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17. Mai 2009, 11:38 Uhr

Fusionsstreit

Volkswagen bläst Gespräche mit Porsche ab

Der Machtkampf zwischen Volkswagen und Porsche spitzt sich zu. Jetzt hat der Wolfsburger Konzern überraschend die Fusionsgespräche mit dem Sportwagenbauer unterbrochen. Begründung: Es gebe derzeit keine Atmosphäre für konstruktive Gespräche.

Hamburg - VW-Konzernsprecherin Christine Ritz sagte der Nachrichtenagentur AP am Sonntag, der für den Montag angesetzte nächste Gesprächstermin über das Zusammengehen der beiden Autobauer auf Arbeitsebene sei abgesagt worden. Das Unternehmen schließe sich der Auffassung des Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh an, wonach es derzeit keine Atmosphäre für konstruktive Gespräche gebe.

Stolze Automarken Porsche und VW: Was wird aus der Fusion?
REUTERS

Stolze Automarken Porsche und VW: Was wird aus der Fusion?

"Wir sind nicht diejenigen, die um Gespräche gebeten haben. Und wir lassen es nicht zu, dass Volkswagen und einzelne Personen unseres Unternehmens in Misskredit gebracht werden, weil es bei Porsche keine Linie gibt", sagte Osterloh. Ein Porsche-Sprecher wollte sich auf AP-Anfrage zur Unterbrechung der Beratungen nicht äußern.

Die Gespräche zwischen Unternehmens- und Arbeitnehmervertretern sowie dem Land Niedersachsen sollen klären, wie die Modalitäten eines Zusammenschlusses aussehen könnten.

Osterloh stellte klar, dass die Familie Porsche jetzt deutlich vorgeben müsse, wozu sie bereit ist und wozu nicht. "Das sollte sie vor allem erst einmal hausintern bei Porsche klären, vor allem mit den Beschäftigten. Wenn man dann wieder auf Volkswagen zugeht, dann muss klar sein, worüber wir überhaupt sprechen wollen. Verkauf, Fusion oder etwas ganz anderes", sagte er. "Aber wir sind nicht bereit, uns die Probleme Dritter ins Haus zu holen. Wir haben keinen Druck und wollen uns auf unser Kerngeschäft konzentrieren. Wolfgang Porsche muss für Klarheit sorgen", forderte er.

Bei Volkswagen seien alle Beteiligten für eine Lösung offen - Aufsichtsratsvorsitzender, Vorstandsvorsitzender und Betriebsrat. "Aber nicht, wenn hier jeden Tag von Porsche eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird", sagte Osterloh.

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück will unterdessen weiter für die Unabhängigkeit der Sportwagenschmiede kämpfen. Er wirft Porsche-Miteigentümer Piëch vor, die Stuttgarter zu "verraten". Für Montag hat Hück mehrere tausend Porsche-Beschäftigte zu einer Demonstration gegen den VW-Patriarchen aufgerufen.

Die Eigentümer-Familien Porsche und Piëch - Ferdinand Piëchs Mutter war eine geborene Porsche - hatten sich Anfang Mai bei einem Treffen in Salzburg auf ein Zusammengehen des hochverschuldeten Sportwagenbauers mit dem VW-Konzern geeinigt. Einzelheiten sollten die Vorstände beider Firmen innerhalb von vier Wochen ausarbeiten.

Seitdem gab es zahlreiche Spekulationen sowohl über Personalfragen als auch über den zukünftigen Firmensitz und das Thema Finanzen.

Nach Informationen des SPIEGEL gibt es vor allem heftige Auseinandersetzungen um die Äußerungen von VW-Patriarch Piëch am Rande einer Polo-Präsentation auf Sardinien. Wolfgang Porsche und andere Mitglieder der Clans fürchten, dass Piëch den möglichen Preis, den ein Verkauf der Porsche AG an den VW-Konzern erzielen könnte, heruntergeredet habe. Auf die Frage, ob der Wert von elf Milliarden Euro für Porsche richtig sei, hatte Piëch gesagt: "Das ist sicherlich ein Paar Milliarden zu hoch gegriffen. 'Paar' groß geschrieben."

Aus dem Umfeld des Porsche-Aufsichtsrats und früheren Henkel-Chefs Lehner verlautet, er beurteile diese Aussagen kritisch. Sie stünden möglicherweise nicht im Einklang mit dem Aktiengesetz.

Am Samstag hieß es nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa in VW-Konzernkreisen, die Porsche-Führung verkenne die Lage total. Die finanzielle Situation des Sportwagenbauers sei "äußerst brenzlig". Vorwürfe, VW wolle Porsche fertigmachen, seien eine "Dolchstoßlegende".

Am Montag treffen erstmals seit den umstrittenen Äußerungen von Piëch die Porsche-Eigentümerfamilien bei einer Aufsichtsratssitzung zusammen.

flo/AP/dpa/ddp

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