Gas-Streit Gasprom drosselt Lieferung an die Ukraine

Gasprom hat seine Lieferungen an die Ukraine um ein Viertel reduziert. Grund ist ein Streit über ausstehende Forderungen: Der russische Gas-Monopolist fordert eine Milliarde Euro, die Regierung in Kiew behauptet, sie hätte gezahlt.


Moskau - Die Auseinandersetzung lässt die Westeuropäer nicht kalt: Bereits vor zwei Jahren wurden die europäischen Länder in den Streit hineingezogen, weil die Ukraine einen Teil des für den Transit bestimmten Gases für eigene Zwecke verwendete. Jetzt sind die Sorgen groß, dass wieder Gas ausbleiben könnten. Immerhin laufen derzeit etwa 80 Prozent der russischen Gaslieferungen an die Europäische Union durch das Nachbarland.

Leitung von Gasprom: Blockierte Überweisungen
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Leitung von Gasprom: Blockierte Überweisungen

Als Grund für die Kürzungen gegenüber der Ukraine nennt Gasprom den nach wie vor schwelenden Streit über die Modalitäten der Gaslieferungen. Gasprom fordert vom ukrainischen Konzern Naftogas, zunächst Schulden in Höhe von umgerechnet fast einer Milliarde Euro zu begleichen. Die ukrainische Regierung besteht dagegen darauf, einen Teil der Verbindlichkeiten bereits gezahlt zu haben. Sie beschuldigt die russisch-ukrainischen Vermittlungsfirmen UkrGazEnergo und RosUkrEnergo, die Überweisungen zu blockieren.

"Gasprom ist ein verlässlicher Energielieferant, aber wir können und dürfen Gas nicht ohne entsprechende Bezahlung liefern", sagte der Konzernsprecher Sergej Kuprijanow. Man sei zu weiteren Verhandlungen mit der ukrainischen Führung bereit, hieß es in Moskau. Die Lieferungen ins restliche Europa seien nicht beeinträchtigt, teilte der Energiekonzern mit.

Die Ukraine deckt ihren Gasbedarf zu drei Vierteln aus Zentralasien und zu einem Viertel aus Russland. Die Zwangsmaßnahme erfolgte einen Tag nach der Wahl des Vizeregierungschefs und Aufsichtsratsvorsitzenden von Gazprom, Dmitri Medwedew, zum neuen Präsidenten Russlands.

sil/Reuters/dpa



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