Gefälschter Brief Intrige um Telekom-Spitzenposten

Am Dienstag gibt der neue Telekom-Chef Obermann personelle Veränderungen im Vorstand bekannt. Die Gewerkschaft Ver.di will Regine Büttner als Personalchefin - doch Kritiker intrigieren gegen sie: Sie täuschten einen Ver.di-Rückzieher vor. Die Gewerkschaft ist sauer und will Anzeige erstatten.

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Hamburg - Kaum war der frühere T-Mobile-Chef René Obermann an die Spitze der Deutschen Telekom Chart zeigen gewechselt, da begannen die Spekulationen um personelle Veränderungen im Vorstand. Obermann kündigte für kommenden Dienstag an, die neue Konzernstrategie zu erläutern und personelle Änderungen an der Spitze zu verkünden. Bei einem Spitzenposten ist das Gerangel schon jetzt groß: Personalvorstand Heinz Klinkhammer habe den freiwilligen Verzicht auf sein Amt avisiert, heißt es aus Telekom-Kreisen. Das Ringen um seine Nachfolge erhitzt nun die Gemüter im Konzern - mit unschönen Begleiterscheinungen.

Noch-Telekom-Personalchef Klinkhammer: Streit um die Nachfolge
DDP

Noch-Telekom-Personalchef Klinkhammer: Streit um die Nachfolge

Die Gewerkschaft Ver.di brachte für die Nachfolge schon früh die T-Systems-Managerin und Personalexpertin Regine Büttner ins Spiel. Doch diese Personalie löste bei der Telekom Unmut aus, auch unter Arbeitnehmervertretern. Denn Büttners Ehemann Rolf sitzt im Ver.di-Bundesvorstand und ist außerdem stellvertretender Aufsichtsratschef der Deutschen Post Chart zeigen. Kritiker vor allem auf der Anteilseignerseite im Aufsichtsrat befürchten eine zu große Nähe zu Ver.di. Dies könne sich bei künftigen Personalentscheidungen negativ auswirken. Das Ehepaar Büttner könne Stellenbesetzungen in Zukunft im Wohnzimmer ausmachen, wurde da gelästert.

Jetzt bekam SPIEGEL ONLINE anonym einen Brief. Angeblicher Absender: Ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder. Angeblicher Adressat: Post-Chef Klaus Zumwinkel. Letzterer ist zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Telekom und war eine treibende Kraft bei Obermanns Berufung.

"Das habe ich in meiner Laufbahn noch nicht erlebt"

In dem Schreiben steht, er, Schröder, sei "nach reiflicher Überlegung" zu dem Ergebnis gekommen, "von meinem Anliegen, Frau Regine Büttner zur Nachfolgerin zu bestellen, Abstand zu nehmen". Er sehe sich als Ver.di-Bundesfachbereichsleiter für Telekommunikation internen Vorwürfen der "Beugung der Mitbestimmungsstrukturen" ausgesetzt. "Auch die Person von Herrn Büttner ist, wie Sie wissen, nicht mehr frei von Zweifeln in der eigenen Organisation, als auch in der öffentlichen Wahrnehmung." Das Papier soll suggerieren, Ver.di habe kein Interesse mehr an Büttner als Telekom-Personalvorstand.

Nur stimmt das nicht. "Da arbeitet jemand mit Mitteln, die ich in meiner gesamten beruflichen Laufbahn noch nicht erlebt habe", sagt Ver.di-Sprecher Harald Reutter zu SPIEGEL ONLINE. Ver.di werde Anzeige erstatten. Der vermeintliche Absender Lothar Schröder war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. "Herr Schröder wird personelle Fragen bei der Telekom nicht beantworten", sagte Ver.di-Sprecher Reutter. Auch Post und Telekom wollten sich weder zu personellen Veränderungen im Telekom-Vorstand noch zu dem Brief äußern.

Das Rennen um den Posten eines neuen Telekom-Personalchefs ist damit weiter offen. Neben Regine Büttner steht Dietmar Welslau zur Debatte, der zurzeit bei der Festnetzsparte T-Com für Personalfragen zuständig ist - und den Klinkhammer selbst als Nachfolger vorgeschlagen hatte. Möglich sei aber auch die Nominierung eines Dritten, hieß es aus der Telekom, da auch Welslau angeblich aus dem Rennen sei. Am Ende werde man wohl versuchen, Klinkhammer zum Bleiben zu bewegen.



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