Gehaltsstudie Staatsfirmen entlohnen Manager besonders üppig

Wenn es darum geht, hohe Managergehälter anzuprangern, machen Politiker gerne mit. Dabei entlohnen Firmen wie Post, Telekom und Bahn ihre Vorstände besonders üppig. Eine aktuelle Studie zeigt: Nirgendwo ist der Gehaltsabstand zwischen Vorstand und Mitarbeitern so groß wie hier.

Berlin - Diese Studie hat es in sich: Mitten in der Debatte über zu hohe Managergehälter präsentiert Joachim Schwalbach von der Berliner Humboldt-Universität brisante Zahlen. Der Professor hat die Vorstandsvergütung in den 30 Dax-Unternehmen untersucht. Sein Ergebnis: Die politische Diskussion ist scheinheilig - denn gerade in Unternehmen mit staatlicher Beteiligung werden Manager besser bezahlt als in privaten Firmen.

Musterbeispiel ist die Deutsche Post, die sich zum Großteil in staatlichem Besitz befindet. Im Jahr 1995 verdiente hier ein Vorstandsmitglied elf Mal so viel wie ein durchschnittlicher Mitarbeiter. Im Jahr 2006 war es schon das 87-fache. Zum Vergleich: Im Durchschnitt aller Dax-Unternehmen verdiente der Vorstand früher 19 Mal so viel wie ein Mitarbeiter, heute ist es das 44-fache.

Eine hohe Steigerungsrate weist auch der Energiekonzern RWE auf, dessen Aktien sich zu einem großen Teil im Besitz nordrhein-westfälischer Kommunen befinden. Hier erhielt der Vorstand in den achtziger Jahren zehn Mal so viel wie ein einfacher Mitarbeiter. Mittlerweile ist es 50 Mal so viel.

Auch bei der Telekom hält der Staat einen großen Teil der Anteile - und auch hier haben sich die Managereinkommen deutlich erhöht, zumindest bis zur Krise 2001. Das Gleiche gelte für die Deutsche Bahn, sagt Studien-Autor Schwalbach zu SPIEGEL ONLINE. In der Untersuchung wurde der Konzern nur deshalb nicht aufgeführt, weil er nicht an der Börse notiert ist.

"Der Staat wird seiner Verantwortung nicht gerecht", schimpft Schwalbach. "Wer mit dem Finger auf andere zeigt, sollte erst einmal vor der eigenen Haustür kehren." Schließlich entsendet die Bundesregierung zahlreiche Vertreter in die Aufsichtsräte von Post, Telekom und Bahn. Dort segnen die Politiker dann horrende Managergehälter ab - und außerhalb der Sitzungen beklagen sie sich über die Höhe der Vergütung.

"Ganz offensichtlich fehlt es an der nötigen Kompetenz", sagt Schwalbach. Im Aufsichtsrat der Post sitzen unter anderem der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium Werner Gatzer und die ehemalige SPD-Politikerin und jetzige KfW-Chefin Ingrid Matthäus-Maier. Bei der Telekom ist Matthäus-Maier ebenfalls in das Kontrollgremium entsandt, ebenso wie Finanzstaatssekretär Thomas Mirow. Im Aufsichtsrat der Bahn finden sich gleich fünf aktive oder ehemalige Politiker: Ex-Wirtschaftsminister Werner Müller, der CDU-Bundestagsabgeordnete Georg Brunnhuber sowie die Staatssekretäre Jörg Hennerkes, Axel Nawrath und Bernd Pfaffenbach.

Laut Schwalbach sind aber auch die Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten verantwortlich. Sie hätten ebenfalls den hohen Zuwachsraten bei der Vorstandsvergütung zugestimmt.

Erst in der vergangenen Woche war Post-Chef Zumwinkel in die Kritik geraten, weil er millionenschwere Aktienoptionen eingelöst hatte. Kurz zuvor hatte sich die Große Koalition auf einen Mindestlohn in der Branche verständigt, was den Aktienkurs der Post um fünf Prozent nach oben trieb. "Dass die Politik ein solches Verhalten zulässt, ist schon ein Ding", klagt Schwalmbach.

Im Vergleich dazu sind die Manager in klassischen Privatunternehmen bescheidener. So hat die BASF ihren Vorständen früher zwölf Mal so viel bezahlt wie den übrigen Mitarbeitern, heute ist es 40 Mal so viel. Selbst bei der Deutschen Bank hat sich das Verhältnis nur von 17 auf 41 erhöht, bei BMW sogar nur von 25 auf 38.

Allerdings macht dies deutlich: Auch insgesamt werden die Einkommensunterschiede zwischen Managern und Arbeitnehmern größer. So untersucht die Langzeitstudie die Vorstandsgehälter in den Jahren 1987 bis 2006. Das Besondere: Erst ab Mitte der neunziger Jahre ist ein starker Anstieg der Vergütung zu beobachten. Seitdem hat sich die Pro-Kopf-Vergütung der Dax-Vorstände im Durchschnitt mehr als verdreifacht - und ist damit doppelt so stark gestiegen wie in der Dekade zuvor.

Schwalbach sieht nun die Aufsichtsräte in der Pflicht: Seiner Ansicht nach beschäftigen sie sich nur unzureichend mit der Vorstandsvergütung. Das Kernproblem sei, dass die Gehälter kaum an die erbrachte Leistung gekoppelt werden.

Schwalbach empfiehlt deshalb, die Entwicklung der Vorstandsvergütung mit den Gehältern der Mitarbeiter zu verknüpfen. So könne ein Unternehmen zum Ausdruck bringen, dass die erbrachte Leistung das Arbeitsergebnis der gesamten Belegschaft sei - und nicht ausschließlich des Vorstands. Dies würde allerdings bedeuten, dass die Vergütungssysteme auf allen Ebenen an das Ergebnis gekoppelt werden. Eine Forderung, der die Gewerkschaften kaum zustimmen dürften.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.