Gehaltsoffenlegung Stoiber für gläserne Gewerkschafter

Nach der FDP verlangt nun auch Edmund Stoiber, die Chefs der Gewerkschaften in Deutschland müssten zur Veröffentlichung ihrer Gehälter gezwungen werden. Es gehe nicht an, dass nur Konzernmanager zur Transparenz angehalten würden, findet der CSU-Chef.


Wahlkämpfer Stoiber: Kritik auch an Managern bei Daimler
DDP

Wahlkämpfer Stoiber: Kritik auch an Managern bei Daimler

Hamburg - "Auch Betriebsratsvorsitzende in großen Unternehmen und Gewerkschaftsführer sollten ihre Bezüge offen legen, damit man weiß: Gibt es da irgendwelche Interessenkonflikte?", sagte der Parteichef in einem Interview des "Stern". Die Veröffentlichungspflicht solle nicht nur für Manager gelten.

Stoiber stützt damit eine Forderung des potenziellen Koalitionspartners FDP. Was er nicht sagte: Der neue gesetzliche Zwang zur Offenlegung von Gehältern gilt nur für börsennotierte Unternehmen und kann umgangen werden, wenn die Hauptversammlung mit drei Viertel der Stimmrechte ein entsprechendes Votum abgibt. Für Manager großer Staatsunternehmen - etwa bei der Bahn - gilt zudem bisher keine Veröffentlichungspflicht.

Stoibers Managerschelte: "So etwas tut man nicht"

Zugleich übte Stoiber Kritik an DaimlerChrysler-Managern wie Eckhard Cordes, die jüngst Aktien verkauft hatten, die sie über das Optionsprogramm des Konzerns erhalten hatten. "Mir gefällt es auch nicht, wenn Manager eine Phase der Unruhe für sich persönlich ausnutzen und plötzlich Aktienoptionen verkaufen wie bei DaimlerChrysler und Millionen-Gewinne erzielen", kritisierte Stoiber. "In Deutschland müsse das Prinzip wieder gelten: So etwas tut man nicht."

Nach der Ankündigung von DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp, zum Jahresende vorzeitig sein Amt aufzugeben, hatte Mercedes-Chef Cordes Aktien des Unternehmens verkauft und dabei einen Gewinn von fast einer halben Million Euro erzielt. Die Aktien des Konzerns waren nach der überraschenden Ankündigung Schrempps stark gestiegen.

Auch der Einkaufschef des Autobauers, Thomas Sidlik, hat weitere Aktienoptionen eingelöst. Der Manager, der dem Konzernvorstand angehört, verkaufte am 4. August 25.000 Aktien mit einem Kursgewinn von rund 156.000 Euro, wie aus einer heute veröffentlichten Pflichtmitteilung hervorgeht.

Sidlik erhält von DaimlerChrysler zusätzlich einen Barausgleich von rund 143.000 Euro. Der Leiter des weltweiten Einkaufs hatte bereits am 1. August 50.000 Aktien verkauft und inklusive des Barausgleichs fast 600.000 Euro verdient. Zu den Managern, die in den vergangenen zwei Wochen Aktienoptionen gezogen hatten, gehört auch Smart-Chef Ulrich Walker. Die Kursgewinne müssen versteuert werden.



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