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22. Februar 2001, 16:17 Uhr

Geburtstag

Die Erfolgsstory von Biodata

Von Andrea Löwer

Vor genau einem Jahr startete Biodata am Neuen Markt. Die Aktie des IT-Sicherheitsanbieters startete besser als jedes andere Papier und behauptete sich auch in Krisenzeiten.

Biodata: Erfolgreichste Neuemission am Neuen Markt
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Biodata: Erfolgreichste Neuemission am Neuen Markt

Der Börsenstart von Biodata Information Technology war selbst in der euphorischen Zeit des Neuen Marktes bemerkenswert. Die mit 45 Euro zugeteilte Aktie war 100-fach überzeichnet, der erste ermittelte Preis lag bei 240 Euro. Ein satter Zeichnungsgewinn von 433 Prozent für all jene Anleger, die das Papier im Februar 2000 ergatterten. In der ersten Handelswoche erreichte das Papier schon das Sechsfache des Emissionspreises. Der Höchststand war dann im März bei 439 Euro erreicht. Es folgte die Aufnahme in den Nemax 50 zum 19. Juni.

Damit ist Biodata die erfolgreichste Neuemissionen am Neuen Markt überhaupt. Als im vergangenen Sommer der Wind an der Börse für die meisten IT-Unternehmen rauer wurde, hielt sich das Unternehmen aus Lichtenfels bei Kassel wacker. Das Papier litt aber unter Verkäufen institutioneller Anleger, die damit anderweitig erlittene Verluste wieder ausglichen.

Inzwischen hat das Papier über 60 Prozent seines Jahreshochs verloren. Nach dem Jahrestief von 118,50 Euro im Januar dieses Jahres tendiert der Kurs derzeit bei über 140 Euro. Je mehr das Internet durch Hacker- und Virenattacken bedroht wurde, desto mehr profitierte Biodata. Im vergangenen Geschäftsjahr 2000 erzielte Biodata einen Jahresüberschuss von 1,3 Millionen Mark gegenüber 1,1 Millionen Mark im Vorjahr. Zeitgleich stieg der Umsatz von 8,2 auf 23,5 Millionen Mark. Allein für das Jahr 2003 rechnen Experten mit einem weltweiten Marktvolumen von acht Milliarden Dollar für IT-Sicherheitsprodukte. Für entsprechende Dienstleistungen sogar 16 Milliarden Mark.

Biodata beschäftigt sich mit der elektronischen Sicherheit von Daten. Das Unternehmen bietet komplette Sicherheitslösungen für den Datenverkehr und in Computernetzwerken an. So schützt etwa die Software "Firewall Sphinx" jeden einzelnen Personal Computer vor Angriffen aus dem Netz. Nach eigenen Angaben ist Biodata der einzige Software-Hersteller, der auch Daten über das Hochgeschwindigkeitsnetz ATM (Asynchronous Transfer Mode) adäquat verschlüsseln kann. Regierungen, Militärs und internationale Unternehmen nutzen sie. Zum Kundenstamm gehören unter anderem die Deutsche Bundesbank, Sony oder DaimlerChrysler.

Wie fast jede Erfolgsstory begann auch die von Biodata zunächst mit einem Rückschlag. Der Vater des heutigen Vorstandsvorsitzenden scheiterte an dem Versuch, die moderne Datenverarbeitung in Krankenhäusern und bei Ärzten einzuführen. Da sprang der damals 16-jährige Tan Siekmann für seinen Vater ein. Und schrieb in den Sommerferien ein Programm für Mercedes-Benz. Daraus wurde ein Vollzeit-Job. Zeit zum Studieren blieb Diekmann nicht. 1995 stieg er in die Sicherheitstechnik ein, präsentierte diese erstmals 1996 und verkaufte sie von 1997 an.

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