Gehälterdebatte Unionsfraktion fordert schärfere Regeln für Manager

Der politische Druck auf Unternehmensführer steigt: Die Unionsfraktion im Bundestag hat sich laut einem Pressebericht auf zusätzliche Auflagen für Manager und Aufsichtsräte von Aktiengesellschaften geeinigt.


Berlin - Die Unionsfraktion im Bundestag bereitet offenbar einen Verhaltenskatalog für Unternehmenslenker vor: So sollten Vorstände künftig bei ihren Haftpflichtversicherungen für Managementfehler eine Eigenbeteiligung übernehmen, berichtete die "Financial Times Deutschland".

Proteste gegen Manager-Boni: Unionsfraktion will Ausschüttungen verschieben
DPA

Proteste gegen Manager-Boni: Unionsfraktion will Ausschüttungen verschieben

Zudem will die Union demnach erreichen, dass Vorstände nicht sofort in den Aufsichtsrat wechseln können, sondern eine "Abkühlungsphase" von drei Jahren einlegen müssen. Der direkte Wechsel von Managern aus der operativen Verantwortung in die Kontrollgremien hatte in der Vergangenheit immer wieder für Kritik gesorgt. So wurde unter anderem die mangelnde Unabhängigkeit der ehemaligen Vorstände bemängelt.

Außerdem setze sich die Union dafür ein, dass die Hauptversammlungen von Aktiengesellschaften ein "Missfallensvotum" zu den Gehältern des Vorstands abgeben können, berichtete die Zeitung weiter. Diskutiert werde darüber hinaus, ob Boni für Manager erst nach fünf Jahren ausgezahlt werden können. Dadurch sollten sich die Führungskräfte stärker am langfristigen Erfolg des Unternehmens orientieren.

Vor allem die Managerbezahlung hatte zuletzt für intensive Diskussionen gesorgt. Angesichts der grassierenden Wirtschafts- und Finanzkrise hatten Politiker und Gewerkschaften die teilweise weiterhin üppigen Auszahlungen an Vorstände attackiert.

Für Furore sorgte unter anderem das Management der Dresdner Bank, die mittlerweile vom Wettbewerber Commerzbank Chart zeigen übernommen wurde. Die neun Vorstände des Geldkonzerns hatten trotz eines Verlustes in Milliardenhöhe 2008 eine Vergütung von rund 58 Millionen Euro erhalten. Sie kassierten damit doppelt so viel wie im Vorjahr - obwohl die Bank damals 450 Millionen Euro Gewinn gemacht hatte. Damit gehören die Dresdner-Manager zu den Spitzenverdienern unter den europäischen Bankvorständen.

Entsprechend mehrten sich zuletzt die Forderungen nach einer wirksamen Kontrolle der Gehälter. Anfang der Woche hatte der Chef der Dienstleistergewerkschaft Ver.di, Frank Bsirske, für eine höhere Besteuerung von Bonuszahlungen plädiert. Ab einer Größenordnung von zwei Millionen Euro sollten etwa 80 Prozent fällig werden. So könnte der Kultur der Maßlosigkeit wirksam begegnet werden. Zudem müsse Schluss damit sein, dass Bonizahlungen unternehmensseitig von der Steuer abgesetzt werden könnten.

Bereits zuvor hatte die CSU gefordert, Ausschüttungen bei Krisenfirmen zu stoppen. Generalsekretär Alexander Dobrindt hatte erklärt: "Unternehmen, die Staatshilfen beantragen, dürfen ab diesem Zeitpunkt keine Boni mehr auszahlen - auch nicht für die Zeit davor." Die Politik müsse verhindern, dass Staatsgelder an Manager durchgereicht werden, sagte der CSU-Politiker.

