Gasstreit Russland wirft Ukraine erneut Gasklau vor

Vor wenigen Wochen erst legten Russland und die Ukraine ihren Streit um Gaslieferungen bei. Nun droht eine Neuauflage: Der staatlich-russische Gasförderer Gasprom wirft dem Nachbarland wieder vor, die Pipelines unerlaubt anzuzapfen.


Moskau - Gasprom-Vizechef Alexander Medwedew sagte heute im TV-Sender RTR, die Ukraine nutze mehr russisches Gas, als es die Vereinbarung von Anfang Januar vorsähe. Davon betroffen sind nach Angabe des Staatskonzerns auch die Lieferungen nach Westeuropa.

Gasprom-Gasleitung: Gasklau-Vorwurf gegen Ukraine
DPA

Gasprom-Gasleitung: Gasklau-Vorwurf gegen Ukraine

Gasprom liefert ein Viertel des in Europa verbrauchten Gases. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters hatten sich einige Abnehmer in der vergangenen Woche über zu geringe Lieferungen beschwert.

Damit droht eine Neuauflage des Gasstreits zwischen den Staaten. Anfang des Jahres hatte Gasprom der Ukraine den Hahn zugedreht. Das Land hatte sich zuvor geweigert, einen höheren Gaspreis zu zahlen.

Nachdem Gasprom seine Lieferungen am Neujahrstag eingestellt hatte, hatten mehrere Länder über einen Rückgang der durch die Pipelines gelieferten Gasmenge geklagt. Deutschland, Österreich, Ungarn, Rumänien, Polen und Frankreich meldeten Einbußen von bis zu einem Drittel. Gasprom warf der Ukraine vor, nach dem Lieferstopp illegal für den Westen bestimmtes Gas aus den Pipelines abzupumpen. Erst nach mehreren Tagen einigten sich die Parteien auf einen Kompromiss und legten den Streit bei.

Eiseskälte im Osten

Russland und die Ukraine erleben derzeit eine extreme Kälte und sind deswegen auf Gas zum Heizen angewiesen. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax starben allein in Russland seit Beginn der Kältewelle in der vergangenen Woche mindestens 83 Menschen. Bei Minustemperaturen um 20 Grad wurden allein am Wochenende 31 Menschen wegen Unterkühlung ins Krankenhaus eingeliefert.

In der Ukraine erfroren in der extremen Kälte der vergangenen Tage fünf Menschen. Damit stieg die Zahl der Kältetoten auf 26. Hunderte Menschen kamen mit Erfrierungen in die Krankenhäuser. Schulen und Bergwerke blieben geschlossen.

Einen Tag nach dem Ausfall einer Pipeline hat Russland unterdessen Georgien wieder mit Gas versorgt. Gasprom hatte am Vortag die Lieferungen unterbrochen, nachdem die wichtigste Pipeline in die Kaukasus-Republik durch zwei Anschläge beschädigt worden war. Die Regierung in Tiflis bekräftigte allerdings ihre Vorwürfe, Russland sei für den Lieferausfall verantwortlich und benutze Gas als politisches Druckmittel.



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