Gasmarkt Versorger knicken vor Kartellamt ein

In den deutschen Gasmarkt kommt Bewegung: Auf Druck des Bundeskartellamtes haben sich sieben große Versorger jetzt verpflichtet, ihren Privatkunden den Wechsel zu anderen Anbietern zu gestatten.


Bonn - Das Bundeskartellamt hat sieben überregionale deutsche Gasversorgungsunternehmen gezwungen, den Privatkunden zum 1. April in ihren Versorgungsgebieten einen Wechsel zu anderen Lieferanten zu ermöglichen. Die betroffen Unternehmen hätten sich dazu nun schriftlich verpflichtet, erklärte die Behörde heute. Das Bundeskartellamt habe daraufhin die Verfahren gegen die Firmen eingestellt.

Gasherd: "Noch keinen Anlass zur Euphorie"
DPA

Gasherd: "Noch keinen Anlass zur Euphorie"

Betroffen sind die E.on Thüringer Energie AG, die E.on Avacon AG (Sachsen Anhalt), die RWE Westfalen-Weser-Ems AG, die MITGAS Mitteldeutsche Gasversorgung GmbH, die SpreeGas GmbH, die ENTEGA Vertrieb GmbH & Co.KG und ein Eigenbetrieb der Thüga AG. Die Wettbewerbshüter hatte gegen die sieben Gasversorger Ende Januar Missbrauchsverfahren wegen des Verdachts missbräuchlich überhöhter Gasendkundenpreise eingeleitet. Der Energiekonzern E.on hatte bereits gestern angekündigt, in anderthalb Monaten in den Gebieten seiner Regionalversorger anderen Gasanbietern den Zugang zu den Kunden ermöglichen zu wollen.

Hintergrund der Ermittlungen waren erhebliche Preisunterschiede auf dem deutschen Gasmarkt. Eine Untersuchung bei mehr als 700 Anbietern hatte Differenzen von über 40 Prozent zwischen den günstigsten und den teuersten Unternehmen ergeben. Neben dem Bundeskartellamt, das für 29 Versorger zuständig ist, hatten die Wettbewerbsbehörden der Bundesländer über 80 Verfahren gegen regionale Unternehmen eingeleitet, die in ihre Zuständigkeit fallen.

Kartellamtspräsident Ulf Böge betonte: "Wir hatten die Möglichkeit, hier im Rahmen unsrer Missbrauchsverfahren zu einem schnellen Ergebnis zu gelangen. Denn wirksame Wechselmöglichkeiten beleben den Wettbewerb insgesamt". Verbraucher können nun einen Vertrag mit dem neuen Gasversorger schließen, der das Gas wiederum vom etablierten örtlichen Versorger übernimmt.

"Sicher gibt es mit dieser Lösung noch keinen Anlass zur Euphorie", räumte Böge ein. Das Modell diene nur als Zwischenlösung, bis ein wirksames System in Kraft sei, das Gasversorgern eine Durchleitung durch das Netz örtlicher Firmen bis zum Endkunden ermögliche. Die Bundesnetzagentur erwarte aber, dass ein solches System zum 1. Oktober 2006 an den Start gehen werde. "Bessere Wechselmöglichkeiten sollten sich letztlich auch in einem niedrigeren Preis niederschlagen", prognostizierte Böge.

