Fusionspoker Deutsche Börse bietet Euronext Chefposten an

Beim Kampf um Euronext gerät die Deutsche Börse immer stärker in die Defensive: Auf der Hauptversammlung in Frankfurt musste sie ihr Fusionsangebot verteidigen – und machte der Vierländerbörse ein weiteres Zugeständnis.


Frankfurt am Main – Man habe Euronext-Chef Jean-François Theodore angeboten, das gemeinsame Unternehmen als alleiniger Vorstandschef bis zur Hauptversammlung 2008 zu führen, sagte der Aufsichtsratschef der Deutschen Börse, Kurt Viermetz, heute auf der Hauptversammlung des Frankfurter Finanzplatzbetreibers. Bisher sei Theodore darauf nicht eingegangen.

Bulle vor der Frankfurter Börse: "Womöglich letzte Chance"
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Bulle vor der Frankfurter Börse: "Womöglich letzte Chance"

Laut dem ursprünglichen Vorschlag sollte die geplante europäische Superbörse zunächst von Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni und Euronext-Chef Theodore gemeinsam geführt werden. Theodore sollte dann später in den Aufsichtsrat wechseln.

Jetzt macht die Deutsche Börse weitere Zugeständnisse an die Vierländerbörse, die die Handelsplätze Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon betreibt. Es sei die "womöglich letzte Chance" zur Bildung einer europäischen Superbörse, sagte Aufsichtsratschef Viermetz vor rund 700 Aktionären. Deutsche-Börse-Chef Francioni sagte, dass das Management alles unternommen habe, die Euronext-Führung von einem Zusammenschluss zu überzeugen.

Francioni warb noch einmal massiv für das Fusionsangebot. Mit dem Vorschlag, der Vierländerbörse eine Fusion unter Gleichen zu ermöglichen, könne den Interessen der Aktionäre, der beteiligten Finanzzentren und aller anderen Interessengruppen am besten Rechnung getragen werden, sagte er.

Gestern hatte Euronext auf seiner Hauptversammlung in Amsterdam eine Abstimmung über eine Fusion mit den Frankfurtern verweigert. Daraufhin kündigte Francioni heute an, die Situation sorgfältig zu analysieren. Dass der Euronext-Aufsichtsrats das Angebot des amerikanischen Wettbewerbers New York Stock Exchange (NYSE) offen bvorzuge, habe keine bindende Wirkung, betonte Francioni.

Er präsentierte den Deutsche-Börse-Aktionären die Details des Angebots, das er als "faire Balance" und wertschaffend für die Aktionäre betrachtet.

Francioni wies noch mal auf die Gründe hin, aufgrund derer sich die Deutsche Börse so intensiv um eine Fusion mit Euronext bemüht: Ein gemeinsamer Finanzmarkt könne dem gemeinsamen Unternehmen netto rund 240 Millionen Euro pro Jahr sparen. Die Euronext dagegen hatte ihren Aktionären deutlich geringere Synergien im Falle eines Zusammengehens mit der Deutschen Börse genannt. Seine eigene Schätzung basiere auf einer detaillierten Analyse und beziehe die Kostenbasis beider Unternehmen ein, wehrte sich Francioni.

Der Börsenmanager wandte sich zugleich gegen den Vorwurf, die Deutsche Börse wolle im Zuge der Fusion ihr Geschäftsmodell auf die Euronext übertragen. Dieser Vorwurf werde auch durch die stetige Wiederholung nicht zutreffender, sagte Francioni den Anteilseignern. Die Deutsche Börse respektiere das Geschäftsmodell der Euronext.

ank/dpa/AFP/AP



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