Haidach Österreich entzieht Gazprom den Zugriff und lässt Gasspeicher befüllen

Der auch für die deutsche Gasversorgung relevante Speicher im österreichischen Haidach lag großteils brach, weil der russische Miteigner Gazprom nicht mehr liefert. Nun hat Wien reagiert.
Erdgasspeicher in Haidach: »Volle Speicher sind unsere Versicherung für den Winter«

Erdgasspeicher in Haidach: »Volle Speicher sind unsere Versicherung für den Winter«

Foto: Manfred Fesl / dpa

Österreich lässt von kommender Woche an den teilweise ungenutzten Gasspeicher Haidach an der bayerischen Grenze befüllen. Der russische Energiekonzern Gazprom, dem ein Teil der riesigen unterirdischen Lagerstätte nördlich von Salzburg gehört, hatte Haidach zuletzt nicht mehr genutzt. Die Regulierungsbehörde E-Control habe nun den Mitbetreiber RAG Austria damit beauftragt, einen Teil der Speicherkapazitäten – insgesamt 14 Terawattstunden (TWh) Arbeitsgas-Volumen – zu vermarkten, teilte das österreichische Umwelt- und Energieministerium mit. Das entspricht zwei Dritteln der Kapazität von Haidach. Es sei zu erwarten, dass die Kunden am 1. August mit der Einspeicherung von Gas begännen.

»Volle Speicher sind unsere Versicherung für den kommenden Winter«, sagte Ministerin Leonore Gewessler. »Deshalb ist es von zentraler Bedeutung, dass auch alle Speicher in Österreich befüllt werden.« Die Befüllung von Haidach trage maßgeblich zur Erreichung des österreichischen Speicherziels bei.

Die Regierung in Wien hatte beschlossen, dass alle Speicher in Österreich auch genutzt werden müssen. Betreiber, die ihre Kapazität nicht nutzen, verlieren ihren Zugriff. Der Gasspeicher Haidach ist ein Gemeinschaftsprojekt der RAG Austria mit den Gazprom-Töchtern Astora und GSA sowie des deutschen Gashändlers Wingas.

Anschluss an österreichisches Netz geplant

Am Montag hatten deutsche Spitzenpolitiker die Sorge geäußert, dass der bevorstehende Anschluss des Speichers auch an das österreichische Leitungsnetz – bisher ist er nur an das deutsche angebunden – die Interessen der Kunden gerade in Süddeutschland beeinträchtigen könnte. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte gesagt: »Sollte Bayern als wirtschaftsstärkstes Bundesland nicht ausreichend versorgt werden, betrifft das die Gesamtwirtschaft. Wer den Süden abkoppelt, legt das ganze Land lahm.«

Österreichische Energieministerin Gewessler: »Wir haben uns immer gut mit Deutschland abgestimmt«

Österreichische Energieministerin Gewessler: »Wir haben uns immer gut mit Deutschland abgestimmt«

Foto: LEONHARD FOEGER / REUTERS

Eine Beeinträchtigung drohe nicht, betonte das Ministerium in Österreich am Dienstag erneut. Der Speicher könne wie schon bisher weiter von deutschen und österreichischen Unternehmen verwendet werden. »Wir haben uns immer gut mit Deutschland abgestimmt«, sagte Gewessler bereits am Montag mit Blick auf den Speicher Haidach. Das Land habe schon länger beschlossen, den unterirdischen Speicher, der bisher nur an das deutsche Leitungsnetz angeschlossen war, möglichst bald auch mit dem österreichischen Netz zu verbinden. »Das heißt aber nicht, dass das eine Land dem anderen Land Gas wegnehmen will.«

Österreich hat große unterirdische Erdgasspeicher. Der starke Ausbau seit 2007 erfolgte nach Angaben von E-Control wegen der Nachfrage von ausländischen Unternehmen wie Gazprom nach zusätzlichen Speicherkapazitäten in Europa.

Erdgaspreis zieht an

Unterdessen zog der Erdgaspreis nach der russischen Ankündigung einer weiteren Drosselung weiter an. Der europäische Future stieg am Dienstag erneut um knapp elf Prozent auf 196 Euro je Megawattstunde. Nur wenige Tage nach der Wiederaufnahme der Gaslieferungen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 hatte Gazprom am Montag angekündigt, die Pipeline-Auslastung auf 20 Prozent abzusenken.

sol/dpa/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.