Gefährliche Produkte So können Sie sich vor riskanten Käufen im Internet schützen

Schnell etwas zum Schnäppchenpreis im Internet bestellt, aber dann folgt die böse Überraschung? Wie man sich als Verbraucher vor gefährlichen Produkten schützt - diese Tipps können helfen.

SPIEGEL ONLINE

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Onlineshopping boomt. Immer mehr Handelsplattformen bieten den Verbrauchern Produkte aus der weiten Welt an: oft zu verlockend niedrigen Preisen. Doch in vielen der Hunderttausenden Päckchen aus dem nichteuropäischen Ausland, die täglich in Deutschland ankommen, steckt minderwertige Ware. Und erschreckend oft sind die Produkte sogar gefährlich für ihre Benutzer.

Während Güter, die hierzulande im stationären Handel angeboten werden, vor ihrer Zulassung oft intensiv von Experten geprüft werden, passieren viele im Internet gekaufte Waren unkontrolliert die deutsche Grenze.

Wie schützt man sich als Verbraucher vor gefährlichen Produkten aus Internetshops? Diese sechs Tipps könnten Ihnen helfen.

Erstens: Schauen Sie sich den Händler vor dem Kauf genau an.

Egal, auf welchem Onlinemarktplatz Sie einkaufen: Werfen Sie unbedingt einen Blick in das Impressum des Händlers. Finden Sie kein Impressum - oder haben Sie den Eindruck, die Angaben werden verschleiert? Dann kaufen Sie dort lieber gar nicht erst ein. Seriöse Verkäufer müssen sich nicht verstecken. Achten Sie darauf, dass der Händler möglichst aus der EU kommt oder wenigstens eine Rücksendeadresse in der EU hat. Andernfalls könnte es für Sie schwer werden, Ihre Verbraucherrechte durchzusetzen, etwa wenn es um Reklamationen geht oder die Gewährleistung bei mangelhafter Ware.

Zweitens: Lassen Sie sich nicht von Schnäppchenangeboten blenden.

Wenn ein angebotenes Produkt nur ein Drittel, Fünftel oder Zehntel des üblichen Marktwerts kostet, sollte Sie das misstrauisch machen. Kein Händler hat etwas zu verschenken, Qualitätsware hat ihren Preis. Und es gibt immer einen Grund, warum dieses eine Produkt so unglaublich billig ist. Wenn Sie Glück haben, ist es bloß ein Sonderposten, den der Verkäufer loswerden will. Vielleicht ist es aber auch ein Plagiat, vielleicht ist es vom Lastwagen gefallen - oder schlicht und einfach Ramsch. Wenn Sie Pech haben, ist es gefährlicher Ramsch.

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Die einzelnen Tests: Giftige Stoffe, gefährliche Elektrik

Drittens: Verlassen Sie sich nicht auf Bewertungen.

Anders als in der realen Welt haben Sie im Internet keine Möglichkeit, das Produkt anzufassen oder auszuprobieren. Umso wichtiger sind für viele Kaufinteressenten die Bewertungen, die andere hinterlassen haben. Aber Vorsicht! Die Verkäufer wissen das. Und die Internetdienstleister auch, die Händlern anbieten, positive Bewertungen für sie zu schreiben. Bei Amazon etwa sei jede fünfte Bewertung ein Fake, behauptet das Softwareunternehmen Reviewmeta, das rund sieben Millionen Bewertungen auf unterschiedlichen Länderseiten von Amazon analysiert hat. Laut einem Bericht des "Wall Street Journals" sollen sogar chinesische Amazon-Mitarbeiter bei der Manipulation von Rezensionen mitgemacht haben. Schauen Sie sich daher die Bewertungen und Bewerter "Ihres" Produkts näher an: Wirkt der Beitrag authentisch? Oder hat der Verfasser in den vergangenen Tagen Dutzende andere Waren mit den immer gleichen Worten in den Himmel gelobt? Vertrauen können Sie am Ende nur sich selbst. Und Ihrem eigenen Bauchgefühl.

