Gefährliches Unwissen Jedem zweiten Deutschen fehlt Finanz-Kompetenz

Immer mehr Menschen sorgen sich um ihre Finanzen - wirklich kompetent sind die wenigsten. Das Umfrageinstitut Ipos kam zu einem ernüchternden Ergebnis: Fast jeder zweite Bundesbürger weiß nicht genug, um wichtige Geldfragen selbständig und vernünftig entscheiden zu können.


Hamburg - Die Deutschen sind ein Volk der Selbstüberschätzung - zumindest, wenn es um Finanzfragen geht. Sieben von zehn Deutschen behaupten, sich in Geld- und Finanzfragen gut auszukennen. Hakt man allerdings nach, erklären 56 Prozent, die Aussage, "keine Ahnung vom Börsengeschehen" zu haben, treffe auf sie "eher" oder "voll" zu. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die das Mannheimer Institut für praxisorientierte Sozialforschung (Ipos) im Auftrag des Bundesverbands deutscher Banken durchgeführt hat und die SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Insgesamt wurden 1006 über 18-Jährigen Fragen zu ihrem Wirtschafts- und Börsenwissen sowie zu ihrer persönlichen Finanzplanung gestellt. Das traurige Ergebnis: "Erkennbare Defizite in Teilen der Bevölkerung, wenn es um die Regelung ihrer Finanzangelegenheiten geht."

Das Bizarre daran: Die Sorge um den eigenen Geldbeutel und die finanzielle Zukunft wächst - das Interesse an Wirtschaft und Börse lässt aber immer mehr nach. So erklärten 68 Prozent der Befragten, sich regelmäßig mit den eigenen Finanzen zu beschäftigen - 2006 sagten das nur 52 Prozent. 82 Prozent sagten jetzt außerdem, sie beschäftigten sich ernsthaft mit der eigenen Altersvorsorge. 2006 waren es nur 78 Prozent.

Gleichzeitig bekunden aber 37 Prozent, lediglich "etwas" Interesse an Wirtschaft zu haben, 2006 waren nur 33 Prozent derart wenig interessiert. 22 Prozent outeten sich jetzt sogar als gänzlich desinteressiert an ökonomischen Themen - im Gegensatz zu 16 Prozent 2006.

Hinsichtlich der Vorgänge am Aktienmarkt zeigten sich vor allem Frauen vollkommen unwissend: Rund 72 Prozent der weiblichen Befragten zwischen 18 und 34 gaben unumwunden zu, keine Ahnung von der Börse zu haben.

Wirtschaft als Schulfach

Wenn es um das Regeln der eigenen Finanzen geht, müssen viele Bundesbürger offenbar auf ihren Bankberater setzen - und auf das Prinzip Hoffnung. Auch wenn diese Schlussfolgerung der Bankenverband freilich nicht teilen will. "Wer schlecht beraten wird, sucht sich eine neue Bank", sagt der Geschäftsführer des Bankenverbands Manfred Weber zu SPIEGEL ONLINE.

Trotzdem - auch er gesteht ein: "Es ist leider kein Einzelfall, dass Menschen viel Geld in Aktien eines einzigen Unternehmens investieren, nur weil sie Gutes darüber in der Zeitung gelesen haben". Selbst die Binsenweisheit, dass man besser nicht nur auf ein Papier setzten sollte, hat sich offenbar noch nicht überall herumgesprochen.

Um dem Abhilfe zu schaffen, plädiert der Bankenverband seit geraumer Zeit für die Einführung eines Schulfachs Wirtschaft. "Auch Jugendliche weisen erhebliche Wissenslücken im Bereich Wirtschaft und Finanzen auf", sagt Weber dazu. Und es könne nicht ausreichen, wirtschaftliche Fragestellungen mal nebenbei im Gemeinschaftskundeunterricht oder irgendeinem anderen Fach abzuhandeln.

Ähnlich sieht das auch die Bundesregierung: Zumindest Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat sich jetzt anlässlich der Feier zum 60. Jahrestag der Sozialen Marktwirtschaft für ein eigenständiges Fach ausgesprochen. Wirtschaft dürfe in Schulen "nicht länger Anhängsel der Sozialkunde" sein, sagte er.

