G7-Treffen Weltkonjunktur im Aufwind

Mäßige Konjunkturdaten wohin man blickt. Trotz der globalen Abschwächung sind die sieben führenden Industriestaaten optimistisch: Für die Weltwirtschaft sehen sie gute Wachstumsgrundlagen.


G7-Treffen: Gute Prognosen für die Weltwirtschaft
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G7-Treffen: Gute Prognosen für die Weltwirtschaft

Washington -. "Obwohl sich das weltweite Wachstum im vergangenen Jahr verlangsamt hat, bleiben die wirtschaftlichen Fundamentaldaten solide", heißt es in der Abschlusserklärung des Treffens der G7-Finanzminister und Notenbankchef in Washington. Mit dem Kommunique wandten sich die Minister und Zentralbankchefs der G7-Staaten gegen Befürchtungen, die Weltwirtschaft könnte sich weiter abkühlen. Nach der Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird das Wachstum in diesem Jahr 3,2 Prozent betragen. Im vergangenen Jahr hatte es bei fast fünf Prozent gelegen.

Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) sagte, alle Wirtschaftsräume "müssen ihre Rolle spielen" zur Stärkung des Weltwachstums. Die G7 forderten die Euro-Zone auf, die Strukturreformen voranzutreiben und so das Wachstumspotenzial zu stärken.

Auf die EZB sein kein Druck ausgeübt worden, die Zinsen zu senken, sagte Eichel. EZB-Chef Wim Duisenberg sagte, die jüngsten Inflationsraten und die Erwartung einer weiteren Preissteigerung in der Euro-Zone rechtfertigen die Haltung der Bank, die Zinsen entgegen vieler Forderungen nicht zu senken. Ein solcher Schritt würde die Glaubwürdigkeit der EZB nicht erhöhen. Eichel sagte, Duisenberg habe klar gemacht, dass der Erhalt der Preisstabilität das primäre Mandat der Europäischen Zentralbank sei. Erst wenn dies erfüllt sei, könne die Notenbank die Wirtschaftspolitik unterstützen.

Robuste Zahlen aus den USA

Die Fundamentaldaten in den USA blieben trotz des deutlichen Konjunkturabschwungs weiter robust, erklärten die Minister. Die Geldpolitik solle hier weiter zu einem nachhaltigen Wachstum und Preisstabilität beitragen. Die US-Notenbank Fed hat in diesem Jahr bereits in vier Schritten den Schlüsselzins um zwei Prozentpunkte auf 4,50 Prozent gesenkt. Auch die Fiskalpolitik sollte zu besseren Fundamentaldaten beitragen, hieß es.

Der türkische Patient

Die G7 lobten das Reformprogramm der krisengeschüttelten Türkei und das bevorstehende Hilfspaket des IWF und der Weltbank in Höhe von zehn Milliarden Dollar für das Land. Neben dem IWF-Paket sei Deutschland auch für bilaterale Hilfe der G7 für die Türkei eingetreten, sagte Eichel. Dafür seien aber nicht alle G7-Mitglieder gewesen. Eichel bezeichnete den Umfang des IWF-Pakets als angemessen.

Auch über die Reformbemühungen Russlands äußerten die G7 sich zufrieden. Russland habe zudem bekräftigt, es werde seine Schulden bei seinen im Pariser Club organisierten Gläubigerstaaten bedienen, sagte Eichel. Japan muss aus Sicht der G7 die Reform des Banken- und Unternehmenssektor umsetzen, um die Erholung des Landes zu unterstützen.

Den IWF forderten die sieben Industriestaaten auf, die Krisenprävention als "erste Priorität" anzusehen. Dabei spiele vor allem die Überwachungsfunktion des IWF eine zentrale Rolle. Der freie Welthandel sei ein wichtiger Faktor für das Wirtschaftswachstum. Der Gruppe der G7 gehören USA, Großbritannien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien und Japan an.



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