Gaspreise im Internet Kunden legen Homepage des Kartellamts lahm

Der Ansturm war gewaltig: Nachdem das Bundeskartellamt einen bundesweiten Gaspreis-Überblick im Internet veröffentlicht hat, brach der Server zusammen. SPIEGEL ONLINE bringt die Tabelle - und erklärt, wann Kunden zu einem günstigen Gas-Anbieter wechseln können.

Von Tim Höfinghoff und


Hamburg - Mit solch einem Andrang hatten die Kartellwächter nicht gerechnet. Nachdem sie gestern eine Liste mit den Preisen von 739 Gasanbietern ins Internet gestellt hatten, war es vorbei mit der schnellen Kommunikation im Internet. "Die Anfragen waren zu viel", sagt Ulf Böge, Präsident des Bundeskartellamts zu SPIEGEL ONLINE. Der Server der Behörde war auch heute Mittag noch komplett zusammengebrochen. Zudem gab es einen Ansturm von Anrufen und E-Mails.

"Solch einen Ansturm hatten wir noch nicht", heißt es beim Kartellamt. Trotz der technischen Probleme habe sich die Aktion aber gelohnt. "Wir wollten Transparenz schaffen bei den Preisen - das ist uns gelungen." Am Nachmittag war das Bundeskartellamt dann wieder online.

Der Grund für das enorme Interesse der Kunden ist nachvollziehbar: Bei dem Tarifvergleich hatte das Kartellamt drastische Unterschiede bei den Gaspreisen in Deutschland festgestellt. So gibt es Preisdifferenzen von bis zu 59 Prozent für die gleiche Gasmenge. Kein Wunder, dass sich quer durch Deutschland die Verbraucher über günstige Alternativen informieren wollen.

Neue Liste kommt im Februar

Den Vorwurf der Gas-Lobby, die Internetliste sei nicht aktuell, will das Bundeskartellamt nicht auf sich sitzen lassen: Die Liste habe den Stichtag 15. November. In der Zwischenzeit habe es keine großen Preisveränderungen gegeben, so Böge: "Die Kritik ist nicht schlüssig." Zudem werde es "schon im Februar die nächste Veröffentlichung geben", kündigt er an.

Zwar liefert das Kartellamt erstmals eine umfangreiche Übersicht, doch wer nun von einem teuren Anbieter zu einem billigeren wechseln möchte, wird in der Regel enttäuscht. Denn die allermeisten Versorger halten in ihren jeweiligen Gebieten das Gasmonopol. Bundesweit können die Verbraucher nur in vier Orten zwischen mehreren Anbietern wählen: In Hamburg und Berlin beispielsweise macht der niederländische Energiekonzern Nuon den etablierten Unternehmen E.on Hanse beziehungsweise Gasag Konkurrenz. In Berlin ist zusätzlich die E.on Chart zeigen-Tochter Klickgas aktiv. Nach Bonn wiederum hat sich die Frankfurter Mainova Chart zeigen vorgewagt, und im südhessischen Bensheim an der Bergstraße machen sich zwei benachbarte Stadtwerke gegenseitig Kunden abspenstig.

"Im Gasbereich existiert immer noch kein voll funktionierender Wettbewerb", so Böge. Wenn man jedoch die Wahl hat, geht der Anbieterwechsel einfach vonstatten. Denn die Formalitäten übernimmt der neue Anbieter. Es genügt also, mit diesem Kontakt aufzunehmen, die Abmeldung beim alten Gasversorger erfolgt dann automatisch – vorausgesetzt, die entsprechenden Kündigungsfristen wurden eingehalten. Eine Unterbrechung der Gasversorgung ist ausgeschlossen, denn am physischen Gasfluss ändert sich nichts – nur die Abrechnung kommt von einem anderen Unternehmen als bisher.

Preisunterschiede von 420 Euro

Verbraucherschützer warnen allerdings davor, aus schlichter Antipathie gegen den alten Gasversorger zu einem neuen Anbieter zu wechseln. Vielmehr sollte man die Tarife anhand des eigenen, individuellen Verbrauchs genau vergleichen. Dabei stellt man dann oft fest, dass die Preisunterschiede innerhalb eines Versorgungsgebiets nur gering sind. In Berlin zum Beispiel spart ein Durchschnittshaushalt bei einem Wechsel von der Gasag zu Nuon gerade einmal 16 Euro im Jahr.

Könnten die Verbraucher ihren Anbieter hingegen bundesweit frei wählen, wäre eine ganz andere Ersparnis möglich: Zwischen dem teuersten und dem billigsten Anbieter gibt es eine Kluft von 420 Euro (siehe Tabelle). "Marktwirtschaftlich lassen sich solche Unterschiede nicht erklären", sagt Andreas Jahn vom Bundesverband neuer Energieanbieter (BNE), der die Newcomer der Branche vertritt. "Der einzige Grund ist die monopolistische Willkür der etablierten Unternehmen."

Jahn wirft den Gasnetzbetreibern vor, ihre Durchleitungsgebühren künstlich hoch zu halten. So würden neue Anbieter konsequent aus den Versorgungsgebieten heraus gehalten. "Die Bundesnetzagentur und die Landesbehörden müssen endlich hart durchgreifen", fordert er. "Wettbewerb ist nur möglich, wenn die Netze streng reguliert werden."

Darauf hoffen auch die Städtischen Werke Magdeburg. Im Gaspreisvergleich des Bundeskartellamts schneidet das Unternehmen am günstigsten ab. "Wir würden unser Gas gerne auch andernorts anbieten", sagte Geschäftsführer Winfried Schubert zu SPIEGEL ONLINE. So prüfe man für Oktober dieses Jahres auch überregionale Angebote. Derzeit allerdings sei es noch zu schwierig, Gas durch fremde Netze zu leiten. "Solange das nicht geregelt ist, sehen wir keine Möglichkeit zu einer Expansion."

Ob sich die Lage bis Oktober ändert, ist jedoch offen. Die etablierte Gaswirtschaft jedenfalls dämpft die Erwartungen: Um sich auf den Wettbewerb einzustellen, bräuchten die Unternehmen "einfach mehr Zeit", sagte ein Sprecher des Bundesverbands der Gas- und Wasserwirtschaft (BGW).



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