Angesichts der Ipos-Umfrage scheint Glos' Sorge um die Finanzkompetenzen der Jugend berechtigt. 39 Prozent der befragten 18- bis 24-Jährigen erklärten, keinerlei Interesse an Wirtschaft zu haben - "etwas" Interesse äußerten 36 Prozent. Derart gleichgültig zeigte sich gegenüber ökonomischen Fragestellungen keine andere Altersgruppe.

ase

insgesamt 403 Beiträge
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Seite 1
Tarja13, 13.06.2008
1.
Zitat von sysopImmer mehr Menschen sorgen sich um ihre Finanzen - doch wirklich kompetent dazu sind die wenigsten. Das Umfrageinstitut ipos kam zu dem Ergebnis: Fast jeder zweite Bundesbürger weist kaum hinreichende Kenntnisse auf, um eigenverantwortlich Finanzentscheidungen zu treffen. Sollte es ein Schulfach "Wirtschaft" geben?
Guten Morgen, sysop. Es gibt bereits ein Schulfach "Wirtschaft und Recht". Sie können den Thread wieder schließen. Vielleicht einfach erstmal informieren, bevor man sinnlose Themen eröffnet?
99erFiesta 13.06.2008
2.
Wirtschaft besteht aus Zahlen. Und ein Fach für Zahlen haben wir bereits, dass nennt sich Mathe. Leider aber behandelt dieses Fach zu wenig oder garnicht ( je nach Schule und Lehrplan ) Dinge wie Kreditwesen, Finanzierungen, Haushaltspläne, Preisvergleich und dergleichen, statt deßen wird man darauf gedrillt auszurechnen wie weit eine Leiter von einer Mauer absteht die selber 2 M lang ist und in der aufgestellten Postion 1,50 hoch reicht. Oder wieviel Fläche ein Gegstand hat der wie ein demoliertes Ölfass aussieht.
fabrikant_nbl 13.06.2008
3.
Zitat von sysopImmer mehr Menschen sorgen sich um ihre Finanzen - doch wirklich kompetent dazu sind die wenigsten. Das Umfrageinstitut ipos kam zu dem Ergebnis: Fast jeder zweite Bundesbürger weist kaum hinreichende Kenntnisse auf, um eigenverantwortlich Finanzentscheidungen zu treffen. Sollte es ein Schulfach "Wirtschaft" geben?
Das hängt sicherlich sehr stark vom Inhalt des Faches ab. Wenn es heute schon nicht mehr möglich ist, einer Mehrheit der Bevölkerung Zinseszinsrechnung beizubringen, dürfte es schwierig sein, zusätzliche Bildungsinhalte in verkürzte Bildungswege einzubringen. Solange die Mehrheit der Kreditnehmer zwar die Monatsrate aber nicht einmal den Gesamtbetrag, welchen sie zurückzahlt interessiert, ist doch kein Interesse an solchen Themen vorhanden.
99erFiesta 13.06.2008
4.
Zitat von Tarja13Guten Morgen, sysop. Es gibt bereits ein Schulfach "Wirtschaft und Recht". Sie können den Thread wieder schließen. Vielleicht einfach erstmal informieren, bevor man sinnlose Themen eröffnet?
Stop! Vielleicht gibts/gabs das an IHRER Schule aber an meiner gabs sowas nicht. Und ich war auf ner ganz normalen Realschule. Also ist insofern die Fragestellung berrechtigt ;-) :-)
Tarja13, 13.06.2008
5.
Zitat von 99erFiestaStop! Vielleicht gibts/gabs das an IHRER Schule aber an meiner gabs sowas nicht. Und ich war auf ner ganz normalen Realschule. Also ist insofern die Fragestellung berrechtigt ;-) :-)
Ich kann es kaum fassen: Eine Realschule und dann kein Fach Wirtschaft? Wo gibt es das denn? Bei uns sind gerade Realschulen ziemlich wirtschaftsorientiert.
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