Gastarbeiter in Katar Rund 450 Inder auf WM-Baustellen gestorben

Die Arbeitsumstände auf WM-Baustellen in Katar zeitigen eine grausame Bilanz. Jetzt hat auch die indische Botschaft Opferzahlen veröffentlicht. Demnach sind 2012 und 2013 rund 450 Gastarbeiter allein aus Indien in dem Wüstenland ums Leben gekommen.
Gastarbeiter in Katar im November 2013: Unzumutbare Bedingungen

Gastarbeiter in Katar im November 2013: Unzumutbare Bedingungen

Foto: Str/ dpa

Hamburg/Doha - Die menschenunwürdigen Bedingungen auf WM-Baustellen in Katar haben offenbar weitaus mehr Opfer gefordert als bislang bekannt. Der Nachrichtenagentur AFP zufolge veröffentlichte die indische Botschaft in Doha jetzt entsprechende Angaben zu Todesfällen für die Jahre 2012 und 2013. Demnach kamen in dieser Zeit rund 450 Gastarbeiter aus Indien ums Leben.

Auf den Baustellen in Katar sterben jeden Monat im Schnitt etwa 20 Arbeiter aus Indien. Insgesamt 237 indische Arbeiter hätten 2012 auf den Baustellen den Tod gefunden, 2013 verzeichnete die indische Botschaft bis Anfang Dezember 218 Opfer.

"Man kann in Katar keine Prachtbauten erstellen, und dann müssen dort Menschen unter unzumutbaren Bedingungen ihre Arbeit verrichten", sagte Fifa-Exekutivmitglied Theo Zwanziger in der vergangenen Woche vor dem EU-Menschenrechtsausschuss zur Situation in dem Wüstenland. Dennoch habe Katar die Chance verdient, zu zeigen, "dass sie es wirklich ändern". "Ein WM-Entzug wäre absolut kontraproduktiv", betonte der Ex-DFB-Präsident anlässlich der Anhörung.

Das WM-Organisationskomitee hatte kurz zuvor "Normen für das Wohlergehen der Arbeiter" angekündigt. So sollen Arbeitgeber die Löhne direkt auf Konten überweisen und dem Komitee Einsicht gewähren, damit die Beschäftigten "gut und pünktlich bezahlt werden". Auch für die Gastarbeiterunterkünfte sollen Mindeststandards gelten, etwa bei der Bettenzahl pro Zimmer und den Hygieneregeln. Die Internationale Arbeitsorganisation der Uno soll die Lebens- und Arbeitsbedingungen demnach überwachen dürfen.

Über die skandalösen Umstände in Katar wurde erstmals im vergangenen September berichtet. In den vier folgenden Monaten registrierten allein die Behörden des Himalaja-Staates Nepal laut der Zeitung "The Guardian" 36 Landsleute, die auf katarischen Baustellen den Tod fanden. Insgesamt waren es im Jahr 2013 nach offiziellen Zahlen 185 Nepalesen.

bos/AFP
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