Bonfield. Die Idee eines Zusammengehens kam zum ersten Mal auf, als das Joint Venture Concert der beiden Konzerne im vergangenen Jahr ins Leben gerufen wurde. Das Gemeinschaftsunternehmen bietet Großunternehmen in aller Welt Telefon- und Datendienste an.

Im Vergleich zum letzten Jahr seien die jetzigen Unterhaltungen ernsthafter und konzentrierten sich auf spezifische Fragen im Bezug auf eine Zusammenlegung der Geschäfte, erklärte die Zeitung. Ein Abschluss stehe jedoch nicht unmittelbar bevor.

Am Freitag äußerte sich BT allerdings verhalten zu den Berichten. Ein Sprecher stufte sie lediglich als "spekulativ" ein. Sollte es zu einem Zusammenschluss kommen, würde ein transatlantischer Telefongigant mit einem Umsatz von rund 96 Milliarden Dollar, 297.000 Beschäftigten und einem Börsenwert von 185 Milliarden Dollar entstehen. Die Zusammenlegung von bestimmten Servicebereichen wie zum Beispiel Call Center oder Abrechnungswesen würde allein auf Grund der Dimension zu erheblichen Kosteneinsparungen führen. Ein solcher Konzern wäre international einer der größten Festnetzbetreiber und würde mit 26 Millionen Nutzern auch im Segment Mobilfunk unter den ersten drei weltweit rangieren.

Die Zeitung verwies aber auf gewaltige kulturelle, Management- und kartellrechtliche Hürden. Die beiden Unternehmen müssten angesichts ihrer gewaltigen transatlantischen Telefonkapazitäten wahrscheinlich auch dem Verkauf bestimmter Vermögenswerte zustimmen.

AT&T und British Telecom kämpfen in ihren heimischen Märkten jeweils mit immer aggressiveren Konkurrenten, und das reguläre Telefongeschäft steht unter scharfem Preisdruck.



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