Gasprom "Unser Image ist nicht so, wie wir es uns wünschen"

Die Zahlen lassen sich sehen: Gasprom Germania hat seinen Umsatz 2006 fast verdoppelt. Doch das schlechte Image macht der Deutschland-Tochter des russischen Konzerns Sorgen. SPIEGEL ONLINE sprach darüber mit Geschäftsführer Hans-Joachim Gornig.


SPIEGEL ONLINE: Herr Gornig, Gasprom nimmt viel Geld in die Hand, um sein Image in Deutschland zu verbessern. Merken Sie schon was?

Gornig: Natürlich. Unser Bekanntheitsgrad ist ziemlich hoch, rund 80 Prozent der Bevölkerung können etwas mit der Marke Gasprom anfangen.

SPIEGEL ONLINE: Was verbinden die Deutschen mit Gasprom?

Gornig: Das Image ist nicht so, wie wir es uns wünschen.

SPIEGEL ONLINE: Was heißt das?

Gornig: Details werde ich nicht nennen. Nur so viel: Wir sind nicht zufrieden.

SPIEGEL ONLINE: Welches Image hätte Gasprom denn gerne?

Gornig: Wir sind ein zuverlässiger, sicherer Energieversorger, der etwas für seine Kunden tut. Wir würden uns freuen, wenn wir so auch gesehen werden.

SPIEGEL ONLINE: Hängt die Wahrnehmung von Gasprom nicht stark mit der russischen Politik zusammen? Der Kreml ist immerhin Ihr Mehrheitsaktionär.

Gornig: Ich will nicht ausschließen, dass das einen gewissen Einfluss hat. Ich sehe das aber nicht als Problem.

SPIEGEL ONLINE: In der vergangenen Woche ist die Polizei in Moskau und St. Petersburg massiv gegen Demonstranten vorgegangen. Fürchten Sie negative Auswirkungen auf die Arbeit von Gasprom im Westen?

Gornig: Ich gehe davon aus, dass diese Ereignisse überzogen dargestellt wurden. Wir registrieren das. Das heißt aber nicht, dass wir darauf reagieren müssen.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Kunden sind keine Privatleute sondern große Unternehmen. Da könnte es Ihnen eigentlich egal sein, was die Öffentlichkeit von Gasprom hält. Trotzdem sponsern Sie mit Millionenaufwand einen Verein wie Schalke 04. Warum?

Gornig: Indirekt haben wir ja schon heute Kontakt zu Privatkunden. Rund 35 Prozent des Gasbedarfs in Deutschland werden aus Russland gedeckt. Wir müssen aber auch an morgen denken. Deshalb treffen wir Vorsorge für potenzielle zukünftige Kunden.

SPIEGEL ONLINE: Sie wollen also Privatkunden in Deutschland mit Gas beliefern?

Gornig: Vorerst nicht. Die Bundesregierung hat gedroht, die Netze der Energieunternehmen zu enteignen; das verunsichert uns sehr. Unsere Aktivitäten für Endkunden in Deutschland haben wir deshalb auf Eis gelegt.

SPIEGEL ONLINE: Aber später hätten Sie Interesse?

Gornig: Auf Eis gelegt heißt ja nicht begraben. Wir werden unsere Aktivitäten wieder auftauen, wenn sich die Rahmenbedingungen für Investoren verbessern.

Die Fragen stellte Anselm Waldermann

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