Mögliche Energieengpässe IWF senkt Wachstumsprognose für Deutschland – und zwar deutlich

Noch im Mai hatte der Internationale Währungsfonds der Bundesrepublik in diesem Jahr rund zwei Prozent Wachstum prophezeit. Wegen der verschärften Energiekrise wurde die Prognose nun klar gesenkt. Auch 2023 werde »herausfordernd«.
Produktion (bei Volkswagen): »Erhebliche Verlangsamung der wirtschaftlichen Aktivität« bei Gaslieferstopp

Produktion (bei Volkswagen): »Erhebliche Verlangsamung der wirtschaftlichen Aktivität« bei Gaslieferstopp

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Nancy Heusel / Future Image / IMAGO

Der Internationale Währungsfonds (IWF) traut der deutschen Wirtschaft in diesem und im nächsten Jahr nur noch ein vergleichsweise mageres Wachstum zu. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte 2022 um 1,2 Prozent zulegen und danach nur noch um 0,8 Prozent, wie der IWF zu seinem aktualisierten Deutschland-Bericht  mitteilte. »Der Krieg in der Ukraine sorgt für neuen Gegenwind«.

Dazu gehörten eine Drosselung der Gaslieferungen aus Russland, höhere Energiepreise, eine Verknappung wichtiger Vorleistungsgüter, eine schwächere Auslandsnachfrage und verschärfte finanzielle Bedingungen. Sollte Russland die Gaslieferungen stoppen, würde die deutsche Wirtschaft schrumpfen: Das Bruttoinlandsprodukt würde dann im laufenden Jahr um 1,5 Prozent sinken.

Noch im Mai hatte der Fonds erklärt, das Wachstum werde sich von 2,9 Prozent im Vorjahr nun 2022 nur auf rund zwei Prozent abkühlen und 2023 bei etwas mehr als zwei Prozent liegen. Vergangenes Jahr hatte er noch 3,9 Prozent vorhergesagt.

»Die größte Bedrohung wäre ein dauerhafter Stopp der russischen Gaslieferungen nach Europa, was zu einer erheblichen Verlangsamung der wirtschaftlichen Aktivität und zu steigender Inflation führen könnte«, schreiben die Washingtoner Experten. In ihrer Analyse spielten die Ökonomen dieses Szenario durch: Ein kompletter Ausfall der russischen Gasimporte würde das deutsche Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr um 1,5 Prozent senken, im folgenden Jahr um 2,7 Prozent und im Jahr 2024 um 0,4 Prozent.

IWF: Verminderte Lieferungen für Privathaushalte denkbar

Die Schäden eines Lieferstopps für die Wirtschaftsleistung könnten »erheblich reduziert« werden, wenn bei einer Rationierung von Gas energieintensive Unternehmen berücksichtigt würden; dies würde bedeuten, dass auch Privathaushalte durch verminderte Gaslieferungen einen Teil der Lasten tragen müssten, heißt es in dem Bericht.

Besorgt zeigen sich die IWF-Experten, was die Gasversorgung in der kalten Jahreszeit angeht. In den kommenden Wintern könnten die Gasspeicher-Füllstände in Deutschland auf »gefährlich niedrige« Werte von knapp über zehn Prozent der Kapazität abfallen, heißt es in dem Bericht. Dies könnte zeitlich und regional befristet zu einem spürbaren Gasmangel führen – aber auch bundesweit, »wenn die Temperaturen niedriger sind als erwartet«.

»Anreize fürs Energiesparen« durch gestiegene Preise

Der IWF empfahl den Regierenden in Deutschland, die Folgen der gestiegenen Energiepreise »für die vulnerabelsten Haushalte abzufedern«. Er riet aber auch dazu, die gestiegenen Gaspreise an die Endverbraucher weiterzugeben, »um Anreize fürs Energiesparen zu geben«.

sol/AFP/Reuters
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