Gaga-Marketing Branson-Airline sucht Jetrosexuelle

Richard Branson, Chef der Airline Virgin, hat ein Faible für bizarre Marketingideen. Nun fahndet der Selfmade-Milliardär öffentlich nach einer neuen Spezies von Vielfliegern - sogenannten "Jetrosexuals", die elf Bedingungen erfüllen müssen, um sich zu qualifizieren.


Virgin-Chef Branson: Jeden Tag die Terra firma verlassen
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Virgin-Chef Branson: Jeden Tag die Terra firma verlassen

Hamburg - "Virgin Atlantic sucht den ultimativen jetrosexual", heißt es auf der Homepage der Fluggesellschaft. Jene Vielflieger, die sich angesprochen fühlen, können sich bei der Airline vorstellen.

Virgin prämiert dann "den einzig echten jetrosexual" und belohnt ihn mit einer Luxusreise nach London. Virgin spielt mit der Kampagne auf das Modewort "metrosexuell" an, das extravagant-modebewusste Heterosexuelle beschreibt, die nicht viel auf traditionelle männliche Rollenbilder geben.

Bransons Suche nach dem "Jetrosexuellen" ist gefärbt von der Extravaganz, mit der es Virgin-Gründer immer wieder in die Schlagzeilen schafft. Wer also zu dieser Spezies von Trendsettern gehören will, muss nicht nur Vielflieger sein - sondern außerdem einige befremdliche Kriterien erfüllen.

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Branson worldwide: Der tanzende Airline-Chef

Grundsätzlich angesprochen sollten sich Reisende fühlen, die "jeden Tag die Terra firma verlassen und Geschäft und Kultur voranbringen". Weil das wohl noch auf einen zu großen Teil der Menschheit zutrifft, hat Virgin das Ganze noch durch elf Gebote ergänzt.

So hat der jetrosexual laut Virgin-Definition stets seinen Pass dabei. Dieser muss den Stempel eines Landes tragen, das heute einen anderen Namen hat. Ein wahres Mitglied des Jetrosex-Jetset muss sein Bier in sechs Sprachen bestellen können. Es darf seinen Sitznachbarn während des Fluges nie mit Gequassel nerven. Er darf nie länger als fünf Minuten auf der Flugzeugtoilette verbringen und keine aufblasbaren Nackenkissen benutzen.

Der echte jetrosexual hat einen Lieblingsflughafen und kann sagen, warum er diesen gegenüber anderen bevorzug. Er fliegt gelegentlich Economy-Class, damit er "demütig" bleibt, wie es bei Virgin heißt. Wer diese und andere Kriterien erfüllt, muss dann auch noch in einem 200-Wort-Aufsatz begründen, warum er der einzig wahre jetrosexual ist.

Man muss wohl in etwa so gepolt sein wie Branson, um eine reelle Chance auf den Luxustrip nach London zu haben. Schon in der Vergangenheit fiel der Unternehmer durch seltsame Aktionen auf. So feierte er sich in der TV-Show "The Rebel Billionaire", als er unter anderem eine Teeparty auf der Kuppel eines Heißluftballons veranstaltete. Unvergessen auch der Erstflug einer Virgin-Maschine nach Sydney, als Branson nach der Landung mit einem Surfbrett, umringt von Bikini-Schönheiten auf der Tragfläche des Flugzeugs herumtanzte. Ähnliches wiederholte sich in Kuba und Indien.

So hat es den Anschein, als setze Branson sich mit der Suche nach dem ultimativen Jetrosexuellen selbst ein Denkmal. "Als ich mit Virgin startete, hat mir jeder erklärt, dass ich scheitern würde", verkündete der Airline-Chef. Deswegen sei es wichtig über den Preis jene zu feiern, die als "Rockstars" im Geschäft auch dann noch weiter arbeiten, wenn andere sagen, sie hätten nie Erfolg. Wahrscheinlich fliegt Branson am Ende selbst als Preisträger mit Virgin nach London.

Jörn Sucher



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