Viertens: Meiden Sie Wish (und ähnliche Trash-Marktplätze)

Bei Wish gibt es alles Mögliche, und das fast immer zum Sonderpreis: den Elektroschocker für einen statt elf Euro, den Laserpointer für drei statt 107 Euro, die Smartwatch für sieben statt 327 Euro oder die Schlagbohrmaschine für 13 statt 173 Euro. Die böse Überraschung folgt dann oft beim Öffnen des Päckchens. Denn viele Wish-Produkte sind minderwertiger - und bisweilen lebensgefährlicher - China-Schrott. Der nicht einmal den vermeintlichen Spottpreis wert ist.

Und dann ist da noch die Sache mit den Abgaben. Offenbar hält sich Wish nicht für zuständig, Einfuhrumsatzsteuer und Zoll zu zahlen. Die Verbraucherzentralen warnen Wish-Kunden: "Kommen Sie zusammen mit den Versandkosten auf einen Betrag von über 22 Euro, müssen Sie bei internationalen Bestellungen zusätzlich Einfuhrumsatz- und ggf. Verbrauchsteuern tragen. Ab einem Bestellwert von 150 Euro kommen Zollgebühren auf Sie zu." Zudem seien auch Reklamationen problematisch. Bei Rücksendungen etwa erstatte Wish oft weder Steuern noch Zollgebühren. Wollen Sie derlei Ärger vermeiden, dann kaufen Sie besser gar nicht erst auf so einem Trash-Marktplatz ein.

Fünftens: Wehren Sie sich.

Haben Sie Ramsch bestellt? Dann senden Sie ihn schnellstmöglich wieder zurück. Wenn sich der Händler dann ohne guten Grund weigert, Ihnen Ihr Geld zurückzugeben, oder Ihre Reklamation verschleppt: Bauen Sie Druck auf, drohen Sie mit der Verbraucherzentrale, den Medien oder den Aufsichtsbehörden. Manchmal hilft das.

Sechstens: Gehen Sie mal wieder einkaufen - in der echten Welt.

Deprimiert sie Ihre verödende Innenstadt? Fürchten Sie, dass weitere Einzelhändler ihre Läden aufgeben müssen? Dann gehen Sie doch mal wieder zum Einkauf in Ihre Geschäfte vor Ort. Dort können Sie die Ware Ihrer Wahl anschauen und anfassen, sich von echten Menschen beraten lassen. Und vielleicht am wichtigsten: Aller Wahrscheinlichkeit nach erfüllen die Produkte europäische Sicherheitsstandards.



insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
Crom 20.12.2018
1.
Wie heißt es so schön, no risk no fun. In dem Sinne besinnliche Weihnachtsfeiertage und lassen Sie sich nicht von einer Drohne das Augenlicht nehmen. Ganz gefährlich die Viecher.
PeterMüller 20.12.2018
2. Schutz ist ganz einfach
Vor Ort beim Fachhändler kaufen. Die sind meist nicht wirklich wahnsinnig teurer, beraten aber wenigstens und sortieren den Schrott aus dem Angebot ohnehin gleich aus. Dieser große Zeitaufwand des Aussortierens von Schrott, von Qualitätsprüfung etc. spare ich mir lieber, denn wenn Zeit Geld ist, dann ist das Kaufen im Internet so ziemlich die teuerste Variante. Und das beste am Offline-Shopping: Keine Lieferzeit, keine Abhängigkeit von Paketdiensten oder Streiks, einfach gleich mitnehmen. Schneller geht es gar nicht.
max-mustermann 20.12.2018
3.
"So können Sie sich vor riskanten Käufen im Netz schützen" In dem mann sich vorher über ein Produkt informiert (Hersteller/Marke, Bewertungen, Testberichte usw.) und nicht schnell jeden Schrott kauft nur weil er billig ist. Das war übrigens (wenn auch schwieriger) auch früher schon so als mann noch offline eingekauft hat.
Pickle__Rick 20.12.2018
4.
Man kann das auch so zusammenfassen: Sei kein Volldepp und schalte den gesunden Menschenverstand ein. Wenn das Internet für dich sowieso Neuland ist, kauf besser nichts. Diese Tipps...genial.
Brathering 20.12.2018
5. Haben Sie Ramsch bestellt?
Bestellt jemand absichtlich Ramsch? Wohl eher nicht. Sie meinen wahrscheinlich 'Ramsch geliefert bekommen '
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