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21. Dezember 2006, 10:15 Uhr

Fusionsrekord

Der 2.900.000.000.000-Euro-Boom

Noch nie hat es so viele Firmenfusionen und Übernahmen gegeben wie 2006: Sie erreichten weltweit ein Volumen von 2,9 Billionen Euro - 16 Prozent mehr als im Rekordjahr 2000. Experten sehen den Grund für den Boom in niedrigen Zinsen, ambitionierten Managern und einem Riesenhunger nach Wachstum.

Hamburg - Mit dem Dotcom-Boom im Jahr 2000 erreichten die Firmenübernahmen ein neues Niveau. In diesem Jahr ist das Volumen der Übernahmen und Fusionen noch einmal 16 Prozent höher als vor sechs Jahren - und sogar 29 Prozent höher als 2005. Demnach hatten die Geschäfte ein Volumen von 2,9 Billionen Euro. Das berichtet die "Financial Times" unter Berufung auf Datenmaterial des britischen Informationsdienstleisters Dealogic. Demnach gehen Investmentbanker davon aus, dass dieser Trend auch im kommenden Jahr anhält.

Insgesamt hat es in diesem Jahr 355 feindliche Übernahmeangebote gegeben - 94 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Der bisherige Rekord lag bei 272 Übernahmeangeboten im Jahr 1999. Unter den diesjährigen Geboten führt das Blatt auch das Gebot des deutschen Stromkonzerns E.on für die spanische Endesa (37 Milliarden Euro) sowie die Übernahme des Stahlriesen Arcelor durch Mittal (knapp 26 Milliarden Euro) auf.

"Die Aktivität im Bereich feindlicher Übernahmen wird weiterhin hoch bleiben", zitiert die "FT" Gavin MacDonald von der Investmentbank Morgan Stanley. "Firmen wollen sich strategisch weiterentwickeln und scheuen nicht vor unwilligen Übernahmekandidaten zurück."

Dickes Geschäft für die Investmentbanken

Neben niedrigen Zinsen, ehrgeizigen Unternehmenschefs und einem Hunger nach verstärktem Wachstum sehen Experten einen wesentlichen Grund für den Übernahmeboom in dem Vorhandensein großer Kapitalmengen von Investmentunternehmen. Die meisten Fusionen und Übernahmen habe es in Europa gegeben (1,2 Billionen Euro), die zweitmeisten in den USA (1,1 Billionen Euro). Im asiatisch-pazifischen Raum ohne Japan hatten Übernahmen und Fusionen ein Volumen von knapp 290 Milliarden Euro.

Am meisten profitierten die Investmentbanken selbst von den Geschäften: Sie kassierten rund 14,2 Milliarden Euro allein an Gebühren, so dass die Gehälter der Investmentbanker in diesem Jahr entsprechend hoch ausfallen. Allein Goldman Sachs wickelte Übernahmen und Fusionen im Wert von knapp 760 Milliarden Euro ab. Damit ist die Investmentbank die Nummer eins auf diesem Gebiet. Das Salär ihres Chefs Lloyd Blankfein fällt entsprechend üppig aus: Er erhält insgesamt 54 Millionen Dollar in diesem Jahr.

kaz

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