Gedankenspiele des Postchefs Postbote soll samstags nicht mehr kommen

Dringende Privatbriefe schreibt kaum noch einer, Geschäftspost gibt’s samstags nicht - warum dann noch sechs Tage Post ausliefern? So wohl die Gedankengänge von Postchef Zumwinkel. Er dachte laut darüber nach, Postboten Montag die Woche Briefe zustellen zu lassen.

Berlin - Es gebe zurzeit Überlegungen, die samstäglichen Zustellungen abzuschaffen, um die Kosten in diesem Bereich zu senken, sagte der Post-Vorstandsvorsitzende, Klaus Zumwinkel, in Berlin. Das berichteten die Nachrichtenagenturen ddp und dpa übereinstimmend. Eine Entscheidung darüber soll aber frühestens Anfang 2008 fallen. In diesem Jahr werde darüber nicht mehr entschieden, betonte er. " Wir sind da noch nicht festgelegt."

Zumwinkel verwies darauf, dass bereits in mehreren EU-Ländern die Post wöchentlich nur an fünf Tagen ausgetragen wird. "Der Trend geht zur Verringerung der Zustelltage von sechs auf fünf und damit zum Wegfall des Samstags", sagte er. Ähnlich wie in diesen Ländern entfalle auch in Deutschland ein großer Teil der Briefe auf die gewerbliche Wirtschaft, die am Wochenende zumeist nicht arbeite und die Post erst am Montag öffne. Eine Briefzustellung sei am Samstag deshalb "witzlos". Andererseits sei die Sechs-Tage-Zustellung insgesamt ein Wettbewerbsvorteil, den "wir nicht einfach so aufgeben". Die Post macht im Briefbereich die meisten Umsätze mit Geschäftskunden.

Martin Dopychai, Sprecher der Deutschen Post, wehrte sich später dagegen, die Aussagen Zumwinkels dahingehend zu interpretieren, dass der Post-Chef die Einstellung der Samstagszustellung prüfen lassen. Das "steht gar nicht zur Debatte", versicherte Dopychai. Zumwinkel habe in dem fraglichen Gespräch mit Journalisten ausdrücklich betont, dass die Post AG im Moment überhaupt keinen Anlass habe, sich um dieses Thema zu kümmern, erklärte der Sprecher.

Der einstige Staatsbetrieb ist in den vergangenen Jahren im Briefmarkt durch die schrittweise Öffnung dieses Bereiches für Wettbewerber stark unter Druck geraten. Mit Ablauf dieses Jahres verliert die Deutsche Post ihr letztes Monopol, das die Zustellung von Sendungen mit einem Gewicht von weniger als 50 Gramm betrifft. Diese machen etwa zwei Drittel aller Briefsendungen aus.

Um im härteren Wettbewerb bestehen zu können, setzt die Post auf Wachstum - allerdings auf organisches. "Bitte erwarten sie keine großen Akquisitionen - mittlere, kleinere schon", sagte Zumwinkel. "Wir wollen natürlich in diesem Jahr unsere Marktanteile nicht nur verteidigen, sondern ausbauen", fügte er hinzu.

Das Gewinnwachstum der Post sei 2006 beim bereinigten operativen Ergebnis höher ausgefallen als beim Betriebsergebnis (Ebit), sagte Zumwinkel. Im Ebit von 3,9 Milliarden Euro seien 260 Millionen Euro an Sondererträgen etwa aus einer Wandelschuldverschreibung enthalten gewesen.

ase/dpa/ddp/AP/Reuters

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.