Akute Personalnot Gastgewerbe fordert leichtere Zuwanderung

Deutschlands Hotels und Gastronomen suchen weiter verzweifelt nach Personal. Nun fordert der Branchenverband Dehoga mehr Fachkräfte aus dem Ausland – und lockt mit Lohnerhöhungen im zweistelligen Prozentbereich.
Kellnerin im Restaurant: Lohnerhöhungen im zweistelligen Prozentbereich

Kellnerin im Restaurant: Lohnerhöhungen im zweistelligen Prozentbereich

Foto: Christian Beutler / dpa

Nach der Luftfahrtbranche fordert nun auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) erleichterte Zuwanderungsregeln für Personal aus dem Ausland. Der Hotellerie und Gastronomie mache der Personalmangel nach zwei Jahren Pandemie mit neun Monaten Lockdown und Kurzarbeit erheblich zu schaffen, sagte Dehoga-Präsident Guido Zöllick. »Wir brauchen jetzt schnelle und pragmatische Maßnahmen zur Mitarbeitergewinnung.«

Zöllick forderte neben erleichterten Zuwanderungsregeln auch eine verbesserte Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten. Die Unternehmen müssten unterstützt werden, Fach- und Arbeitskräfte auch aus Drittstaaten einstellen zu können. Dafür sei es »unverzichtbar«, Verfahren zu vereinfachen, die Beschaffung von Visa zu beschleunigen sowie neue rechtliche Möglichkeiten der gezielten Erwerbsmigration zu schaffen.

Saisonhilfen aus dem Westbalkan

Um die Beschäftigung von Saisonaushilfen im Gastgewerbe zu ermöglichen, sollten zwischenstaatliche Abkommen mit interessierten Ländern geschlossen werden, verlangte Zöllick. »Auch stehen in den Ländern des Westbalkans viele Arbeitskräfte bereit, die gern in Hotels und Restaurants in Deutschland arbeiten möchten.« In diesen Ländern müssten die Kapazitäten der deutschen Botschaften ausgeweitet werden; die Westbalkanregelung entfristet, das Kontingent ausgeweitet werden.

Laut dieser Regelung können jährlich bis zu 25.000 Staatsangehörige aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Nordmazedonien, Montenegro und Serbien nach Deutschland kommen und hier arbeiten. Sie soll Ende 2023 auslaufen.

Heil kündigt neues Zuwanderungsgesetz für Herbst an

Laut einer Dehoga-Umfrage von Anfang Juni suchen über 60 Prozent der Betriebe in der Branche Fach- und Hilfskräfte. Unternehmen müssten deshalb Öffnungszeiten reduzieren und Veranstaltungen ablehnen, sagte Zöllick. Dabei unternähmen die Betriebe »erhebliche Anstrengungen«, Beschäftigte zu halten und neue zu gewinnen. Der Dehoga-Präsident nannte Lohnerhöhungen im zweistelligen Prozentbereich und stark gestiegene Ausbildungsvergütungen.

Die Bundesregierung hatte zuletzt angekündigt, sie werde die Einreise von ausländischen Hilfskräften für die von Personalmangel betroffenen Flughäfen erleichtern – eine »vierstellige Zahl« soll vor allem aus der Türkei kommen. Auf den Flughäfen fehlen laut Studie rund 7200 Fachkräfte. Die erleichterte Einreise soll befristet gelten.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil will unter anderem mit einem neuen Zuwanderungsgesetz gegen den Fachkräftemangel in Deutschland vorgehen. »Wir werden im Herbst ein modernes Zuwanderungsgesetz vorlegen«, sagte der SPD-Politiker im ZDF-»Morgenmagazin«.

Heil sagte, dass zur Bekämpfung des Fachkräftemangels auch Potenziale innerhalb Deutschlands gehoben werden müssten. »Wir werden dafür sorgen müssen, dass die Frauenerwerbsbeteiligung in diesem Land steigt«, sagte er. Wenn man es schaffen könnte, die »Lücke zwischen Männern und Frauen zumindest mal zu halbieren«, gebe es in Deutschland etwa 900.000 Arbeitskräfte mehr.

rai/dpa
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