Gasprom Streit um Gaspipeline in Polen
Moskau - Zwischen Russland und Polen bahnt sich ein Streit um Gaslieferungen nach Deutschland an. Die Verhandlungen zwischen dem russischen Energieriesen Gasprom und dem polnischen Gasversorger PGNiG seien in der Sackgasse, sagte PGNiG-Sprecher Tomasz Fill. Gasprom verlangt laut PGNiG eine Ausweitung von Kompetenzen bei EuRoPol Gaz, einer gemeinsamen Gesellschaft, die den polnischen Teil der Jamal-Pipeline betreibt. Außerdem sei Gasprom mit den von Polen verlangten Gas-Transitgebühren nicht einverstanden. Die 4200 Kilometer lange Jamal-Pipeline transportiert russisches Erdgas aus Sibirien nach Europa. Mehr als 90 Prozent der 33 Milliarden Kubikmeter Gas, die jährlich durch den polnischen Arm der Pipeline strömen, sind für Deutschland bestimmt.
Bis die von Gasprom aufgekündigte Zusammenarbeit wieder aufgenommen werde, tauschten die beiden Unternehmen nur noch die für den technischen Betrieb der Pipeline nötigen Informationen postalisch aus, sagte der PGNiG-Sprecher. Nach den Pipeline-Streits mit der Ukraine und Weißrussland, die auch die Lieferungen nach Westeuropa beeinträchtigten, zeichnet sich nun ein neuer Konflikt ab.
Angesichts dessen will Gasprom sich neue Versorgungswege erschließen. Gespräche mit dem niederländischen Versorger Gasunie würden bald abgeschlossen, sagte der Vize-Chef des Staatskonzerns, Alexander Medwedew. Dieser soll neben den Russen und den deutschen Konzernen BASF und Eon vierter Partner bei der Ostsee-Pipeline werden, die im kommenden Jahrzehnt bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Gas nach Deutschland bringen soll.
Auslandsumsätze auf Rekordniveau
Gasprom hat 2006 seine Exportumsätze um 43 Prozent auf den Rekordwert von mehr als 37 Milliarden Dollar gesteigert. Dabei seien sowohl die Gas-Menge als auch die Verkaufspreise in Europa gestiegen, sagte Medwedew. Derzeit beliefert Gasprom mehr als 20 europäische Staaten. Europa wiederum bezieht etwa ein Viertel seines Erdgases aus Russland, Deutschland rund ein Drittel.
Um ein wirklich weltweit tätiges Unternehmen zu werden will Gasprom seinen strategischen Fokus auch auf China und eine eigene Produktion von Flüssiggas legen. Bis Ende 2007 sollten Gespräche mit China über jährliche Lieferungen von 80 Milliarden Kubikmeter abgeschlossen werden. In diesem Jahr wird der Konzern zudem einen 50-prozentigen Anteil an Sachalin-2, dem größten Flüssiggasprojekt der Welt erhalten. Royal Dutch Shell war auf Druck der russischen Regierung eingeknickt und hatte dem Verkauf seines Anteils an dem Projekt im äußersten Osten Russlands für 7,45 Milliarden Dollar zugestimmt.
Unterdessen will Gasprom sein Image im Westen offenbar mit einer 11 Millionen Dollar teuren Kampagne aufpolieren. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, wurde die PR-Firma PBN Company des Amerikaners Peter Necarsulmer mit einer groß angelegten Kampagne beauftragt. Ziel sei es, gute Stimmung für Gasprom in den USA und Europa zu schaffen. Die Preiskriege mit der Ukraine und Weißrussland hätten dem Ansehen des Konzerns schwer geschadet. Vor allem die Zuverlässigkeit des russischen Unternehmens sei in den vergangenen Monaten stark bezweifelt worden. Offiziell habe Gasprom die PR-Kampagne noch nicht bestätigt. Bisher versuche Gasprom, als Sponsor sein Image aufzubessern. Der deutsche Fußball-Erstligisten FC Schalke 04 erhält in den kommenden fünf Jahren bis zu 125 Millionen Euro.
ore/ddp/Reuters/AFP