Konflikt um Gaslieferung Gazprom gibt offenbar deutsche Tochterfirma auf

Der russische Gasriese Gazprom gibt wohl seine deutsche Tochter Gazprom Germania auf. Der Konzern teilte mit, sich von dem Unternehmen und dessen Beteiligungen zu trennen. Die Konsequenzen für Deutschland sind unklar.
Erdgaslager von Gazprom Germania in Rehden

Erdgaslager von Gazprom Germania in Rehden

Foto: Fabian Bimmer / REUTERS

Der russische Gasriese Gazprom gibt nach eigenen Angaben seine deutsche Tochter Gazprom Germania auf.

Der Konzern teilte am Freitag mit, sich von Gazprom Germania GmbH und deren Beteiligungen, darunter die Firma Gazprom Marketing & Trading, zurückzuziehen. Nähere Angaben machte das Unternehmen nicht. Von Gazprom Germania war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Der russische Mutterkonzern war bislang alleiniger Eigentümer. Zu den Beteiligungen von Gazprom Germania gehören auch Töchter in der Schweiz und in Tschechien.

Geschäftsfelder von Gazprom Germania sind der Handel, Transport und die Speicherung von Erdgas. Es ist bislang zunächst unklar, ob die Ankündigung Konsequenzen für die Erdgaslieferungen von Russland nach Deutschland hat.

Über die Strategie hinter dem Abstoßen von Gazprom Germania könne man nur spekulieren, sagte der Gasmarktexperte Fabian Huneke vom Beratungsunternehmen Energy Brainpool der Nachrichtenagentur dpa. »Die physischen Assets (Gasspeicher, Gasleitungen) die mit dem Abstoßen von Gazprom Germania aus russischer Sicht verloren gehen, können das Bauernopfer sein, um die Gaslieferverträge neu zu verhandeln.« Denn Gazprom Germania halte über die beiden Töchter Wingas und WIEH einen Großteil der Importverträge in der Hand.

Insolvenz als Ziel?

Die noch bestehenden Importverträge bänden Gazprom Export aktuell noch an Währung, Preis und Menge. »Diese Vertragsbindung könnte nun aufgehoben werden, etwa über das Vehikel einer Insolvenz von Gazprom Germania und ihren mit dem Gashandel befassten Töchtern.«

Westliche Staaten wie Deutschland müssen nach russischer Darstellung von Freitag an Konten bei der Gazprombank eröffnen, um weiter Gas zu erhalten. Andernfalls würden die Lieferungen für »unfreundliche Länder« eingestellt, hatte Präsident Wladimir Putin angekündigt. Die Staaten müssen demnach über die Konten, die einen Bereich für Valuta – also Euro oder Dollar – und einen für Rubel haben, eine Zahlung in russischer Währung sicherstellen. Es könnten weiter Euro oder Dollar auf das russische Konto eingezahlt werden. Die Gazprombank tausche das Geld dann in Rubel und überweise den Betrag an Gazprom.

sol/dpa/Reuters
Mehr lesen über