Gasreserven Alaska klagt gegen BP und Exxon

Gigantische Gasvorkommen lagern unter der Erde Alaskas. Die Energiekonzerne BP und Exxon, die die Förderlizenzen haben, verzögerten jedoch bewusst den Aufbau eines Transportsystems, sagen die Behörden des US-Bundesstaates. Sie haben deshalb Klage gegen die beiden Energiekonzerne eingereicht.


Alaska - Die Gasvorkommen Alaskas würden reichen, um den gesamten US-Bedarf für zwei Jahre zu decken, schätzen Experten. Über eine Billion Kubikmeter Erdgas lagern dort unter dem Boden. Die Bemühungen, diese Vorkommen nutzbar zu machen, dauern schon Jahrzehnte. Für den Aufbau eines Transportsystems wurde 1999 extra eine Behörde eingerichtet, die Lizenzen zur Förderung wurden unter anderem an die Energieriesen BP und Exxon Mobil vergeben. Doch Staat und Konzerne haben sich nun, wie es scheint, unversöhnlich zerstritten.

Polarlicht in Alaska: Genug Gas, um den US-Bedarf zwei Jahre lang zu decken
AP

Polarlicht in Alaska: Genug Gas, um den US-Bedarf zwei Jahre lang zu decken

Die Behörde will eine Gaspipeline von North Slope nach Valdez im Süden des Bundesstaates bauen. Von dort aus soll das Gas verflüssigt und weiter per Tanklaster transportiert werden. Doch BP und Exxon weigern sich, bereits gefördertes Gas - das unterirdisch gelagert wird - an den Staat zu verkaufen. Denn die beiden Energieriesen wollen ihre eigene, längere Pipeline über Kanada bauen. Die offizielle Begründung: Die von den Staatsbehörden geplante Transportsystem sei zu risikoreich und nicht konkurrenzfähig mit anderen Pipelines. Der Bundesstaat fürchtet jedoch eine Übermacht der Energiekonzerne, sollten sie auch noch den Transport des geförderten Gases kontrollieren können.

"Wir arbeiten so schnell es geht"

Nun will die Behörde die Gasunternehmen per Gerichtsentscheid dazu zwingen, mit ihr zusammenzuarbeiten. Sie wirft BP und Exxon vor, die Nutzbarmachung durch illegale Absprachen bewusst zu verzögern, um die Energiepreise im Land künstlich hochzuhalten. Denn - so sagen auch Experten - sollte das Gas von Alaska tatsächlich mit voller Kraft gefördert werden, würden die Preise in den USA abrutschen.

"Der einzige Grund für die Unternehmen, gemeinschaftlich das Gas nicht zu verkaufen, ist: Sie wollen versuchen, den Mangel zu erhalten, der für die hohen Gaspreise verantwortlich ist", sagte der Anwalt der für die Gaspipeline zuständigen Behörde, David Boies.

BP und Exxon weisen den Vorwurf weit von sich. "Wir arbeiten so schnell es geht", erklärte ein BP-Sprecher dem "Wall Street Journal". "Niemand ist so motiviert wie die Förderunternehmen, um ein möglichst preiswertes, möglichst effizientes Transportsystem aufzubauen."

Bei Exxon hieß es, die Verhandlungen über den Pipelinebau seien bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. "Das ist eins der größten und komplexesten industriellen Projekte, das jemals von irgendeiner Branche geplant wurde", sagte Exxon-Sprecher Russ Roberts. Die Verhandlungen über die Details sollten ausdiskutiert und nicht von einem Gericht entschieden werden.



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