Fußball Premiere holt Bundesliga zurück - Aktienkurs springt nach oben

Die Spiele der Fußball-Bundesliga könnten bald wieder bei Premiere zu sehen sein. Konkurrent arena plant, die Lizenzrechte an den Bezahlsender weiter zu reichen. Premiere-Aktien springen um mehr als fünf Prozent nach oben.


Hamburg - Premiere und arena liegen seit längerem mit dem Bundeskartellamt im Streit. Die Neuregelung der Bundesliga-Rechte sei nun der Bestandteil eines Vorschlags, den die beiden Unternehmen der Wettbewerbsbehörde gemacht hätten, heißt es in Branchenkreisen. Ein solcher Schritt könnte die Auflösung der Bundesliga-Redaktion bei arena bedeuten. Weder Premiere noch arena wollten sich dazu äußern. Auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) lehnte eine Stellungnahme ab.

arena-Moderator Klinsmann: Verpflichtung für zwei Jahre
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arena-Moderator Klinsmann: Verpflichtung für zwei Jahre

Sollte sich der Vorschlag durchsetzen, wäre die Etablierung eines zweiten Pay-TV-Kanals in Deutschland neben Premiere gescheitert. Die Aktien von Premiere reagierten auf diese überraschende Wende mit einem Kurssprung. Am Abend notierten die Papiere mit 5,6 Prozent im Plus bei 18,53 Euro.

arena hatte Premiere Ende 2005 die Live-Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga in einem spektakulären Bietergefecht weggeschnappt. Da arena zwar über die Rechte verfügt, Premiere aber einen deutlich größeren Kundenstamm hat, beschlossen die beiden Unternehmen eine enge Kooperation. Allerdings meldete das Bundeskartellamt damals Bedenken gegen die Vermarktung des arena-Bundesligaangebots durch Premiere an.

Pro Saison zahlt arena als Tochter des Kabelkonzerns Unity Media rund 240 Millionen Euro an die Deutsche Fußball Liga (DFL). Damit ist der Bezahlsender der größte Geldgeber des Fußball-Dachverbandes. arena hat schätzungsweise 1,1 Millionen Kunden. Noch im April hatte das Unternehmen den früheren Bundestrainer Jürgen Klinsmann als Co-Kommentator für zwei Jahre verpflichtet.

Mit dem nun vorgelegten Kompromiss würde Premiere-Chef Georg Kofler nachträglich doch noch als Sieger hervorgehen. Der Verlust der Bundesliga-Rechte hatte Premiere in heftige Turbulenzen gestürzt.

Entscheidung Mitte Juli

Eine Sprecherin des Bundeskartellamtes erklärte, die Behörde habe keine grundsätzlichen Bedenken mehr gegen den neuen Entwurf einer Zusammenarbeit zwischen den beiden Unternehmen. Allerdings müssten noch einige Punkte angepasst werden. Kartellamts-Präsident Bernhard Heitzer sagte in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung": "Derzeit liegt der Ball wieder bei den Unternehmen." Schon Mitte Juli rechne er mit einer Entscheidung.

Nun ist offenbar eine weit reichende Sublizenzierung an Premiere geplant. Dies würde heißen, dass Premiere die Bundesliga künftig wieder selbst produzieren und im Pay-TV live zeigen würde. Unklar ist derzeit noch, was mit den übrigen Sportrechten passieren würde, die arena derzeit hält.

Für die Kunden soll sich wenig ändern. arena-Abonnenten könnten dann auf Premiere Fußball schauen, die Pay-TV-Rechte dafür werde Premiere von dem Konkurrenten kaufen. Es sind aber noch Details zu klären.

Bei arena fürchten derweil die Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz. Von einer Auflösung der Bundesliga-Redaktion wären rund 100 feste und freie Mitarbeiter betroffen. Mehrere arena-Reporter hatten bis 2006 für Premiere gearbeitet und waren nicht immer im besten Einvernehmen zum Konkurrenten gewechselt. Ihre Rück-Übernahme durch Premiere gilt keineswegs als sicher.

wal/dpa



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