Fusionsverhandlungen Porsche und Volkswagen rüsten zum Machtkampf

Die Fusion kommt - aber wie? Porsche und Volkswagen stehen vor einem wochenlangen Machtgerangel. Gleich acht Gruppen kämpfen um Einfluss im geplanten Superkonzern, schon stecken die ersten ihre Claims ab. SPIEGEL ONLINE zeigt die wichtigsten Protagonisten und analysiert ihre Interessen.

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Hamburg - Der Machtkampf hat begonnen: Nach dem Plan von Volkswagen und Porsche zu fusionieren, stecken Vorstände, Betriebsräte und Anteilseigner der beiden Konzerne nun ihre Claims ab. In den kommenden vier Wochen sollen die Vorstände beider Autoriesen die Machtverhältnisse im neuen Superkonzern ausarbeiten. Doch bereits am Tag eins nach der Ankündigung einer Zweckehe beziehen die ersten Parteien Kampfposition.

Manager Winterkorn, Wiedeking, Porsche: Machtkampf mit vielen Volten
DPA

Manager Winterkorn, Wiedeking, Porsche: Machtkampf mit vielen Volten

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking zum Beispiel verkaufte sich auf einer Betriebsversammlung in Stuttgart schon mal vorab als Sieger. Er sagte: "Wir haben unser Konzept durchgesetzt." Die Zukunft Wiedekings ist allerdings recht wackelig. Nach der gescheiterten VW-Übernahme rechnen manche Insider mit seinem baldigen Rausschmiss. Andere Branchenkenner, wie Ferdinand Dudenhöffer oder Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler, attestieren ihm dagegen sogar Chancen, den geplanten neuen Superkonzern zusammen mit VW-Chef Martin Winterkorn zu leiten.

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh drohte indes, sich in den Verhandlungen querzustellen. "Anscheinend verwechseln hier einige die Begriffe Fusion und Integration", sagte er. "Und allein wegen des VW-Gesetzes sind wir mehr als skeptisch, ob der Weg einer Fusion überhaupt beschritten werden kann." Die Arbeitnehmer bei VW genießen weitreichende Absicherungen - Osterloh dürfte in den kommenden Wochen alles daran setzen, diese zu verteidigen.

Und der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) steckte seinen Claim für die anstehenden Verhandlungen auch bereits ab: Er sagte, es müsse "fair zugehen" zwischen Porsche und Niedersachsen. Fair dürfte für den Landesfürsten vor allem bedeuten, dass er seine bisherigen Privilegien wie ein außerordentliches Vetorecht nicht hergeben muss.

Wiedeking, Osterloh, Wulff sind nur drei Protagonisten im Machtgerangel zwischen Porsche und Volkswagen: Nicht weniger als acht Parteien sitzen insgesamt am Verhandlungstisch und wollen ihre Interessen durchdrücken.

Glückt der Kompromiss Porsche/VW, entstünde ein neuer Superkonzern mit einer Produktion von derzeit zusammen 6,5 Millionen Autos und einem Umsatz von 121 Milliarden Euro pro Jahr. Erstmals hätte dann ein deutscher Autobauer Chancen, den weltgrößten Autobauer Toyota Chart zeigen zu übertreffen.

Ebenso gut könnte die Geburt des neuen Autoriesen allerdings auch scheitern. Ein Kompromiss zwischen Eignerfamilien, Arbeitnehmern, dem Land Niedersachsen und den beiden Autobauern dürfte zumindest extrem schwierig werden.

Konzern-Kennzahlen

Porsche Volkswagen
Fahrzeugproduktion (Mio.) 0,105 6,35
Umsatz (Mrd. Euro) 7,47 113,8
Nettogewinn (Mrd. Euro) 6,39 8
Mitarbeiter 12.200 370.000
Marken 1 9
Werke 2 61

Quelle: AP

Wer will was im Machtkampf zwischen Porsche und VW? SPIEGEL ONLINE zeigt die wichtigsten Protagonisten - und analysiert ihre Interessen.



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