suc/Reuters/AP



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Hadraniel, 29.01.2009
1.
Warum nur gegen Managergehälter? Wenn es eine Gehaltsuntergrenze gibt (Sozialhilfe), warum nicht auch eine Gehaltsobergrenze? Nach meinem Verständnis von Moral und Ethik lassen sich Jahresgehälter über dem Lebensarbeitseinkommen von potentiellen Besserverdienenden (ein Akademiker mit Abschluss in IT oder Ingenieurswissenschaft hat ein Humankapital von rund 2.5 Millionen Euro) durch NICHTS rechtfertigen. Gleichzeitig gehört eine Vermögensobergrenze etabliert. Das 10- oder 100fache Humankapital des eben genannten Beispielverdieners wäre mehr ausreichend, um einer Tragik der Allmende entgegenzuwirken und Raum für das am unteren Ende der Einkommensgrenzen so oft geforderte "Leistungsprinzip" zu bieten. Wer für 100 Leben ausgesorgt hat, der hat wirklich genug. Des einen Reichtum ist schliesslich auch automatisch die Armut vieler anderer. Selbst mit den philantropischsten Absichten kann man irgendwann seiner Verantwortung als Besitzer von viel Eigentum nicht mehr gerecht werden (gleiches gilt für Einkommen -> Haftung, Verantwortung). Schade, daß man immer sofort in die kommunistische Ecke gesteckt wird, sobald man solche Gedanken äußert. Bin gespannt auf die Reaktionen hier.
joselito 29.01.2009
2.
Zitat von sysopDie Vorschläge von Finanzexperten aus Union und SPD stehen bereits: Die Große Koalition will schärfere Auflagen für Managergehälter - sie sollen noch vor der Bundestagswahl im September in Kraft treten. Eine richtige Initiative?
Dazu hätte ich mal eine grundsätzliche Frage: bekommen Banken und Grosskonzerne das Geld, *das Geld der Steuerzahler*, welches unsere Regierung ihnen zur Verfügung stellt, damit sie ihre leergezockten Kassen wieder auffüllen können, eigentlich geschenkt, oder müssen sie es zurückzahlen ? Und was ich von den "schärferen Auflagen" halte ? Die Manager werden Wege finden, diese "Auflagen" zu unterlaufen. Die Grosse Koalition hat doch noch nie etwas zustandegebracht, was handwerklich durchdacht und rechtlich abgesichert ist.
sample-d 29.01.2009
3. Spitzensteuersatz abschaffen
Zitat von HadranielWarum nur gegen Managergehälter? Wenn es eine Gehaltsuntergrenze gibt (Sozialhilfe), warum nicht auch eine Gehaltsobergrenze? Nach meinem Verständnis von Moral und Ethik lassen sich Jahresgehälter über dem Lebensarbeitseinkommen von potentiellen Besserverdienenden (ein Akademiker mit Abschluss in IT oder Ingenieurswissenschaft hat ein Humankapital von rund 2.5 Millionen Euro) durch NICHTS rechtfertigen. Gleichzeitig gehört eine Vermögensobergrenze etabliert. Das 10- oder 100fache Humankapital des eben genannten Beispielverdieners wäre mehr ausreichend, um einer Tragik der Allmende entgegenzuwirken und Raum für das am unteren Ende der Einkommensgrenzen so oft geforderte "Leistungsprinzip" zu bieten. Wer für 100 Leben ausgesorgt hat, der hat wirklich genug. Des einen Reichtum ist schliesslich auch automatisch die Armut vieler anderer. Selbst mit den philantropischsten Absichten kann man irgendwann seiner Verantwortung als Besitzer von viel Eigentum nicht mehr gerecht werden (gleiches gilt für Einkommen -> Haftung, Verantwortung). Schade, daß man immer sofort in die kommunistische Ecke gesteckt wird, sobald man solche Gedanken äußert. Bin gespannt auf die Reaktionen hier.
Es muss ja nicht unbedingt eine feste Grenze sein - man könnte auch den Spitzensteuersatz abschaffen, und ab bestimmten Beträgen die Progression wieder einsetzen lassen,so dass die Gehälter automatisch irgendwo begrenzt wären..
Wenzel Storch, 29.01.2009
4. Nicht nur die Manager...
Nicht nur die Manager, sondern auch die sogenannten "Volksvertreter", welche nur die Interessen der Lobbyisten vertreten. Beispiele: Die vielen mangelhaft ausgearbeiteten Gesetze, welche dann von Karlsruhe wieder gestoppt werden mußten. Entscheidungen und Steuerverschwendung, welche oft nur mit Korruption erklärbar ist. Diese zwei Kasten "Manager und Politiker" sind hauptsächlich für die Probleme in unserem Land verantwortlich.
Hippedihop, 29.01.2009
5.
Zitat von joselitoDazu hätte ich mal eine grundsätzliche Frage: bekommen Banken und Grosskonzerne das Geld, *das Geld der Steuerzahler*, welches unsere Regierung ihnen zur Verfügung stellt, damit sie ihre leergezockten Kassen wieder auffüllen können, eigentlich geschenkt, oder müssen sie es zurückzahlen ? Und was ich von den "schärferen Auflagen" halte ? Die Manager werden Wege finden, diese "Auflagen" zu unterlaufen. Die Grosse Koalition hat doch noch nie etwas zustandegebracht, was handwerklich durchdacht und rechtlich abgesichert ist.
Und wodurch lässt sich die Einschränkung rechtfertigen, dass Sie als Unternehmer nicht jemandem soviel Gehalt zahlen können wie Sie es wollen. Sie als Unternehmer wissen doch am Besten, was gut für Ihr Unternehmen ist. Und Sie würden doch nicht dem Unternehmen absichtlich schaden, und irgendjemand den Sie kennen in eine hohe Position hieven um ihn zu bereichern. Ergo: Obergrenze für Managergehälter ist Blödsinn.
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