GameStop-Aktienhype Chef des Onlinebrokers Robinhood wehrt sich gegen Vorwurf unlauterer Absprachen

Der US-Kongress bemüht sich um die Aufklärung der Vorgänge im Zusammenhang mit den Kurskapriolen der GameStop-Aktie. Die Beteiligten sind sich keiner Schuld bewusst.
GameStop-Filiale in New York: »Nicht alles perfekt gemacht«

GameStop-Filiale in New York: »Nicht alles perfekt gemacht«

Foto: CARLO ALLEGRI / REUTERS

Der Chef des während der GameStop-Aktienturbulenzen in die Kritik geratenen Onlinebrokers Robinhood Markets hat vor dem US-Kongress den Vorwurf zurückgewiesen, sein Unternehmen habe mit Großinvestoren Absprachen getroffen. »Ich möchte es von vornherein klarmachen: Jegliche Anschuldigungen, dass Robinhood Hedgefonds oder anderen speziellen Interessen – zum Nachteil unserer eigenen Kunden – geholfen hat, sind absolut falsch«, erklärte Vlad Tenev in seiner Stellungnahme für die mit Spannung erwartete Anhörung des Ausschusses für Finanzdienstleistungen im US-Repräsentantenhaus am Donnerstag.

Neben Tenev mussten sich der Chef der Onlineplattform Reddit, Steve Huffman, sowie die Spitzenmanager der Hedgefonds Citadel und Melvin Capital Management den Fragen der US-Politiker stellen. Zudem sagte Keith Gill aus – ein als »Roaring Kitty« bekannter YouTuber, der als treibende Kraft der Anleger-Community gilt, die die atemberaubende Kursrallye der GameStop-Aktie im Januar angefacht hatte. Bei der ersten von mehreren geplanten Kongressanhörungen sollte erörtert werden, wie es zu den Kurskapriolen kommen konnte und welche Rollen Social Media, Onlinebroker wie Robinhood und professionelle Finanzmarktspekulanten wie Hedgefonds dabei spielten.

Vor allem die Tatsache, dass Robinhood und andere Plattformen den Handel mit den heißgelaufenen Aktien von GameStop und weiteren Unternehmen wie der Kinokette AMC während der Kursexplosion im vergangenen Monat beschränkten, sorgte für viel Ärger bei Anlegern und Empörung bei Politikern. Der texanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton etwa nahm wegen des Verdachts von Absprachen zwischen Hedgefonds und Brokern wie Robinhood Ermittlungen auf und erklärte: »Es stinkt nach Korruption«. Die Börsenaufsicht SEC und das Finanzministerium untersuchen die Vorgänge um den GameStop-Hype ebenfalls. Laut US-Medien sind auch Justizbehörden eingeschaltet.

Etliche Anleger klagen

Im Januar hatten sich in einem Reddit-Forum organisierte Hobbyspekulanten wie Gill ein Kräftemessen mit Hedgefonds geliefert, die auf einen Kursverfall der GameStop-Aktie gewettet hatten und zunächst die Oberhand behalten. Inmitten der für die Großinvestoren bedrohlichen Rallye schränkte Robinhood dann aber den Handel zeitweise so ein, dass die Aktien nur noch verkauft werden konnten. Damit erntete das Unternehmen lautstarke Kritik und setzte sich Vorwürfen aus, Kleinanleger gegenüber dem Wall-Street-Establishment zu benachteiligen. Der Fall beschäftigt bereits die Gerichte – etliche Anleger, die sich betrogen fühlen, haben Robinhood verklagt.

Unternehmenschef Tenev bekräftigte nun aber gegenüber den Abgeordneten, dass die Restriktionen aufgrund des gestiegenen Bedarfs an Sicherheiten wegen des plötzlich massiv angesprungenen Handelsvolumens nötig gewesen seien. Hedgefonds hätten dabei keinerlei Einfluss ausgeübt. Robinhood hatte auf dem Höhepunkt der Marktturbulenzen insgesamt 3,4 Milliarden Dollar bei Investoren eingeworben, um seine Kapitaldecke zu stärken. Tenev entschuldigte sich aber bei den betroffenen Anlegern – Robinhood habe in der Situation sicher nicht alles perfekt gemacht. Auch Citadel-Chef Kenneth Griffin dementierte Mauscheleien entschieden: Absprachen seines Fonds mit Robinhood habe es »absolut nicht« gegeben.

»Roaring Kitty« ein Finanzprofi?

Keith Gill, der Mann hinter dem YouTube-Profil »Roaring Kitty«, war diese Woche selbst ins Visier einer potenziellen Sammelklage geraten. Dem Internetstar wird vorgeworfen, mit seiner GameStop-Kampagne gegen Wertpapiergesetze verstoßen und anderen Investoren enorme Verluste eingehandelt zu haben. Gill sei ein lizenzierter Finanzprofi, der sich gegenüber Kleinanlegern als Amateur ausgegeben habe, um sie zum Kauf überteuerter Aktien zu verleiten, hieß es in der am Dienstag in Massachusetts eingereichten Klage. Der Kläger ist ein US-Investor, der sich mit Optionen auf Gamestop-Aktien verspekulierte. Er wird durch die bekannte US-Großkanzlei Hagens Berman vertreten.

Gill betonte bei der Anhörung erneut, dass er kein Profianleger sei und keine Finanzberatung betreibe. Der YouTuber kam aber im Vergleich zu den meisten anderen vorgeladenen Zeugen eher selten zu Wort. In seiner vorbereiteten Stellungnahme hatte er Anschuldigungen, sich auf dubiose Weise durch den GameStop-Hype bereichert zu haben, bereits klar zurückgewiesen. Er habe niemanden zum Handel mit Aktien angestiftet, um davon selbst zu profitieren, versicherte Gill. Die Vorstellung, dass er Social Media genutzt habe, um GameStop-Aktien bei unwissenden Anlegern anzupreisen, sei »absurd«.

mik/dpa-AFX
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