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14. Februar 2006, 11:19 Uhr

Gasmarkt

Versorger knicken vor Kartellamt ein

In den deutschen Gasmarkt kommt Bewegung: Auf Druck des Bundeskartellamtes haben sich sieben große Versorger jetzt verpflichtet, ihren Privatkunden den Wechsel zu anderen Anbietern zu gestatten.

Bonn - Das Bundeskartellamt hat sieben überregionale deutsche Gasversorgungsunternehmen gezwungen, den Privatkunden zum 1. April in ihren Versorgungsgebieten einen Wechsel zu anderen Lieferanten zu ermöglichen. Die betroffen Unternehmen hätten sich dazu nun schriftlich verpflichtet, erklärte die Behörde heute. Das Bundeskartellamt habe daraufhin die Verfahren gegen die Firmen eingestellt.

Gasherd: "Noch keinen Anlass zur Euphorie"
DPA

Gasherd: "Noch keinen Anlass zur Euphorie"

Betroffen sind die E.on Thüringer Energie AG, die E.on Avacon AG (Sachsen Anhalt), die RWE Westfalen-Weser-Ems AG, die MITGAS Mitteldeutsche Gasversorgung GmbH, die SpreeGas GmbH, die ENTEGA Vertrieb GmbH & Co.KG und ein Eigenbetrieb der Thüga AG. Die Wettbewerbshüter hatte gegen die sieben Gasversorger Ende Januar Missbrauchsverfahren wegen des Verdachts missbräuchlich überhöhter Gasendkundenpreise eingeleitet. Der Energiekonzern E.on hatte bereits gestern angekündigt, in anderthalb Monaten in den Gebieten seiner Regionalversorger anderen Gasanbietern den Zugang zu den Kunden ermöglichen zu wollen.

Hintergrund der Ermittlungen waren erhebliche Preisunterschiede auf dem deutschen Gasmarkt. Eine Untersuchung bei mehr als 700 Anbietern hatte Differenzen von über 40 Prozent zwischen den günstigsten und den teuersten Unternehmen ergeben. Neben dem Bundeskartellamt, das für 29 Versorger zuständig ist, hatten die Wettbewerbsbehörden der Bundesländer über 80 Verfahren gegen regionale Unternehmen eingeleitet, die in ihre Zuständigkeit fallen.

Kartellamtspräsident Ulf Böge betonte: "Wir hatten die Möglichkeit, hier im Rahmen unsrer Missbrauchsverfahren zu einem schnellen Ergebnis zu gelangen. Denn wirksame Wechselmöglichkeiten beleben den Wettbewerb insgesamt". Verbraucher können nun einen Vertrag mit dem neuen Gasversorger schließen, der das Gas wiederum vom etablierten örtlichen Versorger übernimmt.

"Sicher gibt es mit dieser Lösung noch keinen Anlass zur Euphorie", räumte Böge ein. Das Modell diene nur als Zwischenlösung, bis ein wirksames System in Kraft sei, das Gasversorgern eine Durchleitung durch das Netz örtlicher Firmen bis zum Endkunden ermögliche. Die Bundesnetzagentur erwarte aber, dass ein solches System zum 1. Oktober 2006 an den Start gehen werde. "Bessere Wechselmöglichkeiten sollten sich letztlich auch in einem niedrigeren Preis niederschlagen", prognostizierte Böge.

suc, AP, Reuters, Dow Jones Newswires

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