suc, AP, Reuters, Dow Jones Newswires



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Rainer Helmbrecht 15.11.2005
1.
Ein Scheich hustet und der Ölpreis steigt, ein Wirbelsturm droht, der Ölpreis steigt, der Wirbelsturm kommt nicht, nun steigt der Preis, weil der Sturm nicht kommt. Das gleiche Phänomen kann man auch bei sonstigen Kursen an der Börse bemerken. Wir (Normalen) wissen nämlich garnicht was der Sinn der Börse ist. Wir Dummchen glauben immer, da werden Tatsachen bewertet, das stimmt aber nicht, das Ziel der Börse ist Geldverdienen. Geldverdienen ist aber so eine Art Spiel, dieses Spiel hat, wie alle Spiele, nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Wem es gelingt, einen Haufen Mist für viel Geld zu verkaufen, siegt. An der Börse bedeutet das nutzloses Papier bunt zu bedrucken und teuer zu verkaufen. Dann hat man das Ganze modernisiert und das bedruckte Papier auch noch weggelassen. Nun sind wir soweit, das der Kurs einer Aktie schon durch einen Stromausfall beeinflußt werden kann. Irgendwie wie der Hase und der Igel, nur das der Igel hier Geier heißt.
Gnom, 15.11.2005
2.
---Zitat von sysop--- Öl, Gas, Strom, alles wird immer schneller immer teurer. Die Energiekonzerne brauchen sich um ihr Image beim Kunden nicht zu sorgen: Schlechter kann es nicht mehr werden. Sind die Energielieferanten wirklich die bösen Abzocker? Oder müssen sie auch nur der immer größeren Nachfrage und den gestiegenen Rohstoffpreisen Tribut zollen? Sollten die Konsumenten statt zu stöhnen einfach mehr Energie sparen? ---Zitatende--- Es muss sich was ändern und es wird sich etwas ändern auf dem Energiesektor! Das Einsparen von Energie wird dabei eine Rolle spielen. Außerdem ist der Gesetzgeber gefordert, aber hoffentlich nicht überfordert.
hubert neues, 15.11.2005
3. Änderung des Energiemarktes
Nun es wird sich was ändern auf dem Markt, aber solange die weltweit bestimmende Industrie die Automobilhersteller sind ist das kaum vorstellbar. Ich kann mich nur schwach daran erinnern, aber es gab zahlreiche Studie zu Beginn der Rot/Grünen Regierung wieviel Potential im Umweltschutz und in der alternativen Energiegewinnung liegt. Das haben wir alles vergessen,bzw. es wurde vergessen gemacht. Denn wenn Opel oder VW keine guten Zahlen vorlegen ist das Geschrei und die Angst in der Politik groß. 3 Liter Auto?! Die ersten vernünftigen kammen erst dieses Jahr auf dem Markt, wurden uns aber schon lange versprochen. Und was ist mit der Chance auf den wachsenden chinesischen (Energie-)Markt Einfluß zu nehmen, um dort den vernünftigen Umgang mit Resourcen zu vermitteln. Hätte man damals in die alternative Energiegewinnung/-technologie in deutschland investiert, könnte man heute sicher mehr als nur Know-How dorthin verkaufen. Die Chancen sind vertan. Jetzt sollten wir vielleicht nur unseren Markt retten und vielleicht auch unsere Umwelt!
Urquhart, 15.11.2005
4. Wer sind die Abzocker?
Nicht die Scheichs sind Abzocker. Abzocker sind: Der Bundesfinanzminister (Mineralölsteuer und Ökosteuer, Umsatzsteuer auf bereits gezahlte Steuer) Die Landesfinanzminister (Wasserpfennig, Umsatzsteuer) Die Stadt- und Gemeindekämmerer per se(Schmutzwasserabgabe, Niederschlagsabgabe usw.) Die Stadt- und Gemeindekämmerer als Vertreter der Städte und Gemeinde als Anteilseigner an Energieversorgern und Wasserwerken (Kapitalverzinsung) Das Kartell zwischen Energieversorgung, Mineralölunternehmen und Regierungen muss unbedingt durchbrochen werden. Es wundert mich eigentlich, dass diese Machenschaften verfassungskonform sein sollen.
sitiwati 16.11.2005
5. mir
---Zitat von Rainer Helmbrecht--- Ein Scheich hustet und der Ölpreis steigt, ein Wirbelsturm droht, der Ölpreis steigt, der Wirbelsturm kommt nicht, nun steigt der Preis, weil der Sturm nicht kommt. Das gleiche Phänomen kann man auch bei sonstigen Kursen an der Börse bemerken. Wir.... ---Zitatende--- aus der Seele gesprochen!
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