Gaspreise E.on Hanse legt fragwürdige Kalkulation vor

Als erster deutscher Energieversorger hat E.on Hanse die Kalkulation seiner Gaspreise offen gelegt. Damit kommt das Unternehmen einer Aufforderung des Hamburger Landgerichts nach. Allerdings ist äußerst zweifelhaft, ob die Richter die Berechnung akzeptieren.


Quickborn - Die Offenlegung der Preiskalkulation nutzte E.on-Hanse-Chef Hans-Jakob Tiessen gleich, um eine weitere Preiserhöhung anzukündigen. Um rund zehn Prozent sollen die Preise ab dem ersten Januar 2006 steigen. Eine Kilowattstunde verteuert sich damit um 0,51 Cent auf 4,77 Cent netto beziehungsweise auf 5,54 Cent brutto. Bei einem Jahresverbrauch von 18.000 Kilowattstunden zahlt der Kunde so 100 Euro mehr.

Aus der Kalkulation ergebe sich, dass E.on Hanse bisher noch nicht einmal die gestiegenen Beschaffungskosten an seine rund 500.000 Kunden im Großraum Hamburg weitergereicht habe, erklärte Tiessen. Die Vertriebsmarge sei zwischen 2004 und 2005 von 0,08 auf 0,05 Cent je Kilowattstunde gesunken.

Die dem SPIEGEL vorliegenden Berechnungen der E.on-Hanse-Controlling-Abteilung nähren daran allerdings erhebliche Zweifel. Für den internen Gebrauch haben Controller darin aufgelistet, welche Kosten das Landgericht Hamburg möglicherweise in Frage stellen könnte. Danach seien den Privatkunden in der E.on-Kalkulation Kosten im hohen zweistelligen Millionenbereich zugeordnet worden, die sie möglicherweise gar nicht zu tragen hätten.

Konkret genannt wurden beispielsweise zu hohe Preise bei der Berechnung der Gasspeicher oder die Aufschlüsselung der Vertriebskosten zwischen Industrie- und Privatkunden. Sollte die Berechnung der Controller sich als richtig herausstellen, würde das aktuelle errechnete Ergebnis von E.on Hanse im Privatkundenbereich um rund 50 Millionen Euro höher ausfallen.

Nach Darstellung des Unternehmens handelte es sich bei dem Papier um eine Art Diskussionspapier. Die Controlling-Abteilung sei aufgefordert worden, die damals vorliegende Kalkulation auf mögliche Einwände, auch unsinnige, zu untersuchen. Die anschließende Prüfung habe dann ergeben, dass einige Punkte gerechtfertigt waren. Dies sei in die aktuelle Berechnung übernommen worden. Das nun vorgestellte Ergebnis, ist laut E.on deshalb "völlig korrekt".

Nach SPIEGEL-Informationen hat das Unternehmen im Jahr 2004 mit Privatkunden einen Vorsteuergewinn von 17,32 Millionen Euro erwirtschaftet. 2005 fiel lediglich ein Vorsteuergewinn von 8,44 Millionen Euro an. E.on begründet die relativ geringen Erlöse mit den hohen Kosten für den Gasbezug und den aufwendigen Netzunterhalt und kommt zu dem Schluss, dass die Gaspreiserhöhungen der Vergangenheit gerechtfertigt waren.

Mit der Offenlegung seiner Preisberechnungen will der Energieanbieter Vorwürfe entkräften, die Preise zu stark angehoben zu haben. Seit Oktober 2004 waren die Gaspreise um 25 Prozent gestiegen. Das Landgericht Hamburg hatte die E.on-Tochter in einem noch laufenden Verfahren zu überhöhten Gaspreisen gemahnt, seine Preiskalkulation offen zu legen. Auch die übrigen Regionalversorger von E.on sollen diesem Beispiel rasch folgen.



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