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16. April 2009, 07:20 Uhr

Gehälterdebatte

Unionsfraktion fordert schärfere Regeln für Manager

Der politische Druck auf Unternehmensführer steigt: Die Unionsfraktion im Bundestag hat sich laut einem Pressebericht auf zusätzliche Auflagen für Manager und Aufsichtsräte von Aktiengesellschaften geeinigt.

Berlin - Die Unionsfraktion im Bundestag bereitet offenbar einen Verhaltenskatalog für Unternehmenslenker vor: So sollten Vorstände künftig bei ihren Haftpflichtversicherungen für Managementfehler eine Eigenbeteiligung übernehmen, berichtete die "Financial Times Deutschland".

Proteste gegen Manager-Boni: Unionsfraktion will Ausschüttungen verschieben
DPA

Proteste gegen Manager-Boni: Unionsfraktion will Ausschüttungen verschieben

Zudem will die Union demnach erreichen, dass Vorstände nicht sofort in den Aufsichtsrat wechseln können, sondern eine "Abkühlungsphase" von drei Jahren einlegen müssen. Der direkte Wechsel von Managern aus der operativen Verantwortung in die Kontrollgremien hatte in der Vergangenheit immer wieder für Kritik gesorgt. So wurde unter anderem die mangelnde Unabhängigkeit der ehemaligen Vorstände bemängelt.

Außerdem setze sich die Union dafür ein, dass die Hauptversammlungen von Aktiengesellschaften ein "Missfallensvotum" zu den Gehältern des Vorstands abgeben können, berichtete die Zeitung weiter. Diskutiert werde darüber hinaus, ob Boni für Manager erst nach fünf Jahren ausgezahlt werden können. Dadurch sollten sich die Führungskräfte stärker am langfristigen Erfolg des Unternehmens orientieren.

Vor allem die Managerbezahlung hatte zuletzt für intensive Diskussionen gesorgt. Angesichts der grassierenden Wirtschafts- und Finanzkrise hatten Politiker und Gewerkschaften die teilweise weiterhin üppigen Auszahlungen an Vorstände attackiert.

Für Furore sorgte unter anderem das Management der Dresdner Bank, die mittlerweile vom Wettbewerber Commerzbank übernommen wurde. Die neun Vorstände des Geldkonzerns hatten trotz eines Verlustes in Milliardenhöhe 2008 eine Vergütung von rund 58 Millionen Euro erhalten. Sie kassierten damit doppelt so viel wie im Vorjahr - obwohl die Bank damals 450 Millionen Euro Gewinn gemacht hatte. Damit gehören die Dresdner-Manager zu den Spitzenverdienern unter den europäischen Bankvorständen.

Entsprechend mehrten sich zuletzt die Forderungen nach einer wirksamen Kontrolle der Gehälter. Anfang der Woche hatte der Chef der Dienstleistergewerkschaft Ver.di, Frank Bsirske, für eine höhere Besteuerung von Bonuszahlungen plädiert. Ab einer Größenordnung von zwei Millionen Euro sollten etwa 80 Prozent fällig werden. So könnte der Kultur der Maßlosigkeit wirksam begegnet werden. Zudem müsse Schluss damit sein, dass Bonizahlungen unternehmensseitig von der Steuer abgesetzt werden könnten.

Bereits zuvor hatte die CSU gefordert, Ausschüttungen bei Krisenfirmen zu stoppen. Generalsekretär Alexander Dobrindt hatte erklärt: "Unternehmen, die Staatshilfen beantragen, dürfen ab diesem Zeitpunkt keine Boni mehr auszahlen - auch nicht für die Zeit davor." Die Politik müsse verhindern, dass Staatsgelder an Manager durchgereicht werden, sagte der CSU-Politiker.

suc/Reuters/AP

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