Gehälter in Deutschland Arbeitnehmer hatten 2008 mehr Geld in der Tasche

Vollbeschäftigte haben im vergangenen Jahr mehr Gehalt bekommen: Bei Banken und Versicherungen verdienten sie mit durchschnittlich knapp 59.000 Euro am meisten - trotz Finanzkrise. Generell erhalten Westdeutsche nach wie vor mehr Lohn als ostdeutsche Kollegen.


Berlin - Unter dem Strich hatten Vollzeitbeschäftigte im vergangenen Jahr mehr Geld zur Verfügung als 2007: Der Verdienst stieg im Schnitt um 2,8 Prozent und damit stärker als die Verbraucherpreise, die um 2,6 Prozent zulegten, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Berlin mit. Arbeitnehmer im produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich verdiente durchschnittlich 41.509 Euro brutto.

Café in Berlin: Beschäftigte im Gastgewerbe mussten mit knapp 24.000 Euro zurechtkommen
DDP

Café in Berlin: Beschäftigte im Gastgewerbe mussten mit knapp 24.000 Euro zurechtkommen

"Allerdings haben nicht alle Arbeitnehmergruppen gleichermaßen profitiert", sagte Roderich Egeler, Präsident des Statistikamts. Insbesondere ungelernte und angelernte Beschäftigte mussten sich mit realen Einkommenseinbußen zufriedengeben: Leitende Angestellte bekamen im Schnitt 81.000 Euro, ungelernte Kräfte erhielten dagegen nur 23.400 Euro.

Auch bei den einzelnen Branchen gebe es Unterschiede, sagte Egeler. Spitzenverdiener waren die Beschäftigten bei Banken und Versicherungen, die durchschnittlich knapp 59.000 Euro verdienten und sich zudem mit 4,6 Prozent über die stärkste Gehaltserhöhung freuen konnten. Dagegen mussten Beschäftigte im Gastgewerbe mit knapp 24.000 Euro zurechtkommen, das sind gerade einmal 1,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Sozialwesen und im verarbeitenden Gewerbe wurden die Gehaltserhöhungen ebenfalls von der Inflation wieder getilgt.

Durchschnittlicher Bruttojahresverdienst im Jahr 2008*

Wirtschaftszweig Bruttojahresverdienst in Euro
Produzierendes Gewerbe/Dienstleistungen 41.509
Produzierendes Gewerbe 43.027
Bergbau/Gewinnung von Steinen 43.640
Verarbeitendes Gewerbe 44.092
Energie- und Wasserversorgung 55.026
Baugewerbe 33.390
Dienstleistungsbereich 40.214
Handel 38.256
Gastgewerbe 23.833
Verkehr und Nachrichtenübermittlung 36.098
Kredit- und Versicherungsgewerbe 58.791
Unternehmensnahe Dienstleistungen 42.357
Erziehung und Unterricht 39.676
Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen 38.482
Sonstige Dienstleistungen 39.112

* Ohne Beamte und Auszubildende Quelle: Destatis

Die Einkommenskluft zwischen Ost- und Westdeutschland verengte sich 2008 leicht. Allerdings verdienen Vollzeitbeschäftigte in den neuen Bundesländern mit gut 30.000 Euro immer noch gerade einmal 70 Prozent dessen, was Angestellte im Westen erhalten.

Bei den Kosten für Arbeit - also den Lohnnebenkosten mit den Sozialabgaben der Arbeitgeber - lag Deutschland trotz der Tarifsteigerung weiterhin im Mittelfeld der EU-Staaten. In der Privatwirtschaft mussten Arbeitgeber auf 100 Euro Bruttolohn noch einmal 32 Euro Nebenkosten drauflegen. Der EU-Durchschnitt lag bei 36 Euro. Die höchsten Lohnnebenkosten hatte Frankreich mit 50 Euro, die niedrigsten Malta mit neun Euro.

Bruttojahresverdienst 2008 - Neue Bundesländer*

Wirtschaftszweig Bruttojahresverdienst in Euro
Produzierendes Gewerbe/Dienstleistungen 30.151
Produzierendes Gewerbe 29.642
Bergbau/Gewinnung von Steinen 37.089
Verarbeitendes Gewerbe 29.593
Energie- und Wasserversorgung 44.582
Baugewerbe 26.528
Dienstleistungsbereich 30.577
Handel 27.153
Gastgewerbe 18.349
Verkehr und Nachrichtenübermittlung 28.561
Kredit- und Versicherungsgewerbe 44.293
Unternehmensnahe Dienstleistungen 27.715
Erziehung und Unterricht 40.787
Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen 35.038
Sonstige Dienstleistungen 28.803

* Ohne Beamte und Auszubildende Quelle: Destatis

Deutschland gehörte zu den EU-Staaten mit den am wenigsten steigenden Arbeitskosten. Diese setzen sich aus dem direkten Lohn und den Lohnnebenkosten zusammen. Arbeit in der Privatwirtschaft kostete 2008 pro Stunde 29,80 Euro. Spitzenreiter war Dänemark mit 36,50 Euro, Schlusslicht Bulgarien mit gerade mal 2,50 Euro. Der EU-Schnitt betrug 23,10 Euro.

Bei den für die Beurteilung der Wettbewerbsfähigkeit wichtigen Lohnstückkosten - also die auf eine bestimmte Leistungseinheit entfallenden Lohnkosten - stand Deutschland im EU-Vergleich mit einer Steigerung von 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr 2008 gut da. Nahezu alle anderen EU-Staaten hatten höhere Steigerungen zu verkraften. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft habe sich sukzessive verbessert, sagte Egeler.

Bruttojahresverdienst 2008 - Früheres Bundesgebiet*

Wirtschaftszweig Bruttojahresverdienst in Euro
Produzierendes Gewerbe/Dienstleistungen 43.310
Produzierendes Gewerbe 45.122
Bergbau/Gewinnung von Steinen 45.020
Verarbeitendes Gewerbe 46.028
Energie- und Wasserversorgung 57.140
Baugewerbe 35.449
Dienstleistungsbereich 41.758
Handel 39.595
Gastgewerbe 24.874
Verkehr und Nachrichtenübermittlung 37.568
Kredit- und Versicherungsgewerbe 59.951
Unternehmensnahe Dienstleistungen 44.509
Erziehung und Unterricht 39.204
Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen 39.114
Sonstige Dienstleistungen 41.136

* Ohne Beamte und Auszubildende Quelle: Destatis

Werden auch Teilzeitbeschäftigte mit einbezogen, stiegen 2008 bereits das fünfte Mal in Folge die Lebenshaltungskosten stärker als die Einkommen, wie aus früheren Angaben der Statistiker hervorgeht. Für 2009 erwarten Experten wegen der deutlich niedrigeren Inflation reale Einkommenszuwächse: Die Forschungsinstitute sagen in ihrem Frühjahrsgutachten gerade noch eine Teuerungsrate von 0,4 Prozent verglichen mit dem Vorjahr voraus.

wie/AP/AFP/Reuters



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