Russlands neuer Lieferboykott Gaspreis schießt nach oben, Börsenkurse fallen

Die Eskalation der Gaskrise sorgt für Ausverkaufsstimmung an den Aktienmärkten. Die Kursgewinne des Dax vom Freitag sind bereits wieder weg.
Parkett der Deutschen Börse in Frankfurt am Main: Wundersamer Anstieg der technischen Probleme

Parkett der Deutschen Börse in Frankfurt am Main: Wundersamer Anstieg der technischen Probleme

Foto: Arne Dedert / dpa

Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine mehren sich angebliche technische Schwierigkeiten beim Gastransport nach Europa: Russland hat am Freitag erneut einen vollständigen Lieferstopp über die Gaspipeline Nord Stream 1 verkündet – vorgeblich wegen Wartungsarbeiten. Experten halten das für wenig plausibel, entsprechend wächst die Nervosität von Anlegern.

Am Montagmorgen schoss der Gaspreis am Spotmarkt nach ersten Meldungen zeitweise um 30 Prozent nach oben, später notierte er immerhin noch um rund 20 Prozent höher als am Freitag. In der Folge verlor der wichtigste Börsenindex Dax zeitweise mehr als drei Prozent. Ende vergangener Woche hatten gute Zahlen vom US-Arbeitsmarkt den deutschen Leitindex noch über die 13.000-Punkte-Marke gehievt. Der MDax der mittelgroßen Werte fiel am Montagvormittag um gut 2,8 Prozent. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor 2,6 Prozent.

Angst vor einer Lehman-artigen Krise

Der Euro geriet ebenfalls unter Druck. Am Montagmorgen fiel die Gemeinschaftswährung bis auf 0,9881 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit knapp 20 Jahren. Weniger hatte ein Euro zuletzt am Jahresende 2002 gekostet. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag auf 0,9993 Dollar festgesetzt.

Deutschland bekommt praktisch kein Gas mehr aus Russland, zumindest nicht auf direktem Weg. Der Kreml macht – neben den angeblichen technischen Schwierigkeiten – die Sanktionspolitik für den Gaslieferstopp verantwortlich. Vermutet wird aber, dass Kremlchef Wladimir Putin in Wahrheit den Druck auf den Westen – und insbesondere auf Deutschland – verstärken will. »Die Angst vor einer Lehman-artigen Krise im europäischen Energiesektor wächst«, schrieb Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst vom Handelshaus CMC Markets.

Schlechte Stimmung bei Verbrauchern

Schon jetzt drücken die hohen Preise enorm auf die Verbraucherstimmung im Land. Das vom Handelsverband Deutschland (HDE) ermittelte Konsumbarometer erreicht im September»einen neuen Allzeit-Tiefstand«, nachdem es im August schon auf ein Rekordtief gefallen war, wie der Verband mitteilte. Eine Trendumkehr sei »nicht in Sicht« - sodass die kommenden Monate wohl von Konsumzurückhaltung geprägt sein werden.

Das Barometer bildet nicht das aktuelle Kaufverhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher ab, sondern die erwartete Stimmung in den kommenden drei Monaten. Abgefragt wurden von 1600 Menschen unter anderem die Anschaffungsneigung, die Sparneigung und die finanzielle Situation.

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Entlastungspaket des Bundes

Die Ampelkoalition von Kanzler Olaf Scholz (SPD) will die Bürgerinnen und Bürger angesichts steigender Preise mit einem dritten Unterstützungspaket in Höhe von mehr als 65 Milliarden Euro entlasten. Eine der geplanten Maßnahmen läuft darauf hinaus, dass für einen gewissen Basisverbrauch an Strom ein vergünstigter Preis gelten soll. Für einen zusätzlichen Verbrauch müssten die Kunden dann den Marktpreis bezahlen. Finanziert werden soll die Preisbremse, indem übermäßige Gewinne am Strommarkt abgeschöpft werden sollen.

Diese Nachrichten dürften die Aktien von Versorgern wie RWE oder E.on spürbar belasten. Die Papiere notierten auf der Handelsplattform Tradegate jeweils vier Prozent unter dem Xetra-Schluss vom Freitag.

mik/dpa-AFX
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