Gefährliche Weihnachtsgeschenke EU warnt Eltern vor Billigspielzeug-Kauf

Dringlicher Vorweihnachtsappell: Die EU warnt vor dem Kauf von importiertem Billigspielzeug - auf die geltenden Vorschriften könne man sich nicht verlassen. Ein neues Gesetz ist erst in Planung. Und nicht nur bei Spielzeug ist Vorsicht angesagt. Auch importierte Lichterketten sind oft gefährlich.


Hamburg - Auf geltende Schutzbestimmungen sollten sich Eltern beim Geschenkekauf für ihre Kinder nicht verlassen: "Mein Rat ist: Augen auf beim Spielzeugkauf! Billig ist nicht gleich gut", sagte der Vizepräsident der EU-Kommission Günter Verheugen der "Bild am Sonntag". "Wenn man nicht ganz sicher ist, wo ein Spielzeug herkommt - Finger weg. Das gilt vor allem für dubiose namenlose Produkte." Die Vorschriften der geltenden EU-Spielzeugrichtlinie seien "nicht mehr zeitgemäß", so der Industriekommissar. Verheugen kündigte für Anfang Januar ein neues Gesetz an, "das die Anforderungen an die Sicherheit von Spielzeug den Entwicklungen der letzten 20 Jahre anpasst und sie massiv verschärft".

Kind am Weihnachtsbaum: Vor allem bei Spielzeug sind die geltenden Gesetze nicht ausreichend
DDP

Kind am Weihnachtsbaum: Vor allem bei Spielzeug sind die geltenden Gesetze nicht ausreichend

Einen Importstopp für Spielwaren aus China, wie er nach den spektakulären Rückrufaktionen von gefährlichem Spielzeug dieses Jahr gefordert worden war, lehnt Verheugen dem Blatt zufolge allerdings ab. "Die Chinesen haben den Ernst der Lage erkannt." In den letzten Monaten seien in China über 3000 Spielzeughersteller überprüft, Hunderte von Ausfuhrlizenzen entzogen worden. "Zusammen mit den Herstellern und dem Handel überprüfen wir die gesamte Lieferkette."

In der geplanten neuen Richtlinie sollen zudem chemische Substanzen, die Krebs erregen, die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen oder genetische Veränderungen herbeiführen können, für Spielzeug verboten werden. Das Gleiche gelte für Duftstoffe, die Allergien auslösen. Spielzeuge für Kleinkinder müssten künftig außerdem so gestaltet sein, dass sie nicht verschluckt werden können. Es würden auch strengere Warnhinweise vorgeschrieben, für welches Alter das Spielzeug geeignet ist. Außerdem würden die 27 EU-Staaten verpflichtet, schärfer zu kontrollieren.

Beim Geschenkekauf in diesem Jahr helfen diese Pläne Eltern freilich wenig - es bleibt nur Wachsamkeit. Und auch sonst gilt: Vorsicht beim Einkauf von billigen Import-Weihnachtsutensilien. So wurden bei einer gemeinsamen Aktion mehrerer Bundesländer und des Bundeszolls in der Vorweihnachtszeit bereits eine Million gefährliche Lichterketten aus dem Verkehr gezogen - allesamt Billigimporte, wie das nordrhein-westfälische Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales gestern mitteilte. Bei der Ware seien unter anderem zu dünne Kabel und lose Schutzabdeckungen beanstandet worden, hieß es. Im Ernstfall hätten diese Mängel zu brennenden Weihnachtsbäumen oder lebensgefährlichen Stromschlägen führen können. "Wir haben buchstäblich verhindert, dass bei Ihnen der Baum brennt", sagte der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Karl-Josef Laumann.

Seit Mitte Oktober werden bei der Zollabfertigung mit Hilfe eines neuen EDV-Systems Artikel auch auf Mängel überprüft, so dass gegebenenfalls die Einfuhr verweigert werden kann. Seitdem seien mehr als 1400 verdächtige - überwiegend aus dem asiatischen Raum stammende - Warenpositionen überprüft worden, berichtete Laumann.

ase/Ap/dpa



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