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Shanghai »Gefangene der Zero-Covid-Strategie«

Max J. Zenglein ist Chefökonom des Mercator-Instituts für China-Studien (Merics). Zuvor arbeitete er für die Auslandshandelskammer Greater China in Peking.
aus DER SPIEGEL 14/2022
Foto:

Hector Retamal / AFP

SPIEGEL: Herr Zenglein, China hat mit Shanghai die größte Stadt des Landes abgeriegelt. Was heißt das für die Wirtschaft?

Zenglein: Die leer gefegten Straßen wirken dystopisch. Ich glaube aber, dass die wirtschaftlichen Verwerfungen nicht so groß sein werden. Wir haben bei anderen Lockdowns in China gesehen, dass die Produktion in vielen Fabriken weiterläuft. Auch in Shanghai bleiben die Börse und der Hafen bislang geöffnet.

SPIEGEL: Wo liegt dann das Problem?

Zenglein: Die Menschen sehen in den sozialen Medien, dass die Supermarktregale leer sind. Sie fragen sich: Wie lange muss ich zu Hause bleiben? Bekomme ich etwas zu essen? Wer mit solchen Fragen beschäftigt ist, bucht keinen Urlaub und verschiebt Anschaffungen.

SPIEGEL: Während andere Länder die Coronaregeln lockern, hält China an der Zero-Covid-Strategie fest. Warum?

Zenglein: Die Kommunistische Partei ist Gefangene ihrer Zero-Covid-Strategie. Sie hat stets das Bild vermittelt, die Lage im Griff zu haben und mit dem Finger auf die steigenden Fallzahlen im Westen gezeigt. Das schürte Erwartungen, denen man nun nicht gerecht werden kann. Omikron ist einfach zu ansteckend.

mic
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