Gaskrise Erster LNG-Tanker für Deutschland ist auf dem Weg nach Wilhelmshaven

Noch vor Weihnachten sollte Deutschlands erstes LNG-Terminal eröffnet werden. Das scheint zu klappen: Das Terminalschiff »Höegh Esperanza« nimmt aktuell Kurs auf Wilhelmshaven – und bringt eine Menge Flüssigerdgas mit.
Dickschiff: Die »Höegh Esperanza« soll der Dreh- und Angelpunkt des schwimmenden LNG-Terminals von Wilhelmshaven werden

Dickschiff: Die »Höegh Esperanza« soll der Dreh- und Angelpunkt des schwimmenden LNG-Terminals von Wilhelmshaven werden

Foto: Geir-Sindre Strand

Der Start des ersten Terminals für Flüssigerdgas (LNG) in Deutschland steht in wenigen Tagen bevor. Das Tank- und Terminalschiff »Höegh Esperanza« hat sich auf den Weg nach Wilhelmshaven gemacht. Und es bringt eine große Menge LNG mit.

Wie Daten des Portals »Marinetraffic« zeigen, nimmt die »Höegh Esperanza« seit Samstag Kurs auf den Nordseehafen. Der 294 Meter lange und 46 Meter breite Tanker des norwegischen Unternehmens Höegh LNG soll Wilhelmshaven demnach am nächsten Samstag erreichen. Zurzeit fährt der Tanker noch durchs Mittelmeer, am Sonntagmorgen steuerte er auf die Straße von Gibraltar zu.

Die »Höegh Esperanza« ist das schwimmende Terminalschiff (Floating Storage Regasification Unit, FSRU) des Wilhelmshavener LNG-Projekts. Sie verfügt über eine Anlage, in der das auf rund minus 162 Grad heruntergekühlte, verflüssigte Erdgas regasifiziert werden kann. Die Bundesregierung hat die »Höegh Esperanza« für Wilhelmshaven gechartert.

Großer Tiefgang deutet auf viel LNG an Bord hin

Der Tanker selbst kann bis zu 170.000 Kubikmeter Flüssigerdgas laden; in gasförmigem Zustand entspricht das rund hundert Millionen Kubikmetern. Bis Samstag lag er im spanischen LNG-Terminal Sagunto nahe Valencia – und hat dort offenbar massenhaft Flüssigerdgas aufgenommen.

»Die spanischen Terminaldaten deuten darauf hin, dass der Tanker in Sagunto beladen wurde«, sagte Alex Froley, LNG-Experte des Londoner Analysehauses ICIS, dem SPIEGEL. »Das wird auch durch den Tiefgang bestätigt, der auf 11,8 Meter gestiegen ist.« Vor Sagunto hatte die »Höegh Esperanza« deutlich weniger als zehn Meter Tiefgang.

Ein Sprecher des Düsseldorfer Energiekonzerns Uniper bestätigte dem SPIEGEL, dass die »Höegh Esperanza« nach Wilhelmshaven fährt und beladen ist. Uniper soll das schwimmende Terminal im Auftrag des Staates gemeinsam mit Partnern betreiben. Konzernchef Klaus-Dieter Maubach hatte gegenüber dem SPIEGEL schon vor Wochen in Aussicht gestellt, dass das Terminal noch vor Weihnachten eröffnet werden könnte. In dem Terminal sollen künftig bis zu 7,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr umgeschlagen und ins Netz eingespeist werden, das entspricht rund 8,5 Prozent des deutschen Gasverbrauchs.

Dazu sollen in den kommenden Wochen zwei weitere schwimmende Terminals in Brunsbüttel (RWE) und Lubmin (Deutsche Regas) den Betrieb aufnehmen. Zusammen könnten die drei Anlagen etwa 20 Prozent des jährlichen Bedarfs der Bundesrepublik decken. Im Winter 2023/24 sollen bis zu drei weitere FSRUs an Nord- und Ostseeküste installiert werden. Obendrauf sind mehrere fest installierte Anlagen in Planung, die 2025 oder 2026 starten sollen.

LNG-Terminals gelten als entscheidend, um Deutschlands und Europas Gasversorgung zu sichern. Russland, das 2020 noch mehr als die Hälfte des Bedarfs abdeckte, liefert seit September gar kein Erdgas mehr über Pipelines in die Bundesrepublik. In diesem Jahr konnten die Europäer den starken Rückgang der Lieferungen aus Putins Reich größtenteils durch LNG kompensieren. Der Rohstoff kommt vor allem aus den USA.

Wegen der Pipelinelieferungen vor allem aus Russland, der vergleichsweise hohen Kosten für Flüssigerdgas und einiger LNG-Terminals in Nachbarländern hatte sich Deutschland bis zu diesem Jahr kein einziges eigenes Terminal geleistet.

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