Energieversorgung durch Flüssiggas Betreibergesellschaft in Brunsbüttel gewinnt Shell als ersten Großkunden

In Brunsbüttel soll das erste deutsche Flüssiggasterminal gebaut werden, um die Abhängigkeit von russischem Gas zu verringern. Nun steht der erste Großkunde fest.
LNG-Tanker in Singapur

LNG-Tanker in Singapur

Foto: Reuters Staff/ REUTERS

Die Betreibergesellschaft des geplanten ersten deutschen Flüssiggas-Terminals in Brunsbüttel hat mit Shell einen ersten Großkunden an Land gezogen. Eine Absichtserklärung sehe vor, »dass Shell einen substanziellen Teil der Kapazität des Terminals in Brunsbüttel für den Import von LNG langfristig bucht«, teilte die German LNG Terminal GmbH mit. »Beide Seiten arbeiten derzeit daran, Umfang und Dauer der Partnerschaft möglichst schnell vertraglich bindend zu vereinbaren.«

Das Terminal soll spätestens 2026 in Betrieb gehen und eine Kapazität von acht Milliarden Kubikmeter Gas haben. Langfristig soll es für den Import von grünen Wasserstoffderivaten wie Ammoniak umgerüstet werden.

Die Planungen für ein Importterminal für flüssiges Erdgas (LNG) im Hafen der schleswig-holsteinischen Kleinstadt an der Unterelbe laufen seit Jahren, kamen aber nicht recht voran. Für Tempo sorgt jetzt die Bundesregierung, die angesichts des Kriegs in der Ukraine so schnell wie möglich die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Erdgas beenden will.

Vor diesem Hintergrund beteiligt sich der Bund über seine Förderbank KfW an der Betreibergesellschaft mit 50 Prozent. Weitere Gesellschafter sind der niederländische Gasnetzbetreiber Gasunie (40 Prozent) und der deutsche Versorger RWE (10 Prozent). Diese »jüngsten Entwicklungen« sind laut Mitteilung der Hintergrund für die Vereinbarung mit Shell. Shell-Deutschlandchef Fabian Ziegler sprach von einem »wichtigen Schritt, um kurzfristig die Versorgung in Deutschland und darüber hinaus in ganz Europa sicherzustellen.«

Bundeskanzler Olaf Scholz hatte den zügigen Bau von zwei Flüssiggas-Terminals in Deutschland angekündigt – in Wilhelmshaven und Brunsbüttel. Deutschland bezog zuletzt rund 55 Prozent seines Erdgases aus Russland.

Industrie sieht europäisches Gasnetz nicht für Energieembargo gerüstet

Auf Importe von russischem Gas und Öl kurzfristig zu verzichten, würde die europäischen Industrieunternehmen nach Einschätzung des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI) massiv schädigen. »Die EU ist nicht auf ein kurzfristiges, umfassendes Energieembargo vorbereitet«, sagte BDI-Präsident Siegfried Russwurm dem SPIEGEL. »Sie würde damit ihre Geschlossenheit und Handlungsfähigkeit wirtschaftlich und politisch aufs Spiel setzen.« Bei ausbleibenden Energielieferungen drohten Produktionsstopps mit unübersehbaren Folgen für Lieferketten und Beschäftigung.

Der ganzen EU drohe bei einem Boykott russischer Gaslieferungen eine »Zerreißprobe«, so Russwurm weiter. Denn das europäische Gasnetz sei bislang noch nicht auf Gasflüsse von West nach Ost ausgelegt. »Es ist unklar, ob bei einem Stopp russischer Gaslieferungen Flüssiggas, das in den Niederlanden oder Belgien anlandet, den Weg bis nach Tschechien oder die Slowakei findet«, sagte Russwurm. Ein Gasembargo würde Produktionsunterbrechungen, Beschäftigungsausfälle und in einigen Fällen massive Schäden an Produktionsanlagen verursachen. Davor hatten bereits eine Reihe weiterer Wirtschaftsverbände gewarnt.

hej/dpa-AFX