Gefeuert wegen 60 Cent Französische Supermarkt-Mitarbeiterin bekommt Schadenersatz

60 Cent soll die Angestellte eines Supermarktes in Frankreich unterschlagen haben - und wurde dafür gefeuert. Jetzt bekommt sie Schadenersatz und ihren Job zurück. Ein ähnlicher Fall hatte jüngst auch in Deutschland Aufsehen erregt.

Auneau - Eine Mitarbeiterin der französischen Discountkette Atac hat sich vor Gericht gegen ihren Arbeitgeber durchgesetzt. Das Unternehmen hatte der Frau vorgeworfen, unberechtigt 60 Cent auf ihre persönliche Treuekarte des Geschäfts gebucht zu haben, und sie gefeuert. Ein Arbeitsgericht in Versailles erklärte die Kündigung für ungültig und sprach der Frau 17.380 Euro als Entschädigung zu, wie sie am Donnerstagabend der Nachrichtenagentur AFP sagte.

Damit endet für die Angestellte eine jahrelange Odyssee: Der Chef des Geschäfts in Auneau südwestlich von Paris habe sie im November 2007 beschuldigt, die Einkäufe eines Kunden auf ihre Rabattkarte gutgeschrieben zu haben, sagte die Frau, die nur ihren Vornamen Marie-Christine angeben wollte. "Er hat mich wie eine Diebin behandelt."

Sie sei dann im Februar 2008 entlassen worden. Die Frau vermutete, dass ihr Ex-Gatte, der ihre Rabattkarte nach der Scheidung behalten hatte, diese ohne ihr Wissen weiter benutzt hat. Ihrem Arbeitgeber wirft sie vor, die angebliche Unterschlagung genutzt zu haben, um überzähliges Personal loszuwerden.

Atac will gegen das Urteil nicht in Berufung gehen. Der Mitarbeiterin werde angeboten, sie wieder einzustellen, erklärte die Supermarkt-Kette.

Niederlage für Berliner Kassiererin

In Deutschland hatte jüngst ein ähnlicher Fall für Furore gesorgt: Ende Februar war die Kündigungsschutzklage einer Berliner Kassiererin der Supermarktkette Kaiser's abgewiesen worden. Das Unternehmen hatte sie wegen unterschlagener Pfandbons von 1,30 Euro fristlos entlassen.

Laut dem Landesarbeitsgericht war im Fall der Frau eine sogenannte Verdachtskündigung gerechtfertigt, weil durch den vom Arbeitgeber ausreichend begründeten Verdacht der Unterschlagung ein "irreparabler Vertrauensverlust" entstanden sei.

Der Fall hatte weit über die Grenzen Berlins hinaus Solidaritätsaktionen für die Frau ausgelöst. Politiker und Gewerkschaften hatten sich für ihre Weiterbeschäftigung eingesetzt.

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